
des T seien mit einer fadenziehenden Masse, dem äusseren Blatt, ausgekleidet. Nun denke man sich
die Verticale in ganzer Länge, die Horizontale in der Mitte dehnbar und demzufolge das T vergrössert:
Die in den Winkeln befindliche Masse wird sich zu Fäden ausziehen, welche die Arme des T geradeswegs
mit dem Stamm verbinden und, wie die Myoblasten der Knospe, immer länger und dünner werden, je
weiter sie vom Knotenpunkt abrücken. In Wirklichkeit verlaufen die Fasern bald nicht mehr in der
Frontalebne, sondern da die Cystidbildung in oraler Richtung am raschesten fortschreitet, so gehen sie
von der Knospe nach seitwärts und vorn. Die letzte Bewegung gewinnt die Oberhand, und die Muskeln,,
die eine Zeit lang zur Linken und Rechten der Tochterknospe hinziehen (Fig. 100), wandern mit den
entsprechenden Theilen der Leibeswand immer weiter oralwärts, indem zwischen diesen und der Mündung
des Polypids das typische Cystid sich entwickelt. Die Kerne des Bündels liegen dann ziemlich in
gleicher Höhe, dem Integument näher als dem Polypid.
ui.
Auch bei Cristatella werden die Retractoren in der geschilderten Weise, d. h. am Knospenhals
angelegt. Sie verbinden dann die Knospe jederseits mit der oberen Decke (s. den schemat. Frontalschnitt
I). Indem ihr Ursprung weiter vor und zur Seite rückt, gelangt er in die Nähe der Septen (II),
welche nach links und rechts das zur Knospe gehörige Stück der Kolonialwand begrenzen und, wie wir
wissen, modificirte Cystidtheile sind. Mit ihnen ist nun das Schicksal der Muskeln aufs engste verknüpft.
Die Septen, welche theils neu angelegt, theils nur weiter ausgebaut und fortgeführt werden, ergänzen
sich aus den Mesodermzellen der oberen Decke, in letzter Instanz aus dem äusseren Knospenblatt. So
gehen denn auch die Muskeln auf die benachbarten Septen über (III), und da diesen von oben her
immer neues Material zufliesst,' während sie unterwärts wieder das innere Epithel der Sohle zu bilden
haben, die ja in gleichem Maass, als die Knospe wächst, sich verbreitern muss, so langen sie schliesslich
am Grunde der Septen auf der Sohle an (IV), wo sie nun ihren definitiven Platz finden. Derselbe
entspricht ganz und gar dem, welchen sie auch bei den verästelten Formen einnehmen. Hier sehen wir
den Retractor jederseits an der oralen Cystidwand entspringen, etwas oberhalb der Stelle, wo fsich diese
vom Mutterthier abhebt. Die Fasern ziehen dann zur Linken und Rechten des ausgestreckten Polypids
nach vorn und oben, jede für sich gesondert, doch so, dass eine Ansammlung zu vier Gruppenpaaren
bemerkbar wird. Ihren Verlauf hat schon Allman ziemlich gut dargestellt, einiges Neue hat dann noch
Nitsche *) hinzugetügt. Die grosse Masse der Fasern spaltet sich in zwei Bündel, welche den Weg zum
*) Ueber AIcyonella, 1868.
Munde einschlagen und sich da zu beiden Seiten des Ganglions theils am Pharynx, theils an der
Lophophorwand inseriren. Allman bezeichnet den inneren Ast als Retractor, den äusseren als Rotator.
Sicher sind aber beide in erster Linie als Retractoren thätig, erst in zweiter kommen sie als „Rotatoren
der Tentakelkrone“ in Betracht, und hier freilich das äussere Paar mehr als das innere. Die ersten
Rotatorfasern setzen sich am Ursprung des Ringkanals fest, etwa in gleicher Höhe mit der Mesodermlamelle,
die ihn nach unten zu abschliesst, andere ziehen weiter in die Lophophorarme hinein (Taf. V, Fig. 62,
I, re). Hier scheinen sie direct in die Tunica muscularis überzugehen, deren Längsfasern sehr stark
entwickelt sind, anfangs nur an der Aussenseite (Fig. 62), später in der ganzen unteren Lophophorwand
bis zu den Tentakeln hinauf. Bei Cristatella werden dadurch die einzelnen Arme in hohem Grade
beweglich. — Vom Pharyngealbündel (das theilweise noch in Fig. 62, I, bei ri sichtbar ist), zweigen
sich Fasern nach dem Oesophagus (Allman) und selbst nach dem Cardialtheil des Magens ab (Nitsche).
