
Das Nervensystem.
Es ist sehr schwierig, sich ein klares Bild von dem Bau des Nervensystemes bei den Äcan/.ho-
cephcden zu entwerfen, und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil die den peripherischen Theil desselben
ausmachenden Nervenfäden äusserst dünn und zart sind und nur unter Anwendung starker Ver-
grösserung und färbender Reagentien auf längere Strecken verfolgt werden können. Berücksichtigen wir
ferner, dass der centrale Theil des Nervensystemes, das Ganglion cephalicum, ziemlich versteckt zwischen
der Fasermasse der grossen Rüsselretraktoren liegt, so wird es nicht wunder nehmen, dass man selbst
zu einer Zeit, wo das Nervensystem der übrigen Würmer bekannt war, die Acanthocephalen noch für
nervenlose Helminthen hielt.
Zwar behaupteten seinerzeit schon’de B la in v i l l e 1) und B u r o w 2), inmitten der Bauchfläche
einen dünnen, von 4 oder 5 Knötchen unterbrochenen Nervenfäden gesehen zu haben : aber diese Angaben
haben sich in der Folgezeit als irrthümlich erwiesen.
Im Jahre 1840 fand H e n l e 8) bei Echinorhynchus nodulosus an der. Mündung der Geschlechtswege
ein faseriges Ringband, und an demselben jederseits ein ansehnliches Häufchen grösser, farbiger
Kernzellen, die er mit vollem Rechte als Ganglienkugeln deutete.
Als den Entdecker des eigentlichen Centralnervensystemes müssen wir C. Th. v. S ie b o ld 4)
bezeichnen. Derselbe sah in dem Grunde des Receptaculum, der niemals von den Retractores proboscidis
vollständig ausgefüllt wurde, einen dichten Haufen zellenförmiger Ganglienkugeln, die nach allen
Richtungen 'hin eine Menge dünner Fäden entsandten. Von der Nervenmasse in der Umgebung der
Gesehlechtsöffnung konnte v. S ie b o ld hingegen nichts wahrnehmen.
Einige Jahre früher als v. S ieb old hat schon D u j a r d i n 5) das Ganglion cephalicum gesehen
und in seiner Histoire naturelle des Helminthes auf Tafel 7 in Fig. D abgebildet, er ist aber noch im
Zweifel, ob der rundliche Zellballen im Receptaculumgrunde als Drüsenkörper oder als Ganglion aufzufassen
sei.
Obgleich das centrale Nervensystem bei einer ganzen Anzahl von Arten schon bei geringem
Druck durch die Muskelwände der Rüsseltasche hindurch deutlich als solches zu erkennen ist 'lind über-
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D Dictionnaire des sciences naturelles,. Artikel „EchinorhynchusBd. 14. 1819. p. 206 ; Artikel" „Vers“, Bd. 57.
1828. p. 550: un cordon médian occupant la ligne médiane inférieure ou abdominale,’avec des renflements ganglionnaires
plus ou moins marqués, d’où sortent les filets qui se portent aux parties.
2) Echinorhynchi strumosi anatome. 1836. p. 18—19. Tafel. Fig. 9.
3) Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin von Jo h . M a lie r. 1840. p. 318. Anmerkung 1.
4) Lehrbuch der vergleichenden Anatomie. Bd. 1. 1848. p. 125.
8) Histoire naturelle des Helminthes. 1845. p. 491, 495. Tafel 7. Fig. D 4.
Bibliotlieca zoologie». Heft VII. 1