
Tentakel entstehen kann. Dabei müssten allerdings in jedem Octanten 5 Tentakeln sich finden, doch
konnten bei abnormer Ausbildung einzelne derselben unterdrückt werden.
10. Chrysaora plocamia Haeckel. Eine bei Puntas Arenas in Patagonien gesammelte Chrysaora
bestimme ich als Ch. plocamia, die von Lesson im gleichen Gebiet, an der pacifischen Küste von Südamerika
entdeckt wurde. Sie hat halbkreisförmige Randlappen und besitzt auch die dieser Art eigentümlichen,
verhältnissmässig kurzen, gardinenartigen Mundarme. Die Randlappen, oculare wie tentaculare, sind ziemlich
von gleicher Grösse und anscheinend gleichweit vorspringend. Die Radialtaschen sind sämmtlich gleich breit
von ihrer Basis bis zur halben Länge, dann erweitern sich die Oculartaschen allmählich und erreichen ihre
grösste Breite in der Zone dicht unter den Rhopalien. Vo da ab verengern sie sich in gleicher Weise bis
zur Höhe d<tr seitlichen Tentakeln. Die Septen wenden sich nun unter stumpfem Winkel in radialer
Richtung dem Rande zu, so dass die ocularen Taschen dort ungefähr halb so breit als die tentacularen
werden. Das vorliegende Exemplar hat eine Schirmbreite von 83 mm; die wol nicht vollständig erhaltenen
Mundarme sind kaum so lang als der Durchmesser. Die Gallerte der Exumbrella ist weniger fest und auch
die breiten gardinenförmigen Mundarme sind weniger kräftig als bei Ch. mediterranea. Eine Sternzeichnung
auf der Exumbrella ist nicht zu erkennen, sie scheint durch die Conservirung zerstört zu sein.
11. Chrysaora chinensis. Vh. n. sp. Diese bisher nicht beschriebene Art wurde im Oktober
1884 im südchinesischen Meer in der Nähe von Hongkong entdeckt. Das einzige m i r v o r l i e g e n d e Exemplar hat
eine Schirmbreite von 70 mm bei 30 mm Höhe. Die Exumbrella ist mit zahlreichen sehr kleinen Warzen,
die schuppenartig hervorragen, vorn Scheitel bis zu den Randlappen dicht besetzt. Oculare und tentaculare
Randlappen springen gleich weit vor und haben auch gleiche Breite. Beide sind höher als breit und endigen
mit stumpfer Spitze, da ihre Ränder beiderseits weit nach innen umgeschlagen sind. Der vom Ocularlappen
durch die geschweiften Septen abgetrennte Theil ist deutlich von dem übrigen Randlappen unter stumpfem
Winkel abgesetzt und erreicht nur die halbe Höhe des ganzen. Dieser Umstand bedingt, dass die Ocularlappen
schmäler und spitzer als die tentacularen erscheinen. Die Radialtaschen sind an ihrer Basis unter
einander gleich breit. Die Septen, welche eine oculare Radialtagche einschliessen, verlaufen fast bis zum
letzten Drittel gerade, sind dann ausgeschweift, da sich die Oculartaschen bis zur doppelten Breite der
tentacularen erweitern. Im letzten Viertel ihres Verlaufs nähern die Septen sich wieder, so dass die
Oculartaschen distal nur halb so breit als die Tentaculartaschen werden. Die Mundarme messen mehr als
250 mm, sind daher 3 */2 mal so lang als der Schirmdurchmesser. Nahe der Muhdöffnung sind sie fast so
breit wie der Schirmradius und könnten gardinenförmig genannt werden, da die Mittelrippe schwach und
der Faltensaum dünn ist. Schon in der Peripherie des Schirms aber sind die Arme, wenn man sie seitlich
ausbreitet, bis zu des Schirmradius verschmälert und bleiben dann von gleichmässiger Breite. Eine
Sternfigur der Exumbrella ist bei dem conservirten Exemplar nicht zu erkennen; sie scheint nur dadurch
angedeutet, dass die Warzen der Exumbrella in den Falten des Schirms besser erhalten sind.
Chrysaora chinensis unterscheidet sich nach dieser Beschreibung von den ähnlichen Arten durch die
deutlich hervortretenden Warzen, die nur noch bei Ch. Blossevillei erwähnt werden. Die sehr langen Mundarme,
wie sie sich bei Ch. calliparea finden, machen eine Verwechslung mit Ch. melanaster unmöglich, die
ausserdem zungenförmige distal sich verbreiternde Randlappen besitzt. Vor Ch. calliparea zeichnet sie sich
durch' die hohen, spitzen Randlappen aus.