Am Ursprung des Enddarms häufen sie sich zu einem kleinen Bündel, das wir als drittes bezeichnen
können (Kraepelins „Cardia-Flexor“). Ein grösseres viertes Bündel, welches theilweise schon Allman
gesehen hat, inserirt sich am Blindsack.' Dieses letztere, aber auch andere, höher gelegene Fasern des
Retractors, sind, wie Nitsche behauptet, bei eingezogenem Polypid nach hinten gerichtet, also vermuthlich
bei der Austülpung activ betheiligt. Ich muss diese auf Plumatella bezügliche Angabe dem Widerspruch
Kraepelins entgegen bestätigen, die Abbildung Nitsches im Archiv f. An. u. Phys. 1868, Taf. XII, Fig. 9,
entspricht vollkommen der Wirklichkeit. Für Fredericella kann ich nicht bürgen. Bei Cristatella nehmen
die Fasern einen Verlauf, der jene Mitwirkung gleichfalls möglich erscheinen lässt, in der fertigen Kolonie
sowohl wie bei der veränderten Lage im Statoblasten (Taf. XIV, Fig. 158). Das Hauptagens bei der
Ausstülpung bleibt aber ohne Zweifel der durch Contraction der Leibeswand auf die Blutflüssigkeit
ausgeübte und auf das Polypid übertragene Druck. Bei Cristatella, wo wegen des Mangels typisch
abgesetzter Cystide der Einfluss des einzelnen Individuums auf die Compression der Leibesflüssigkeit ein
verschwindender ist, ja wo praktisch nur eine einzige Leibeshöhle existirt, unterliegt diese wahrscheinlich einem
beständigen Druck, welcher ohne Weiteres genügt, die Ausstülpung herbeizuführen, wenn ihr nicht mit besonderer
Anstrengung entgegengearbeitet wird. Daher ziehen sich hier die Polypide nur in aussergewöhnlichen
Fällen und nur auf kurze Dauer zurück, während sie bei den anderen Formen stundenlang sich verbergen
können. Beim Einziehen werden zunächst alle Muskeln gleichmässig verkürzt, dann treten die hintersten
Fasern ausser Spiel, ihnen folgen der Reihe nach die übrigen. Bei einem völlig eingezogenen Thier von Plumatella
sah ich einmal alle Muskeln mit Ausnahme der „Rotatoren“ erschlafft und in mäandrische Windungen gelegt.
Die Duplicaturmuskeln (Taf. III, Fig. 43—46, dm), einzellige, dünne Fasern, deren Kern meistens
dem Vaginaltheil der Duplicatur genähert ist, entstehen wahrscheinlich in ähnlicher Weise wie die
Elemente der grosöen Muskeln. Mit Unrecht hat Verworn ihre Existenz bei Cristatella, wo die Duplicatur
sehr viel niedriger ist als bei den anderen Formen, geleugnet, sie sind auch hier vollkommen deutlich.
Das Epistom wird von Muskeln bewegt, welche grösstentheils in dem Winkel, unter dem sich
die beiden Aeste des Gabelkanals vereinigen, ihren Ursprung haben. Von da durchziehen sie divergirend
die Deckelhöhle, um sich an deren seitlicher und unterer Wandung festzuheften. Andere Fasern
entspringen an der Oberseite des Deckels und laufen schräg nach abwärts und vorn. Sie sind bei
Cristatella nahezu senkrecht gestellt und hier die einzigen, welche entwickelt werden (Taf. V, Fig. 61),
Von den Fasern der Seitenhöhlen des CWsiaieWa-Deckels habe ich schon gesprochen (S. 56 f.).