
Verhältnis zu der GrösSe dei* Thiere eine Abnahme der Fächer stattfindet, so scheint eine Neubildung
letzterer ausgeschlossen zu sein. Die Zahl der ‘Eier, welche während einer Periode der Geschlechtsreife
abgelegt werden, wäre demnach Von vornherein fixirt. Würde man z.B. annehmen, dass ein erwachsenes
Weibchen je 15 Keimfächer in je einem Ovarium anlege und dass in 13 Parapodienpaaren die Eibildung
stattfinde, so ergäbe dies für eine Brunstperiode die immerhin beträchtliche Zahl von 390 Eiern und
2730 denselben ansitzenden kleinen Zellen.
Die beiden von L e u c k a r t und P a g e n S te c h e r entdeckten und neuerdings von G r e e f f 1) bei
T. Rolasi und T. Mariana wieder aufgefundenen Paare von Genitalspalten, welche zur Entleerung der
Eier dienen, konnte ich an den conservirten Exemplaren nicht nachweisen.
Um über das Vorkommen der Tomopteris euchaeta noch einige Worte hinzuzufügen, so sei bemerkt,
dass sie erst von 500 M. an auftrat und von da an constant in zahlreichen Exemplaren aus den grösseren Tiefen
erhalten wurde. In dem Schliessnetz fehlte sie nie und zwar fischte ich sie vermittelst desselben aus 600,
800, 900 und 1000 M. Tiefe. Auch im Januar ist sie ebenso zahlreich in der Tiefe vertreten wie im Sommer.
4. Alciopidae.
Nicht minder charakteristisch als die Tomopteriden sind für die Tiefsee die Alciopiden. Der
Reichthum an solchen in allen Tiefen von 100 Meter an ist geradezu überraschend und es gewährt einen
fesselnden Anblick, wenn die prächtigen durchsichtigen Würmer oft zu Dutzenden lebhaft schlängelnd
in den Gefässen sich durch das Gewimmel der sonstigen Formen drängen.
Am häufigsten tritt Alciopa Cantrainii Clap. auf. Ich fischte sie während der Nacht am 29. Sept.
an der Oberfläche und zu derselben Zeit auch in allen Tiefen bis zu 1300 M. Ende August traf ich
sie in 80—100 M. Tiefe regelmässig an, doch lässt sich eine Abnahme in der Zahl der Individuen bis
zu den grössten Tiefen nicht nachweisen. In dem Schliessnetz fand sie sich aus 800 M. Tiefe Ende
September vor Ischia. Manche Exemplare erreichen recht ansehnliche Dimensionen; so mass ich eines,
welches 115 mm lang war, also doppelt so lang, wie von G r e e f f 2) in seiner bekannten Monographie
angegeben wird. Gelegentlich waren manche Exemplare resp. Bruchstücke derselben an einzelnen Segmentgruppen
blasig aufgetrieben, offenbar in Folge des verminderten Druckes.
Asterope candida Clap. war in der Tiefe seltener als Alciopa: in 100 M. gelangte sie mehrmals
zur Beobachtung.
Häufiger kommen dagegen in allen Tiefen die Vanadis-Arten vor. Offenbar sind auch sie gegen
die raschen Druckänderungen nicht unempfindlich, da meist nur Bruchstücke, selten intakte Individuen
beobachtet wurden. Vanadis pelagica Greeff fischte ich gemeinsam mit Alciopa Cantrainii Nachts Ende
September an der Oberfläche und gleichzeitig auch in allen Tiefen. Auffällig grosse Weibchen von
8 cm Länge wurden mehrmals aus 600 M. erbeutet. Zweimal waren offenbar Vanadis pelagica zugehörige
Bruchstücke aus 600 M. im Schliessnetze vorhanden. Die zierliche Vanadis crystallina fischte ich in zwei
Exemplaren aus 150 M. Tiefe Mitte September im Golfe. Endlich gelangte das Vorderende einer neuen,
der Vanadis ornata nahe stehenden Art aus 800 M. zur Beobachtung. Bei ihr ist das vierte Paar von
i) R. G r e e f f , Ueber d ie pelagische Fauna an den Küsten der Guinea-Inseln. Zeitschrift f. wissenschaftl. Zoologie,
Bd. 42, pag. 446.
