
gesammelt. Das grössere hat eine Schirmbreite von 45, das kleinere von 10 mm. Ich bin weder im Stande
Haeckels Beschreibung des ausgewachsenen Thiers noch der ausführlichen Darstellung der Entwicklungsgeschichte
durch Claus*) etwas wesentliches hinzuzufügen. Daher constatire ich nur, dass das kleinere
Exemplar, dem die Gallertkolben macroscopisch betrachtet noch fehlen, schon ei’kennbare Schulterkrausen
trägt und zwischen 2 ocularen nur 2 velare Randlappen besitzt. Beim grösseren treten 6— 8 velare Randlappen
zwischen zwei ocularen auf. Die Saugkolben desselben sind in ihrer ganzen Länge ziemlich gleich
breit, einige jedoch sind distal, dort wo der, Centralkanal sich zu verästeln beginnt, etwas verdickt Dieses
noch nicht völlig entwickelte Exemplar macht daher eine Ausnahme von der Regel Haeckels, dass bei
Rh. pulmo stets der Terminalknopf der Mundarme an der Basis am breitesten, von da gegen die Spitze
verdünnt ist. Im Uebrigen stimmt dasselbe völlig mit einem zweiten aus der Sammlung des hiesigen
zoologischen Instituts überein.
Rhizostoma hispidum. Vh. n. sp. (Taf. V, Fig. 1 u. 2 | | Im October. 1884 wurden'9 Exemplare
dieser Meduse bei Hongkong gesammelt. In ihrer Grösse differiren sie von 20—90 mm Schirmbreite,: Der
Schirm der grösseren Tbiere ist fiaehgewölbt bis halbkugelig; bei den kleineren ist er scheibenförmig mit eingeschlagenem
Bande. DieExumbrella ist ausgezeichnet durch einen ziemlicbsdicbten Besatz von niedrigen, spitz
kegelförmigen Warzen, die bei den grösseren Thieren kurzen Stacheln ähnlich hervortreten und ein rauhes Aussehen
bedingen. Der Schirm ist nur von dünner Gallerte gestützt. Am Bande finden sich zwischen zwei
Paaren kleiner zurücktretender Ocularlappen 8 abgerundet dreieckige velare, also im Ganzen SQ. Lappen.
Bei jüngeren Thieren sind noch je zwei von ihnen vereinigt, sp dass dort nur 40 Randlappen auftreten.
Die 16 Areaden des .Canalnetzes berühren wie bei Stomolophus die Arnipfeiler bei den grösseren Exemplaren,
doch scbliessen' sie sich nicht so eng an die Radialcanäle an,, so dass j'ederseits von ihnen noch em
freier Baum bleibt. Diese Zwischenräume schimmern hell durch die Exumbrella hindurch und rufen eine
IGstrahlige Sternzeichnung hervor. Ein breiter Ringcanal, wie bei'E. octopus, ist nicht vorhanden. Die
adradialen Canäle verhalten sich zu den Areaden anders als die perradialen und mterradialen. -Die
letzteren beiden sind nahe der Mitte des Schirms schon nach einem Viertel ihrer Länge mit den Areaden
durch seitliche Anastomosen verbunden, die nach den Bändern zu in immer kleiner werdenden Abständen
sich wiederholen. Die adradialen Canäle dagegen zeigen in der Mitte ihres Verlaufs eine Erweiterung, von
der erst die Anastomosen beginnen. Die Gonaden sind auch bei den grösseren Thieren noife klein und
treten wenig aus den breiten Ostien zwischen den um */» schmäleren Armpfeilem heraus. Die Scapuletten
finden sich schon bei Exemplaren von 20 mm Durchmesser — den kleinsten, die mir Vorlagen — sind dort
im Verhältniss zu den Mundarmen, kurz, während sie bei den grösseren ebenso lang wie der Oberarm sind.
Jede Schulterkrause trägt zahlreiche kleine Peitsohenfilamente und zwischen ihren äussersten Lappen ein
grösseres Filament Thieren von 65 mm Schirmbreite fehlen diese Anhänge noch. Ferner treten 4 stärkere
perradiale Peitschenfilamente in der Mitte der Mundscheibe auf, je eines zwischen den proximalen Enden zweier
Mundarme, die auch bei Thieren von nur 30 mm Durchmesser noch deutlich erkennbar waren. Die dieser
Gattung eigentümlichen Gallertknöpfe am distalen Ende der Mundarme sind gestielt Sie fehlten nur bei dem
kleinsten vorhandenen Exemplar. Der Stiel derselben erreich* höchstens die Länge des Endknopfes. Äehnliche
*) Stadien über Polypen and Quallen der Adria. Denkschriften der Kaiserlichen Academie der Wissenschaften. Math.-
Natunv. CI. XXXYHI. Wien 1878. pag. 47. .
