
ist, lassen sich seine Begrenzungen deutlich erkennen. Die hinteren Enden der beiden Retractores rece-
ptaculi bleiben konstant mit der Hautmuskulatur in Zusammenhang. Die vorderen Ränder liegen vorläufig
noch zwischen den Retractores colli und den medianen Protrusores. Bald aber ändern sich auch
diese Verhältnisse. Das ventrale Blatt des Retractor spaltet sich in zwei Partien, die sich an die
Seiten der Schliessmuskeln anlegen und dicht hinter dem Ganglion mit den beiden Enden des austretenden
Retractor proboscidis ventralis verschmelzen (s. Taf. 5, Fig. 4 Rrpv, Fig. 7 Rrpv). Die beiden
Kerne der ventralen Retractoren sind in die schmalen Ausläufer übergetreten (s. Taf. 5, Fig. 10 Rrpnc).
Der dorsale Retractor receptaculi besitzt gleichfalls zwei grosse Kernblasen, die späterhin in gleicher
Höhe mit denen der Retractores receptaculi ventrales gefunden werden (s. Taf. 5, Fig. 5 Rrpd)>.-<; Er
tritt, ohne vorher sich zu zerspleissen, mit dem dorsalen Aste des mächtigen Rüsselretractor in Verbindung.
Die Verwachsung der Retraktoren ist eine so innige, dass man ohne Kenntniss der früheren
Entwickelungsstadien die Retractores receptaculi für einfache Fortsetzungen der aus der Rüsseltasche
hervorgetretenen Retractores proboscidis halten könnte.
Uebrigens muss ich hier nochmals hervorheben, dass die Darstellung, die ich voranstehend gegeben
habe, zunächst nur für Echinorhynchus gigas in vollem Umfange Geltung hat. Ich will hiermit
nicht sagen, dass die Bildung des muskulösen Rüsselapparates bei den übrigen Arten grundverschieden
sei, so dass überhaupt keine Anknüpfungspunkte sich finden Hessen. Im Gegentheile haben mich meine
Untersuchungen in den Stand gesetzt, zu konstatiren, dass trotz der mannigfaltigen und tiefgreifenden
Unterschiede, die in der Anatomie des betreffenden Organes obwalten, doch die Grundzüge der Entwickelung
bei sämmthchen von mir untersuchten Species übereinstimmen.
Das Receptaculum von Echinorhynchus haeruca und Echinorhynchus angustatus gleicht in seiner ersten
Anlage vollkommen dem des Riesenkratzers. Auch bei ihnen findet man zwei übereinander gestülpte, dickwandige
Plasmabeutel, welche die ganze hintere Hälfte des grossen GangHon cephalicum umhüllen. Der
innere Beutel enthält nicht weniger als sechs grosse Kerne: vier derselben liegen im Grunde dicht hinter
dem Hirne, zwei am vorderen Rande der inneren Scheide dicht neben der dorsalen Medianlinie. Im
äusseren Receptaculum lassen sich nur zwei Kerne auffinden. Hiermit hört aber zunächst die Ueberein-
stimmung dieser drei Arten auf. Denn während bei dem Echinorhynchus gigas die Plasmamassen des
äusseren Schlauches zunächst nur an der Rückenfläche emporwachsen und von hier aus nach den Seiten
übergreifen, ohne jedoch in der Ventrallinie mit einander sich zu vereinigen, sehen wir sie bei Echinorhynchus
angustatus und Echinorhynchus haeruca in allen Radien vollkommen gleichmässig sich ausbreiten
und so die geschlossene Cylinderform vorbereiten.
Ein weiterer sehr wichtiger Unterschied ist der, dass bei Echinorhynchus angustatus und Echinorhynchus
haeruca beide Scheiden, nachdem sie über das Him hinweggewachsen und zu schlanken,
cylindrischen Schläuchen geworden sind, an ihren Aussenflächen contractile Elemente entwickeln, dass
also beide Rüsselscheiden in jeder Beziehung als gleichwerthig anzusehen sind.
