
Die Cutis des Kopfendes ist Anfangs geschlossen und stülpt sich nach Bildung der Anfangs noch offenen.
Scheide des Rüssels dieser entgegen, um später in sie herein zu wachsen, wodurch der Rüssel entsteht.
Noch während die Anlage des Rostellum frei vor der Scheide liegt, bilden sich an der Innenwand des
ersteren eigenthümliche Zellen mit einem kleineren, stumpferen und längeren spitzen Ausläufer, in denen
die Haken entstehen, deren Wurzelast zuerst verhältnissmässig viel gröser ist, als bei ausgewachsenen
Tliieren, da er gleich so lang angelegt wird, wie er später bleiben soll, während der Haken erst sich
vergrössert und so zu sagen aus der Bildungszelle herauswächst, wodurch die Spitze frei wird. Das
subcuticulare Gefässsystem entwickelt sich aus Zellen mit glänzenden Kernen, die in einer Anordnung
auftreten, dass man aus derselben schon die Richtung der späteren Gefässe erkennt, welche dadurch
entstehen, dass die Zellen an den zugewandten Polen mit einander verschmelzen.
L e u c k a r t 1) hat nach seinen Studien am Ecldnorhynchus protens2) und Ecliinovhynchus angustcctus3)
ein klares Bild von der Entwickelung der Subcuticula und der ihr zugehörigen Gebilde entworfen: Die
erste Rüsselanlage erscheint als eine scharfbegrenzte helle Masse, in der man ausser einigen glänzenden
Körnchen nur eine Anzahl zarter Bläschen zu unterscheiden vermag\ Im weiteren Wachsthum vertauscht
diese ihre frühere Kugelform mit einer mehr conischen,; indem sie sich nach hinten in einen Zapfen auszieht,
dessen Wachsthum mit der Verlängerung des vorderen Körpers gleichen Schritt hält. Während
sich nun die Wände der Rüsselanlage allmählich verdicken, wird das vordere Segment des Rüsselzapfens
immer zarter und hinfälliger iind geht endlich verloren. Dicht vor dei* so entstandenen Einstülpungsöffnung
liegt eine Gruppe #yon vier grossen Zellen, die der Hautschicht der Larve zugehören, während
die Innenfläche des Sackes von einer Lage scharfgezeichneter, kleiner Zellen bedeckt ist. Auf diesem
Entwickelungsstadium verharrt der Rüsselapparat eine längere Zeit, während welcher er wie der gesammte
Leib nicht unbeträchtlich an Grösse zunimmt. Späterhin wird die Rüsseltasche durch die Contraetionen
des Receptaculum zur Umstülpung gebracht. Während die Hautschicht des übrigen Körpers im Wesentlichen
noch den früheren Bau hat, d. h. aus einer von bläschenförmigen, grossen Zellen durchsetzten
Körnermasse besteht, erscheint die Umhüllung des Rüsselzapfens als eine einfache Lage dicht gedrängter
grösser Zellen. Diese Zellen zeigen dieselbe Anordnung, die wir an den Zellen der Rüsseltasche oben
hervorgehoben haben. Trotzdem sind diese beiderlei Zellen nicht etwa identisch, wie daraus hervorgeht,
dass sich die letzteren nach wie vor auf der Rüsselfläche auffinden lassen. Sie liegen unter den Hautzellen
und sind jedesmal da, wo deren vier zusammenstossen, in einen conischen Fortsatz ausgewachsen,
der zwischen den Zellen mehr oder minder weit hervoragt und augenscheinlicher Weise den späteren
Haken zu liefern bestimmt ist. Der Haken selbst ist nichts, als eine umgewandelte, an ihrer Oberfläche
chitinisirte Zelle. Die Chitinisirung beginnt erst dann, wenn die Hakenfortsätze die ganze Dicke der
Hautzellen durchwachsen haben und mit ihren Spitzen die Cuticula berühren. Sobald das geschieht, bekommen
sie von letzterer eine Scheide, die freilich zunächst nur das äusserste Ende überzieht, allmählich
aber in Tutenform immer tiefer sich einsenkt und schliesslich den ganzen Fortsatz und selbst die Wurzel
umkleidet. Die zwischen den Haken liegenden Zellen gehen bei der Entwickelung der Scheide allmählich
’) Die menschlichen Parasiten. 2. Bd. pg. 829—836, 841.
*) Nachrichten von der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen. 1862, pg. 433—447.
