
Eine weit andere Wirkung liat die Kontraktion der Fasern, welche die untere gleichfalls konisch
geformte Hälfte des Muskelnmutels ausinaehen. Da selbige sich in schräger Richtung zwischen dem
Rande der Genitalöffnung und der Leibeswand ausspannen, so wird eine Verkürzung derselben eine
Ausweitung der Genitalöffnung zur Folge lieben. Die vom Depressor lier'nbgeschobene Bursa copu-
latrix kann jetzt in den vom Dilatator stark erweiterten Genitalporus eintreten.
Es liegt aber auch, wenn man die Lage der mittleren Insertionsfläche im Auge behält, klar
auf der Hand, dass der eben beschriebene Muskelapparat die eigentliche Iiervörstülpung des Kopulationsorganes
allein nicht bewerkstelligen kaim. Zu diesem Zwecke sind zwei kräftige Muskeln, die
Protrusores bursae, angebracht, welche ungefähr in der Mitte der Genitalscheide beginnen, die Leibeshöhle
in diagonaler Richtung durchsetzen und schliesslich lateral in der Nähe des Depressor bursae an
der Muskulatur der .Schwanzspitze endigen. Sie zeigen den nämlichen Bau wie die Refraktoren des
Receptaculum und enthalten je einen grosseipjlänglieh ovalen Kern, in dem sich ausser dem grossen
eckigen Nucleolus noch einige kleinere, durch ein feines Maschenwerk verbundene Chromatinhäufchen
deutlich unterscheiden lassen.
Bei allen diesen Betrachtungen darf jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass auch die
äusserst kräftige Muskulatur der Leibeswand an der Ausstülpung des Kopulationsorganes einen wesentlichen
Antheil nehmen kann. Durch das gleichzeitige Zusammenwirken der Ring- und der Längs-
miiskulatur wird ein Druck auf die in der Lcibeshöhle eingeschlossene Blutflüssigkeit ausgeübt, der seine
Wirkung in der Richtung des geringsten Widerstandes, in diesem Falle also gegen die Bursa hin. entfalten
muss.
Bei der Zurückziehung der Bursa kommen- ausser dem Dilatator nur noch zwei Muskeln
i Retractores bursae) in Betracht, die vom oberen Ende der Genitalscheide abgehen und neben, den
Seitentheilen des Ligamentum Suspensorium hinziehen, bis sie in der Höhe der Keimdrüsen mit der
Längsmuskulatur der Leibeswand sich vereinigen. Trotz ihrer gewaltigen Länge weisen diese Faserbänder
doch nur je einen einzigen Kern auf.
Die Entwickelungsgeschichte des männlichen Genitalapparates.
K jt escliicl i tli ein Bf IJ ebe i*l >1 i c*l£.
Den ersten Versuch, die Entwickelungsgeschichte des männlichen Geschlechtsapparates aufzu-
klären, verdankt die Wissenschaft R. L e u e k a r t 1). In der im Oktober des .Jahres 1802 veröffentlichten
höchst denkwürdigen Abhandlung: „Ueber Echinorhynclmsu liefert er den strikten Nachweis, dass die
Keimdrüsen nebst den Ansfübrungsgängen der Geschlechtsprodukte aus der hinteren Hälfte des als
Embryonalkern bekannten Zellhaufens sich herausbilden:
Nachdem die Embryonen des Echinorhynclms protens eine Länge von 0,1 mm erreicht haben,
beginnt der Embryonalkern unter rascher Grössenzunahme sich zu strecken. Die einzelnen Zellen
l) Helminthologische Expei-iinentaluntersuchungen. Nachrichten von der 0- A. 1 niversitüt. zu Güttingen, 1802,
No. 22. pag. 488—440, 442—448.
gruppiren sich zu Haufen, die immer schärfer sich gegen einander absetzen und immer bestimmter sich
als die Anlagen der späteren Hauptorgane zu erkennen geben. Das erste Gebilde, das deutlich sich
abhebt, ist das Ligamentum Suspensorium. Sein vorderes Ende trägt zwei ovale Anschwellungen, die
sich theilweise decken und die erste Anlage der männlichen Keimdrüsen darstellen. In einigem Abstande
folgt darauf ein kurzes cylindrisches Stück, welches das untere Ende des Ligamentes scheidenförmig
umfasst. Es zieht sich später in das Vas deferens mit der Samen blase aus. Nach hinten geht dieses
unpaare Gebilde in das fast kugelige Endstück über, das jetzt freilich von der Muskehvand des Körpers
fast, vollständig umwachsen ist und immer deutlicher als Anlage, des glockenförmigen Penis erkannt wird.
