
L e u c k a r t mir drei noch unbekannte Kratzer aus Florida, zwei nur unvollkommen beschriebene
nordische Specis und der durch seinen gelegentlichen Parasitismus im Menschen höchst interessante
Echinorhynchus moniliformis zur Verfügung gestellt wurden.
Wenngleich nun die unzureichende Konservirung der Würmer nicht immer gestattete, auf feinere
histologische Details einzugehen, so war doch der grössere Theil dieses Materiales geeignet, über die
wichtigsten morphologischen Verhältnisse Aufschluss zu geben.
Das Material zum Studium der Anatomie und Histologie lieferten mir folgende neun Species:
Eckinorhynchus ¡jigcis, Goeze, aus NSus scrofa;
Echinorhynchus moniliformis, Bremser, aus Mus decumanus und Myoxus quercinus;
Echinorhynchus angustatus, Rudolphi, aus Perca fluviatilis und Esox lucius;
Ecliinorhynchus liaeruca, Rudolphi, aus Rana temporaria und Rana esculenta;
Echinorhynchus trichocephalus, R. Leuckart, nov. spec.;
Echinorhynchus strumosus, Rudolphi, aus Phoca vitulina und Lophius piscatorius;
Echinorhynchus porrigens, Rudolphi, aus Balaenoptera Sibbaldii;
Echinorhynchus uncinatus, nov. spec.
Echinorhynchus spinosus, nov. spec.
Die drei unbeschriebenen, neuen Arten stammen aus Florida; leider war es unmöglich, ihre
definitiven Träger zu ermitteln.
An dieser Stelle sei es mir gestattet, meinem hochverehrten Lehrer, dem Herrn G-eheimrath
L e u c k a r t für die gütige Anleitung, das stete Interesse, das er meinen Untersuchungen in so reichem
Maasse zukommen liess, und für die freundliche Erlaubniss der Benutzung seiner reichhaltigen Bibliothek
meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen.
Der eingehenden Besprechung der Anatomie und Entwicklungsgeschichte möchte ich einige Worte
über die Untersuchungsmethode vorausschicken.
Untersuchungsmethoden.
Die Konservirung der Echinorhynchen zum Zwecke histologischer Untersuchungen war seither
mit den allergrössten Schwierigkeiten verknüpft. Die gebräuchlichen Fixirungsmedien, wie Chromsäure,
Ueberosmiumsäure, Pikrinschwefelsäure, Kaliumdichromat, Sublimat leisten in kalter Lösung gar nichts;
die Würmer contrahiren sich in ihnen zu unförmigen Gestalten. Der übermässigen Zusammenziehung
suchte S ä f f ti gen*) entgegenzutreten, indem er sehr verdünnte Härtungsflüssigkeiten auf die Echinorhynchen
ein wirken liess. In einer 0,1 procentigen Lösung von Ueberosmiumsäure können die Kratzer noch über
einen Tag leben; in den ersten Stunden contrahiren sich die Thiere zwar ziemlich stark, später aber
werden sie durch den starken Druck der durch Absorption der Hautdecken einströmenden Flüssigkeit
wieder ausgestreckt und bleiben auch nach dem Tode völlig prall. Dass eine so widernatürliche Dehnung
auf zarte Gewebselemente alterirend ein wirken muss, bedarf wohl keiner näheren Erörterung. Ziehen
wir ferner den ungünstigen Einfluss des Osmiumtetroxyd auf alle Kerngebilde mit in Rechnung, so können
wir wohl mit vollem Rechte behaupten, dass alle so behandelten Objecte für feinere histologische Untersuchungen
wenig geeignet sind.
Sollen Objecte für histologische Zwecke conservirt werden, so muss man vor allen Dingen sein
Augenmerk darauf richten, das Plasma der Zellen durch geeignete Reagentien so schnell wie möglich
niederzuschlagen, damit alle jene, den lebenden Geweben eigenthümlichen Zellstructuren auch nach dem
Tode erhalten bleiben.
Sehr gute Resultate erzielte ich mit einer heissen Solution von Quecksilberchlorid in destillirtem
Wasser. Ich verwende nur eine concentrirte, sechsprocentige Lösung des Salzes, welche ich auf
56—60° C. erwärme. Die lebend eingetragenen Echinorhynchen strecken sich vollkommmen aus und
werden fast momentan getödtet. »
Ferner ist es von grösser Wichtigkeit, die Einwirkung des Sublimates zur rechten Zeit zu unterbrechen,
damit die Gewebspartien nicht Gefahr laufen, spröd und brüchig zu werden. Für Embryonen
bis 3 mm Länge genügen 5 Minuten; grössere Objecte und ganze Thiere müssen aber 10—30 Minuten
in der heissen Flüssigkeit verweilen.
Um die nachtheiligen Wirkungen des Quecksilberchlorides, welche hauptsächlich in der nachträglichen
Ausscheidung einzelner stecknadelförmiger Gebilde oder auch mehr oder minder ausgedehnter
körniger Agglomerate bestehen, zu eliminiren, ist es erforderlich, das nicht an das Portoplasma gebundene