
theil des Oesophagus verlaufenden Flimmerbögen (fl) treten auch an den conservirten Exemplaren deutlich
hervor. Durch eine zarte Contour begrenzt, hebt sich auf der Ventralseite das in die Pharyngealhöhle
vorsprmgende Gallertsegel (ve) ab. Die Grenze zwischen Pharynx und Oesophagus ist dadurch scharf
markirt, dass bei Behandlung mit Ueberosmiumsäure die flimmernden Darmzellen gebräunt werden,
während andererseits die Einmündung des Oesophagus (oe) in den Magen^ui^duroh eine Einschnürung;
charakterisirt ist.
Als besonders charakteristisch für die Gattung Stegosoma wurde oben das Auftreten eines
mächtigen Blindsackes hervorgehoben, der, links in den Anfangsthèil des Magens einmUndend, ‘iraÄ mir
als Lebeischlauch gedeutet wird Die Leber liegt in' der Körpermitte r.::sl besitzt .tnregelmiissige
Gestalt; indem sie gegen das hintere Körpercnde sioh zipfelförmig ausziehHerscheint sfe- bei älteren
Thieren nahezu dreieckig. Auch kann sie bei letzteren einè|fé ansehnliche Grösse erreichen,'* dasö sie
vollständig den durch die Curvato des Darm«-begrenzten dreieckigen Baum aüsfüllt (Fig. 2). An
ihrem vorderen (dein Munde zugekehrten) und unteren (dem Bektum zugewendeten) Rande weist sie'
eine einzige Beihe grösser DrüsenzCllen auf, die bèi der Betrachtung des Thieres von der' Gnterseitc als
scharf umgrenzg Firste sich abheben. Vermittelst eines engen Leborganges (d. 7») mündet sie -links in
den Anfangsth^i des Magens ein. Sie ist: seitlich coiaprimirt; bei dèi Betrachtung von der Bücken- oder
Bauchfläche erscheint ihr Querschnitt linsenförmig; 1
Das Auftreten eincrpselbständigen Leber s | | ä | t mir unter den Appeudicularien nicht- •.mvc.rmitselt
dazustehen. F |D r) hebt in seiner sorgfältigen Monographie der Appendicularien als charakteristisch für
die Gattung Oikopleura hervor, dass der Magen in einen linken und rechten Lappen getheilt ist; deren ;
ersterer von grossen Zellen ausgekleidet wird. Bei Oikopleura spissa finde ich wiederum 'diese grossen
Zellen zu einer ventralen Beihe Ungeordnet. Ich glaube daher nicht fehl zu gehen, wenn ich den linken
Lappen des Magens von Oikopleura, der auch bei Fritillaria mit mächtigen Drüsenzellen belegt ist, als ’
Homologem der Leber voi), Stegosoma -betrachte. Auch der Verlauf dis Nerven zwischen Ar.fangsthe.il
des Magens und Leber unterstützt eine solche Auffassung. Bei den kleinen Formen, z. B. bei Appendicularia
S i c i l i a a), fehlt die Theilung des Magens Und es scheinen die übrigen Theije des Darmtraktus, - S das
Rektum, , die Funktionen der Leber gleichzeitig zu übernehmen. Dagegen ist es nicht zu billigen, wenn
Eisen®) den ganzen Magen der Vexillaria speciosa als Leber bezeichnet.
Der Magen :(p) verläuft, allmählich sich erweiternd, gerade nach hinten, bildet an dem hinteren
Körperende eine kuppenförmige Wölbung und geht dann an. dem Pylorialabschnitt (p) .’ in den auf der
Bauchseite nach vom umbiegenden Darm (i) über. Letzterer ist wiederum deutlich gegen das Rektum (r.)
abgesetzt, welches in der der Spiraeula durch den After |t |l ausmündet. Aus den Abbildungen
erhellt, d aB S bei keiner Appendioularie der .-gewarnte Darmtraktus ähnlich übersichtlich gegliedert S ,
-wie bei Stegosoma.
*) H. F o l . Etudes sur le s Appendiculaires du détroit de Messine. Mém. Soc. Phys. Hist. nat. de Genève.
Bd. 21 H-, 1872, p. 22.
) H. F o l . Sur un nouveau genre d’Appendiculaires. Arch. Zool. exp. de L acaz e-Du th ie rs, T. III., p. XLIX.
Taf. 28, F ig . 1 u. 2.