Zwei Jahre später veröffentlichte G r e e f f 1) einige Notizen über die Bildung des männlichen
Genitalapparates bei Echinorhynclms polymorplms, die im grossen. und ganzen L e u e k a r t ’s Angaben
bestätigen, sonst aber nichts wesentlich Neues enthalten.
Nach S c h n e id e r ’s 2) Beobachtungen legen sich die Geschlechtsdrüsen bei Echinorhynclms yiyas
als zwei aus je etwa vier Zellen bestehende Körper an. Sie stehen jeder durch einen aus einer Reihe
von Zellen bestehenden Strang — den späteren Aasführungsgang — in Verbindung mit dem bekannten
muskulösen Vas deferens. Den feinkörnigen Strang, der vom Receptaculum aus in der Mitte der
Leibeshöhle herabzieht und eine Anzahl schöner, grösser Kerne enthält, fasst S c h n e id e r nicht als
Ligamentum Suspensorium auf, sondern nimmt ihn als einen späterhin ohliterirenden Darm in
Anspruch.
Im darauffolgenden Jahre entdeckte v. L i n s to w 3), dass die sechs grossen Kittdrüsen, die zu
den Seiten des Vas deferens liegen, aus je einer einzigen Zelle hervorgehen..
Weit vollständiger und eingehender, als dies jeher geschehen war, schildert L e u e k a r t die
gesammten UmwandlungsVorgänge, welche der Genitalapparat von seiner ersten Anlage als einfacher
Zellenhaufen bis zur vollkommenen Ausbildung zu durchlaufen hat, in der letzten Lieferung des grossen
Parasiten werkes A).
Die vorletzte der vier aus dem Embryonalkern entstandenen Zellengruppen zerfällt schon frühe
in eine peripherische Schicht und einen davon umschlossenen Kern, der selbst wiederum von zwei neben
einander liegenden Ballen (Hoden) gebildet wird. Die nächsten Veränderungen bestehen darin, dass die
eben erwähnte peripherische Schicht nach vorn und hinten sich verlängert und in eine Hülle aus wächst,
welche die anderen Zellengruppen mantelartig überzieht. Nachdem der Embryonalkern um etwa das
Doppelte seines Querdurchmessers sich verlängert hat, wird in der Aussenwand eine enge Längsspalte
sichtbar, die zunächst auf der Höhe der Geschlechtsdrüsen ringförmig um die Achsenorgane herum-
greni ;ift, dann aber, ziemlich rasch nach vorn und hinten über die ganze Umhüllung mit Ausschluss nur
der letzten Ende:
sieh ausdehnt u
id dieselbe ir
auf einander liegende Schichten auflöst. Die
innere Lage venv
ndelt sich in dit
Rüsselscheide
s Ligament, die beide anfangs in Röhrenform
• *) Unterauel-
geschichte, 1864, pag.
?) Ent
Natur- und Heilkunde, 1*71.
s) Zur Anatomie ur
pag. 12-13.
i n
über den Bau
120, Tatei 2, Fig.
. 2—8.
die Naturgeschichte
A.
•jchinorhunr.hus miliar lux. Archiv für Natur-
gigas. Sitzungsberichte der Oberhessischen Gesellschaft für
. Entwickelungsgeschichte des Echiaorhynchus angustalux. Archiv für Naturgeschichte, 1872.
Parasiten. 2. Bd. 1876, pag. 826—829, 831, 837—841. Fig 393—895; 397—398.
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