
psychologischer Thätigkeit. Neben dem specifisch gesehenen
Gegenstände (z. B. der besondern Baumart) wird derselbe
(nach der Wortbildung in der Sprache) allgemein gedacht (als
Baum), und diese letztere Wesenheit (die sprachlich gebildete)
wird dann selbst wieder personificirt,, aber unbestimmter und
weniger greifbar, als die optisch gesehene, und so in der luftigen
Natur eines Genius, gleich der der Seele zukommenden. Ebenso
bei allen übrigen Objecten.
Die Gebete der Römer zu den nach ihren Functionen benannten
Göttern folgten aus der magischen Kraft, die im Gebet
vorausgesetzt wurde, und deren Verwendung man deshalb auch
wieder für den guten Erfolg nöthig hielt. Hatte man aus
Beobachtung rhachitischer Kinder die Wichtigkeit der Knochenhärtung
erkannt, so suchte man sie nun durch Gebete zu unterstützen.
Die Wirkungsweise derselben ist für die menschliche
Auffassung eben so unverständlich, ob man sie an eine die ge-
sammte Welt durchwaltende oder beherrschende Gottheit, die
schon Alles vorgesehen und angeordnet hat, richtet, oder an einen
Partialgott, der diesem besondern Amt vorgesetzt ist. Statt zu
sagen, „betet zu Gott, dass er die Knochen des Embryo härte“,
zog es die römische Religion vor (um alle möglichen Missverständnisse,
die Schaden statt Nutzen stiften würden, zu vermeiden),
dem Volke die einfache Anrufung der Juno Ossipaga
zu empfehlen, mit deren Namen dann bereits alles Erforderliche
ausgedrtickt war. Aehnlich bei Porrima und Postverta (über
glückliche Kopf- und Steissgeburten), Fluvonia (der Menstruation),
Cuba (die Wiege für das Bett vertauschend), Iterduca und Domides
Lebens. Nach den existirenden Typenformen ist die Zahl der Seelen eine
gegebene, wie bei den Fan ti, die sie im Umschwung der Geburten und des E rlöschens
immer wieder zeitweis in der Menschenexistenz auftauchen lassen.
Drossbach lässt nur eine bestimmte Zahl ursprünglich geschaffener Seelen-Atome
zu, wogegen die Creatinisten den Tradncianern gegenüber für die selbstständige
Schopfungskraft aus dem Nichts einstehen.
duca (beim ersten Trippeln), Unxia (bei der Heirath) und Cinia,
Deus Subigus (ut viro subigatur), Prema (ut subacta ne se
commoveat prematur), Dea Pertunda (quae praesto est virginalem
scrobem effodientibus maritis), Dea Perfica, Carna (herzstärkend),
Dea Clivicola (die beim Treppensteigen hilft), Diva Fessonia
(bei Ermüdung), Deus Arculus (der Gott der Kisten und Kasten),
Deus Vergitanus, Locutius u. s. w. So war in den Indigita-
menta gleichsam durch Gelegenheitsengel (s. Preller) für alle
Verhältnisse des Lebens gesorgt. Abraham tadelte (nach Mai-
monides) die Ssabier, die statt zum Schöpfer zur Sonne beteten,
denn sie sei nur wie „ein Beil in der Hand des Zimmermanns“,
und der Zimmermann in Yoruba verehrt das Beil, mit dem er
arbeitet.
Der erste Fortschritt des Geisteslebens markirt sich mit der
Abstraction, in einer selbstständig dieser, als solchen, angehörigen
Schöpfung. Die Gedankenthätigkeit des Naturvolks ist eine
passive, auf Anschauungen beschränkt, die sich auf ihrer Sehfläche
reflectiren, wie die Objecte in einem Spiegel, und dort
wieder verbleichen, ohne Neues hinzuzufügen, abgesehen von
einem kürzeren oder längeren Haften in der Erinnerung, als ob
auf einer photographisch-präparirten Fläche. Mit fortgeschrittener
Organisation ist aber diese Glasfläche des Gedankenspiegels
gleichsam optisch geschliffen, um die Sehstrahlen zu concentriren
und eine selbstthätig fern wirkende Kraft aus ihnen hervorzulocken,
um die Gegenstände, von denen sie ausströmen,
weiter zu zersetzen und alle die denselben angehörigen Eigen-
thümlichkeiten erkennbar aus ihnen zu entwickeln. Der Kaffer
hütet seine Heerden durch die Reproduction eines jeden Thierbildes
neben dem ändern und dem mechanischen Bewusstwerden
ihrer Vollständigkeit oder eines Mangels. Diese lange Reihe
schwerfälliger Associationen vereinfacht sich mit der Zahl, und
die so neu gewonnenen Einheiten können wieder zur Grundlage