Saugkolben, nur verhältnissmässig kleiner, finden sich bei den grösseren Thieren auch am Ende der Armzweige.
Zuweilen sind dieselben durch einfache Filamente ersetzt, woraus hervorgeht, dass diese Peitschenfilamente
und Saugkolben gleichwerthige Gebilde sind. Wäre dieses nicht der Fall, so müsste R. hispidum
von den übrigen Arten- der Gattung Rhizostoma als einzige Art einer neuen Gattung getrennt werden.
Aus der oben gegebenen Beschreibung geht hervor, dass das Auftreten von Endkolben an den
Armzweigen nicht als Gattungscharacter aufgefasst werden darf, sondern allein als Altersunterschied zu
betrachten ist. Daher ist es nicht weiter wunderbar, dass Haeckel solche Gallertknöpfe auch bei R. octopus
antraf. Das Genus Rhopilema muss also eingezogen werden.
Man könnte nun vermuthen, dass R. hispidum mit R. clavigerum identisch ist, welches ebenfalls bei
Hongkong gefunden wurde. An Grösse bleibt das von Haeckel beschriebene Exemplar von 80 mm Schirmbreite
nur wenig hinter dem grössten unserer Meduse zurück. Daher kommt die geringere Zahl der Randlappen
48 bei R. clavigerum gegen 80 bei R. hispidum auch in Betracht. Die Exumbrella, bei letzterem
stachelig, wird bei dem ersteren grobkörnig genannt. Peitschenfilamente fehlen jenem vollständig und die
Stiele seiner Gallertkolben sind ebenso lang, „kaum länger“ als der Oberarm, während sie bei R. hispidum
noch nicht halb so lang sind.
Rhizostoma (Rhopilema) rhopalophorum aus dem Indischen Ocean, das seiner zahlreichen Gallertkolben
wegen ebenfalls in Betracht zu ziehen ist, unterscheidet sich durch die doppelte Zahl der velaren
Randlappen von R. hispidum, ferner durch seine längeren Gallertknöpfe, die ebenso lang wie die Unterarme
sind. Da ausserdem nichts erwähnt wird vom Stachelbesatz der Exumbrella und von Peitschenfilamenten,
was bei einem Thier von 100 mm Schirmdurchmesser nicht zu übersehen ist, SO muss man die vorliegende
Meduse als neue Art anerkennen.
Mastigias L. Agassiz. Zum Genus Mastigias rechne ich im Sinne von Agassiz alle Rhizostomen,
deren 3kantig pyramidale Mundarme Gallertknöpfe tragen, wobei es gleichgültig ist, ob die Gallertknöpfe
nur am Ende der Mundarme oder, auch seitlich zwischen den Saugkrausen auftreten. Auf das letztere
Vorkommen gründete Haeckel das Genus Eucrambessa. Dieses ist jedoch aus den bei R.hispidum angeführten
Gründen ebenso wenig haltbar wie Rhopilema. Von Mastigias liegen zwei Arten vor: M. ocellata, die
bisher nur ganz kurz beschrieben wurde, und M. Orsini, die neu ist. Bei beiden finden wir seitliche' und
terminale Gallertknöpfe.
Mastigias ocellata Haeckel. (Taf. V, Fig. 3—6). Dieser Art gehören zwei Medusen an, welche im
October 1884 bei Hongkong gesammelt wurden. DieExumbrella ist von zahlreichen braun gerandeten hellen
Augenflecken mit brauner Pupille bedeckt Die Zwischenräume zwischen den Flecken sind dicht braun punktirt.
Der Schirm ist flach, scheibenförmig, mit eingeschlagenem Rande und hat beim grösseren Exemplar einen
Durchmesser von 50, beim kleineren von 25 mm. Bei beiden Thieren finden sich zwischen zwei vorspringenden
ocularen Randlappen 6 velare, die stumpf abgerundet sind und paarweise verschiedene Grösse
haben.- Die beiden den Ocularlappen zunächst liegenden sind die kleinsten, die diesen benachbarten etwas grösser
und die beiden mittleren am grössten. Ausnahmsweise bemerkt man, dass einzelne Randlappen sich theilen.
Auf der Unterseite zeigt sich vom Rand bis zum Beginn der Mundpfeiler ausgedehnt eine kräftige Ringmuskelzone,
die nur durch die 8 ocularen Radialcanäle unterbrochen wird. Diese ocularen Canäle beginnen
mit schmaler Oeflhung, sind dann nahe ihrem Ursprung flaschenartig erweitert und verlaufen allmählich
5