®) Decanatsprogramin. 1873. pg. 23, 24.
verloren, so dass die ersteren, trotzdem, sie nicht nachwachsen, immer mehr und freier aus der Chitin-
bekleidung des Rüssels hervortauchen. — Die erste Anlage der Lemnisken markirt sich als eine ringförmige
Aufwulstung der Hautdeckeii, die wesentlich dadurch bedingt ist, dass sich an dieser Stelle die
blasenartigen Einlagerungen der Hautschicht in ungewöhnlicher Menge anhäufen. Die Wulstung führt
zu einer zapfenartigeu Auftreibung, die an zwei einander gegenüber liegenden Punkten nach Innen
vorspringt und rasch zu einem cylindrischen Anhang wird, der die benachbarten Blasen grösstentheils
in sich aufnimmt, den Raum zwischen Hautmuskelschlauch und Kompressor durch wächst und den letzteren
dann vor sich her treibt.
Das subcuticulare X^ibrillengefleclit.
Die Anlage der Subcuticula fällt in die früheste Periode des parasitären Lebens, in welcher die
Embryonen,, oder vielmehr die daraus hervorgehenden Larven noch in den Darmhäuten ihrer Träger
ruhen. Selbige wird durch eine Auflockerung des zentralen Kernhaufens eingeleitet, infolge deren sich
einige der Peripherie des Ballens angehörende Kerne loslösen und unter beständiger Grössenzunahme in
die Körperwand der Larve ein wandern.;1) Die eben abgetrennten Kerne zeigen ganz dieselbe Beschaffenheit
wie die des restirenden zentralen Haufens. Sie repräsentiren eckige — im Leben fettartig
glänzende, auf Dauerpräparaten aber stets sehr dunkel gefärbte — Gebilde, die auf den ersten Blick
von Chromatm vollständig erfüllt zu sein scheinen (s. Tafel 10, Fig. 2, hn c1: Tafel 9, Fig. 59). Bei
Auswahl dünner Schnitte und bei sorgfältigem Studium mit sehr starker Vergrösserung lässt sich der
Nachweis erbringen, dass das Kerninnere von einem (vielleicht auch mehreren) gleichmässig dicken und
homogenen Bande, das zu einem dichten Knäuel zusammengesehlungen ist, gebildet wird. Je mehr der
Kern sich, vergrössert, um so deutlicher tritt dje chromatische Figur hervor (s. Tafel 9, Fig. 60). Der
Kern verliert dabei seine eckige Form und verwandelt sich ini eine trübkörnige und sich dunkel tin-
girende Plasmakugel, auf deren Oberfläche man jetzt ein deutliches Kernhäutchen zu unterscheiden
vermag (s. Tafel 9, Fig. 60). Die nächsten Veränderungen, welche, abgesehen von der Volumen-
vergrösserung mit den Hypodermiskernen vor sich gehen, bestehen darin, dass das breite Chromatinband
sich zu einem sehr langen, gleichfalls' homogenen, dünnen Faden auszieht. Eine Zeit lang behält die
chromatische Substanz ihre ursprüngliche, wirre Knäuelform bei (s. Tafel 9, Fig. 61).. Mit fortschreitender
Verdünnung des Fadens aber richten sich die einzelnen Windungen einander parallel, wodurch schliesslich
’) L e VH- k a r t sah dio Kerne in nnniittelbarov Nähe des Kernhaufens entstehen, hielt sie aber für Zellen, die
durch fortgesetzte Teilung den sogenannten Embryonalkern, der seinen Untersuchungen zufolge den gesammten Echino-
rhynchus mit Ausnahme seiner Hautdecken aus sich hervorgehen lässt, liefern sollten. Ueber die Bildungsvorgänge
spricht sich L e u c k a r t folgendermassen aus: „Der zentrale Körnerballen wächst um etwa die Hälfte seines früheren Durchmessers
und bedeckt sich dann mit einer Lage blasser Kernzellen. Anfangs sind es nur einige wenige, zwei oder drei Zellen,
dio sich erkennen lassen, aber die Menge , wächst rasch, bis der Körnerballen allseitig davon umgeben ist. — Gleichzeitig
mit den Zellen des Embryonalkernes nehmen aber auch in den Körperwänden der Larven noch weitere Zellen ihren Ursprung.
Sie entstehen hier und da, durch bald grössere, bald auch kleinere Abstände von einander getrennt, nirgends
jedoch zu einer zusammenhängenden Masse unter sich vereinigt.“ Die menschlichen Parasiten. Bd. 2. pg. 819, 820.
S c h n e id e r betrachtet die peripherisch gelegenen Blasen nicht als Zellen, sondern als grosse kugelrunde Kerne mit
Kernkörper. Sitzungsber. der Oberhessischen Gesellsch. für Naturkunde, 1871, pg. 2.