Die den Hohlraum des Receptaculum vollkommen ausfüllenden Retractores proboscidis gehen
aus vier Muskelzellen hervor, die anfangs neben dem Rüsselzapfen aufgefunden werden, späterhin aber
in den zwischen dem GangHon und dem letzteren entstandenen Lückenraum einwandern. Zunächst
verwandeln sie sich, wie dies L e u c k a r t schon richtig erkannte, in vier dicke cylindrische Säulen,
deren Kerne nahezu in der gleichen Horizontalebene Hegen. Durch ihr stetig fortschreitendes Längswachsthum
bringen sie eine Hakenreihe nach der anderen zur Entfaltung, bis schliesslich das ganze
Rostellum frei nach aussen hervorsteht. Bevor jedoch das letztere eintritt, sieht man in der Umgebung
der Ringfaserplatte die Retraktoren sich zerspleissen, sodann ziemlich schnell über die Innenfläche des
Rüsselzapfens sich ausbreiten und mit zwei kleinen Kernzellen sich vereinigen, die ursprünglich in dem
Winkel zwischen Rüsselanlage und Leibeswand, also an der zukünftigen Rüsselbasis, zu sehen waren
(s. Taf. 2, Fig. 4 Rp'). Die Kerne dieser den Hakenrüssel auskleidenden Längsfasern, die wohl
zweifellos mit den in früheren Kapiteln von mir als rücklaufende Retractoren bezeichneten Muskeln
identisch sind, gehen gewöhnlich noch vor dem Uebertritte der Larven in den definitiven Wirth zu
Grunde. Nur ein einziges Mal fand ich sie noch vollkommen wohl erhalten bei einem kaum 6 mm
langen Weibchen des Echinorhynchus angustatus vor, dessen Leibeshöhle ausser den frei schwimmenden
Ovarien keine weiteren Entwickelungsstadien der Geschlechtsprodukte enthielt. Offenbar hatte ich es
mit einem sehr jungen, noch unbefruchteten Individuum zu thun, das erst kurze Zeit vorher in den
Darm des Barsches gelangt sein konnte.
Das Ringfasernetz, das bei Echinorhynchus angustatus und Echinorhynchus haeruca zwischen den
rücklaufenden Retraktoren und der Hypodermis sich ausbreitet und als Constrictor des Rüssels aufzufassen
ist, geht aus einer Muskelplatte hervor, die eine Zeit lang mit der Anlage jener mächtigen Ringfaserplatte,
die bei Echinoi'hynchus gigas an der Rüsselspitze sich vorfindet, sowohl in der Lage wie in
ihrer Form übereinstimmt (s. Taf. 2, Fig. 4 mp). Erst dann, wenn die Retractores proboscidis emporzuwachsen
beginnen, breitet sich dieser Doppelkonus flächenhaft aus, drängt sich zwischen die rücklaufenden
Retraktoren und die Rüsselhaut hinein und überzieht als sehr dünne, aber kontinuirliche Membran
den gesammten Rüsselzapfen. Durch die Zerfaserung bildet sich aus ihr ein weitmaschiges Röhrennetz
heraus, das aber konstant mit dem mächtigen, die beiden Kerne enthaltenden Markbeutel in Zusammenhang
bleibt.
Die Bildung der grossen seithchen Nervenscheiden — Retinacula — verläuft genau in der gleichen
Weise wie bei Echinorhynchus gigas.
Die erste Anlage der Retractores receptaculi tritt uns in der Form eines dicken Prisma entgegen,
das direct über dem Zellstrange des Ligamentes dahinläuft. Späterhin vereinigt sich sein vorderes
Ende mit den aus dem Receptaculum hervortretenden Retractores proboscidis.
Auch in Betreff der Bildung der Retractores colli wüsste ich keine wesentlichen Differenzen anzuführen,
die zu Gunsten einer SondersteUung des Riesenkratzers sprechen könnten. Nur auf einen Punkt
möchte ich nochmals zurückkommen , nämlich auf die Entwickelungsgeschichte des sogenannten Com-
pressor lemnisci.
Schon zu jener Zeit, wo die Zerfaserung der Retractores colli ihren Anfang nimmt, unterscheiden
sich die zwischen den Kernen gelegenen lateralen Muskelstreifen von den Seitenblättern (vergl. Taf. 5,
Fig. 41) Rc) durch die aussergewöhnHch zahlreichen und hohen Längsfalten. Späterhin löst sich dieser
wirre Komplex in zwei dünne Bänder auf, die einen nahezu cylinderförmigen Raum umgrenzen (s. Taf. 5,
*) Querschnitt durch das Receptaculum einer Larve von Echinorhynchus gigas in der Höhe der Ganglionmitte.