Desmonema. L. Agassiz.
Das Genus Desmonema wurde 1862 von L. Agassiz für Chrysaora Gaudichaudi Lesson gegründet.
Die Beschreibung und Abbildung dieser Meduse war jedoch so ungenau, dass Agassiz die Zusammengehörigkeit
dieser Art mit einer später am gleichen Fundorte unweit der Küste des Feuerlandes entdeckten
nicht erkannte und für die letztere eine neue Gattung aufstellte, der er nach ihrem Entdecker den Namen
Couthouyia gab. Ohne Zweifel aber bestätigt sich die Vermuthung Haeckels, dass beide Thiere nächstverwandt
sind und höchstens verschiedene Arten derselben Gattung bilden.
L. Agassiz characterisirt das Genus Couthouyia folgendermassen*): Cyanea ähnliche Medusengattung
mit 16 breiten Radialtaschen, 8 grossen Tentakelbündeln, 4 langen Mundarmen ähnlich denen von Chrysaora.
Die Tentakeln sind in einer Reihe geordnet und stehen parallel dem Rande der 8 tentacularen Randlappen,
während sie sich bei Cyanea um die zwischen zwei Rhopalien gelegenen Randlappenausschnitte gruppiren.
Die ocularen Lappen sind von den tentacularen deutlich abgesetzt. Die Radialtaschen sind untereinander
fast gleich breit, nicht so ungleich wie bei Cyanea, und die Gonaden hängen nicht so weit wie bei dieser herab.
Die angeführten Unterschiede genügen jedenfalls, eine neue Gattung neben Cyanea aufstellen zu
lassen. Zu dieser Gattung Desmonema gehört nun auch eine Semaeostome, welche von Lieutenant Chierchia
bei Puntas Arenas gesammelt wurde.
Haeckel aber giebt folgende Genusdiagnose für Desmonema**)': „Cyanide mit 8 Sinneskolben und
mit zahlreichen Tentakeln, welche 8 adradiale Bündel an der Subumbrella bilden; alle Tentakeln eines
Bündels in einer Reihe nebeneinander. (Schirmradius mit 8 Haupt- und 16—32 Nebenlappen.)"
Dieselbe ist nicht brauchbar, da sie kein wesentliches Merkmal enthält. 8 Sinneskolben und 8 Tentakelbündel
kommen in gleicher Weise jeder Cyanea zu und in einer Reihe angeordnete Tentakeln lassen
sich bei den meisten jüngeren Exemplaren von Cyanea ebenfalls constatiren. Wie ich an zahlreichen
Exemplaren von C. capillata aus der Danziger Bucht beobachtete, tritt zuerst die dem Centrum zunächst
liegende Reihe von Tentakeln allein auf, denen sich später bei grossen Thieren zwischen dieser Reihe und
dem Schirmrande neue Reihen schwächerer Tentakeln hinzugesellen. Dem einzigen brauchbaren Merkmal,
den 8 Hauptlappen und 16—32 Nebenlappen, legt Haeckel keinen Werth bei und stellt es daher in Klammern.
Dieses geschieht wol, weil es für die von. ihm neu beschriebene Art Desmonema Annasethe nicht
zutrifft Desmonema Annasethe aber gehört garnicht zum Genus Desmonema, sondern ist eine echte Cyanea.
Sie hat mit Desmonema nur die einreihigen Tentakelbündel gemein, die jedoch wie oben erwähnt auch
bei jüngeren Thieren von Cyanea capillata, selbst noch bei Exemplaren von 70 mm Durchmesser sich finden
und, wie ich glaube, bei allen Cyaneaarten in gewissem Stadium beobachtet werden können. ***) ' Im
Uebi’igen besitzt sie wie Cyanea 8 grössere Randlappen, die, durch die Rhopalienbucht getheilt, in 16 kleinere
zerfallen und von denen sich die Ocularlappen nur wenig absetzen. Ferner sind auch ihre Mundarme
gardinenartig, die Gonaden tief herabhängend und die Tentakeln tief in die Musculatur der Subumbrella
*) 1. c. pag. 118.
**) l. ci pag. 526.
***) Haacke erwähnt einreihige Tentakelbündel bei Jugendformen von Cyanea Müllerianthe. W.Haacke, die Syphomedusen
dos S . Vincent .Golfes. Jenaische Zeitschrift für Naturwissenschaft Bd. XX. Jena 1887. pag. 613.