
geben, welche nur bei ausgehungerten (von Nahrungskörpern befreiten) Exemplaren mit Deutlichkeit wahrzunehmen
sind. Dieselben stehen radiär zur contractilen Vacuole, sind sehr lang und schmal und besitzen
einen geschlängelten Verlauf. Am deutlichsten erscheinen sie kurz vor der Systole, nach welcher ihr Inhalt
zusammenfliesst um eine neue Vacuole zu bilden. Sie verlaufen unmittelbar unter der Corticalplasmaschicht.
Der Makronucleus (Fig. 57, 58 und 63 N) ist ziemlich gross, länglich ellipsoidal und besitzt einen
netzigen Bau. An isolirten und fixirten Kernen bemerkt man eine deutlich begrenzte Kernhülle und in den
Knotenpunkten des Netzwerks einzelne kleine stark lichtbrechende Körperchen. Er wird stets von 1 bis
mehreren anliegenden Mikronuclei (ncl) begleitet. Dieselben sind länglich, ellipsoidal und lassen im
fixirten und gefärbten Zustande, ausser der Hülle, noch zwei Abschnitte unterscheiden: einen kürzeren,
homogenen, achromatischen und einen längeren, streifigen, chromatischen Abschnitt. Die Lage des Kernes
ist ziemlich wechselnd, weil er von der Plasmacirculation im Körper umhergeführt wird; jedoch ist er meist
in der hinteren Körperhälfte anzutreffen.
Bei einigen Exemplaren fanden sich im Corticalplasma oder zuweilen sogar im Entoplasma noch
zahlreiche grüne Körper (Fig. 587) eingelagert, welche den Thieren eine grüne Färbung verliehen. Dieselben
erwiesen sich nach der Untersuchung als selbständige Organismen, die zuerst von B ra n d t unter dein
Namen Zoochlorella Conductrix (5; pag. 24 und 6; pag. 151, Taf. I, Fig. 4—5 und 16—25) beschrieben
werden. Diese Zoochlorellen lassen sich durch Zerquetschen der Frontonien sehr leicht iso-
liren und zeigen dann folgenden Bau. Es sind- sehr kleine (0,004—0,005 mm im Durchmesser), rundliche
Zellen, die vom hyalinen Protoplasma erfüllt sind, in welches ein kleiner, rundlicher, mit Haematoxylin
färbbarer Kern (Fig. 64 N) eingelagert ist; ausserdem enthalten sie hoch eine grosse durch Chlorophyll grün
gefärbte Chromatophorplatte, welche muldenförmig gestaltet ist (Fig. 64 A u. B). Die isolirten Zoochlorellen
liessen sich im hängenden Tropfen cnltiviren (gegen 20 Tage), und vermehrten sich dabei lebhaft durch
Theilung, welcher die Zweitheilung des Kerns und des Chromatophors (Fig. 641) immer voranging. Auf
diese Weise wurde die Selbständigkeit dieser Algen auch für F ro n to n ia leucas nachgewiesen. Ja es gelang
mir sogar einmal ein chlorophylloses Exemplar mit Zoochlorellen zu inficiren, indem ich zu mehreren isolirten
Exemplaren einige chlorophyllhaltige zerdrückte Thiere hinzusetzte, worauf eines der Thiere am folgenden
Tage mehrere Zoochlorellen enthielt, die sich im Verlauf von ein paar Tagen so stark vermehrten, dass
das Thier vollkommen grün erschien.
Diese Art der Symbiose wurde von B ran d t (6; pag. 147) als Vergesellschaftung von Algen mit
Thieren bezeichnet, indem er behauptete, dass die Thiere, welche genügende Mengen von Zoochlorellen enthielten,
sich vermöge derselben wie echte Pflanzen ernährten und dass demnach die Algen nur in morphologischer
Hinsicht als Parasiten aufzufassen sind, wogegen in physiologischer Hinsicht die Algen beherbergenden
Thiere, gewissermassen als Parasiten erscheinen. Diese Behauptung möchte ich, wenigstens
für F ro n to n ia leucas, bezweifeln, weil die grün gefärbten Exemplare sich ebenso wie die farblosen ernährten
und in allen Exemplaren gefressene Diatomeen anzutreffen waren.