*) E. G r e e f f , Untersuchungen über die Alciopiden. Nova. Acta. d. Leop.-Carol. Akad. d. Naturf. Bd. 39, No. 2, 1876.
Fühlercirren zu kugeligen Gebilden umgewandelt, ähnlich wie es G r e e f f '1) neuerdings von Alciopa
longirhyncha beschreibt.
Eine Callizona-Art, die der Callizona Grubei G r e f f nahe steht, fischte ich aus 900 M. am 10. Oktbr.
vor Ischia. Sie besitzt 4 breite Kopffühler und 4 Paar Fühlercirren, von denen das letzte, 4. Paar, am
längsten ist.
Endlich hebe ich noch eine im Schliessnetz aus 600 M. am 11. Oktbr. vor Capri gefischte Alcio-
pide hervor, welche durch ihre grossen rothen Augen, die bei auffallendem Lichte in der grünlichen
Complementärfarbe schillerten, sofort auffiel. Offenbar ist sie identisch mit der von G r e e f f an den
canarischen Inseln beobachteten Alciopa cirrata.
Die Alciopiden bevölkern nicht nur im Sommer die Tiefe, sondern sie sind auch Mitte Januar
ebenso zahlreich in derselben vertreten.
5. Phyllodocea.
LopadorTiynchus brems G ru b e fischte ich am 10. Oktbr. aus 1000 M. Tiefe vor Ischia in einem
jungen Exemplar von 6 mm. und in einem erwachsenen Individuum. Auch im Januar fehlte er nicht
in der Tiefe und schien sogar dort häufiger vorzukommen als im Sommer. Ein Exemplar fand sich am
13. Januar in dem Schliessnetz aus 1200 M. Tiefe.
V. C ru sta c e a . (Taf. IV.)
Die pelagischen Crustaceen bilden einen typischen Bestandtheil der Tiefenfauna. Ihre Massen-
haftigkeit und Formenfülle in grösseren Tiefen ist geradezu erstaunlich; Larvenformen festsitzender oder
auf dem Grunde lebender Arten mischen sich mit den Jugendformen und geschlechtsreifen Stadien
eupelagischer Arten bunt durcheinander. Manche Arten, die bisher als Raritäten galten, sind häufig in
der Tiefe vertreten; mehrere Genera, deren Existenz in dem Mittelmeer hier zum ersten Mal nachgewiesen
wird, sind geradezu typisch für dieselbe und endlich hoffe ich, dass manche im Nachfolgenden beschriebene
neue Gattungen und Arten durch die in Anpassung an das Leben im Dunkel erfolgte übermächtige Ausbildung
der Tastorgane einiges allgemeine Interesse beanspruchen.
1. Cirripedia.
Der von D o h m 2) als Archizoea gigas beschriebene grosse Cirripediennauplius kommt gelegentlich,
wenn auch nicht häufig, in Tiefen von 80—100 Metern vor. Ein Exemplar war in dem Inhalt des grossen
Netzes aus 1000 M. vorhanden.
2. Copepoda.
Dr. G ie s b r e c h t, der mit der monographischen Bearbeitung der mittelmeerischen Copepoden
beschäftigt ist, hat die Freundlichkeit gehabt, das massenhafte Material von Copepoden einer Durchsicht
zu unterwerfen. Ueber das Vorkommen der Copepoden in der Tiefe berichtet er Folgendes:
*) R. G r e e f f , Ueber d ie pelagische Fauna an den Küsten der Guinea-Inseln. Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoologie,
Bd. 42, 1885, pag. 453.
2) A. D o h m , Eine neue Nauplius-Form, Zeitsehr. f. wissenschaftl. Zoologie, Bd. 20, pag. 597, Taf. 28.
C. C h u n , Die pelagische Thierwelt.