3) G. E i s e n . Vexillaria speciosa. Kongl. Svenska Yet. Akad. Handl. Band 12, No. 9, Taf. 2.
Das Nervensystem zeigt die für alle Appendicularien charakteristische Anordnung. Das Him-
ganglion (g. c) mit seinem Otolithenbläschen (o£) (der Otolith wird durch die conservirenden Flüssigkeiten
aufgelöst) liegt dicht oberhalb der Mundöffnung und entsendet nach vorne die beiden halbkreisförmig
den Eingang zum Pharynx umgürtenden Nerven (n2). Nach hinten entspringt der grosse Nerv (n) welcher
gleich nach seinem Austritt die beiden Kiemennerven (n1) zu den Spiraeula entsendet. Der Hauptstamm
zieht schräg nach hinten, rechts am Oesophagus vorbei, um dann links in einer scharfen Biegung über
den Cardialtheil des Magens an der rechten Seite der Leber verstreichend, auf den Anfangstheil der
Chorda zu gelangen und auf derselben das langgezogene Schwanzganglion (g1) zu bilden. Letzteres liegt
bekanntlich auf der linken Seite der Chorda und entsendet 4— 6 stärkere Fasern zu der Muskulatur.
Von ihm geht der grosse Schwanznerv (n. c) ab. Von Sinnesorganen sei die rechts neben dem Hirnganglion
in den Pharynx sich öffnende, als Geruchsorgan fungirende trichterförmige Grube (olf.) erwähnt,
deren hinteres Ende gelegentlich in einer Spiraltour aufgewunden ist.
Ein Herz war an den conservirten Exemplaren nicht nachzuweisen.
Der Ruderschwanz erreicht eine Länge von 12 mm; die Muskellamellen werden 1,2 mm breit.
Da der Körper bei einer Länge von 3 mm eine Breite von 2 mm erreichen kann (so bei dem in Fig. 2
abgebildeten Individuum), so übertrifft Stegosoma pellucidum an Grösse um einige Millimeter die grösste
bisher bekannte Art, nämlich Oikopleura cophocerca.
Charakteristisch für unsere Art ist die Anordnung der durchsichtigen, ungefärbten Geschlechtsdrüsen.
Sie bilden ein breites, in einem spitzen Winkel geknicktes Band, dessen beide Schenkel nahezu
gleich lang sind. Es liegt,, wie bei allen Appendicularien, am hinteren Körperende dachförmig (daher der
Name Stegosoma) über dem Verdauungstraktus und wird leicht mit blossem Auge bei der Betrachtung
von der Ober- oder Unterseite wahrgenommen; Bei geschlechtsreifen Thieren (Fig. 2) krempeln sich
die Ränder gegen den Darm um. An dem hinteren Körperende ist es meist eingeschnürt, doch habe
ich nur einmal einen Zerfall in 2 Hälften beobachtet. In der Mitte verläuft das Ovarium (ou), während
die Ränder von den beiden Hoden (t) eingenommen werden. Die Entleerung der reifen Geschlechtsprodukte
erfolgt wahrscheinlich an dem Ende des oberen Schenkels (Fig. 2 bei x). Alle von mir geschlechtsreif
beobachteten Exemplare befanden sich im Stadium der männlichen Reife; ausgebildete Eier habe
ich zu der angegebenen Zeit nicht beobachtet.
F oL (l.:e. p. 28) macht darauf aufmerksam, dass bei geschlechtsreifen Appendicularien eine hochgradige
Atrophie der vorderen Körperhälfte eintritt. Bei dem in Fig. 2 abgebildeten Exemplar von
Stegosoma ist sie sehr auffällig ausgeprägt, insofern die vordere Hälfte als unansehnlicher Anhang der
hinteren ansitzt. Letztere zeigt eine beträchtliche Verdickung der Körperwandung, die auf der Oberfläche
sternförmig gezeichnet ist. Darm und Ruderschwanz werden von dieser Atrophie nicht betroffen.
Stegosoma pellucidum ist in der Tiefe nicht gerade häufig, aber einzelne Individuen gelangten fast mit
jedem Zuge an die Oberfläche. Mit dem Schliessnetz fing ich sie in 800 M. Tiefe vor den Galli im
Golfe von Salerno.
Ein Gehäuse habe ich nicht beobachtet ; die Hinfälligkeit desselben und der Transport aus der
Tiefe werden einen Mangel erklärlich scheinen lassen.