Durch die oben beschriebenen Culturversuche der Zoochlorellen und die Infection farbloser
Exemplare mit denselben wäre ferner der Beweis geliefert, dass die von E h ren b e rg (27; pag. 329) als
B u rs a ria (Frontonia) leucas und vernalis und von Dujardin (24; pag. 493—494) als Panophrys
(B u rsa ria ) leucas . und vernalis beschriebenen Arten identisch sind und dass das Vorhandensein
oder Fehlen der Zoochlorellen nicht zur Unterscheidung der Arten dienen kann, worauf übrigens schon
viele Forscher, hinwiesen. Auf die Identität dieser beiden Arten wurde schon seinerzeit von Claparede
und Lachmann (13; pag. 260) hingewiesen; später vertrat sie Entz (28; pag. 647) mit Bestimmtheit
F ro n to n ia leucas gehört nicht zu den selteneren Infusorien, wurde jedoch von mir blos 2 oder
3 mal, aber immer in grösserer Menge angetroffen. Sie hält sich meist am Boden der Infusionen zwischen
Algen auf und schwimmt sehr lebhaft umher, immer mit dem Vorderende voran, beständig rotirend. Der
Körper ist elastisch und formbeständig; die Farbe ist weisslich grau, kann aber infolge der stark licht-
brechenden, dunklen Körperchen, welche zuweilen in grösser Menge im Entoplasma Vorkommen, einen dunkleren,
ja sogar schwärzlichen Ton annehmen. Die Exemplare, welche Zoochlorellen enthalten, erscheinen bei schwachen
Vergrösserungen vollkommen grün.
Frontonia leucas ernährt sich mit grösser Vorliebe von Diatomeen; sie ist sehr gefrässig, so dass
der Körper wegen der in grösser Quantität aufgenommenen Nahrung ganz undurchsichtig erscheinen kann.
Es ist desshalb rathsam, solche Exemplare einige Zeit in reinem Wasser zu isoliren, da man an gehungerten
Exemplaren die Organisationsverhältnisse, namentlich den Bau des Mundes und Schlundes, besser
studiren kann.
F ro n to n ia leucas wurde zuerst von E hrenberg beschrieben. Stein (59; pag. 59 und 60; pag. 63)
glaubte ihre Verwandtschaft mit Nassula nachgewiesen zu haben und errichtete für sie eine besondere Gattung
Cyrtostomum, unter welchem Namen sie auch von anderen Forschern beschrieben wurde. Desgleichen
errichtete auch D u ja rd in (24; pag. 491—492) die Gattung P anophrys für solche Bursarien, welche einer
stärkeren adoralen Wimperzone entbehren, und zog unsere Form zu derselben. Da aber der Gattungsname
F ro n to n ia der älteste ist, so halten wir für gerathen, ihn beizubehalten. Von anderen Forschem
(P erty 50, Maupas 44) wurde sie mit der nahe verwandten Gattung Ophryoglena vereint und von Ale-
n itz in (I) sogar mit Nass ula verwechselt. Alle Beschreibungen, mit Ausnahme der von Maupas, sind
recht mangelhaft und beziehen sich nur auf gröbere Organisationsverhältnisse.
Maupas erkannte die undulirende Membran am Peristom, verfiel aber in einen Irrthum in Betreff des
Schlundes, indem er die Furche, welche nach hinten vom Munde zieht und die von Alenitzin schon als
solche erkannt wurde, für den Schlund hielt. Ferner verkannte er die 4 Cilienreihen, welche in der
Furche und im Peristome verlaufen, und hielt die optischen Durchschnitte der Cilien für Trichocysten, wogegen
sie von Alenitz in für zahnartige Gebilde gehalten wurden. Jedoch erwähnt Maupas (44; pag. 649),
dass auch am rechten Peristomrande ein' Flimmerorgan vorhanden wäre, welches aber bedeutend weniger
entwickelt und schwerer zu sehen sei, als das am linken Peristomrande befestigte, so dass er mit Sicherheit
nicht sagen koünte, ob es eine Membran oder Cilien wären. Diese 4 Cilienreihen sind auch neuerdings von
Fabre-Domergue (32; pag. 15) verkannt worden, indem er die Cilien am rechten Peristomrande als
Stäbchen deutete, welche in’s Entoplasma eingesenkt sein sollen. Die Lage des Afters wird richtig angegeben.
Der Bau des Ectoplasma’s differirt von meiner Auffassung; ferner sollen nach Fabre-Domergue
(32; pag. 17—18) die zuführenden Kanäle der contractilen Vacuolen unter einander anastomisiren, was ich
nicht beobachten konnte und entschieden bestreiten möchte. Der Verlauf der Körperstreifen wurde von den
früheren Forschern nicht festgestellt.
B ib lio th e c a zo ologica. H o ft 5. 6