
Die kleinen Arten dieser Gattung gleichen sich in der Färbung ungemein, sind von Amboina bis
Neu-Seeland verbreitet und anscheinend sehr häufige Schmetterlinge. Ueber Raupe etc. ist noch nichts bekannt.
3. Unterfamilie der Acraeinae.
Obwohl mir kein sicherer Fall bekannt ist, in welchem eine der i n d i s c h e n Acraeen von einem
anderen Schmetterling nachgeahmt wird, erwähne ich doch als hierher gehörig, dass nach L. d-e N ic -év i-lle *)
unter sämmtlichen Versuchsobjecten Acr. viola e L. der einzige Schmetterling war, den alle Arten von
Mantis — also selbst Vertreter von intellectuell relativ niedrig stehenden Raubinsecten — verschmähten.
Nach H o r s f i e l d und Mo o r e (1. c,.) frisst die Raupe von Acr. Vesta Arten von Urtica, was noch .der
Bestätigung bedarf.
4. Unterfamilie der Morphinen.
Unzweifelhaft dienen Arten der von Java bis zu den australischen Inseln verbreiteten, hauptsächlich
auf letzteren vertretenen Gattung Tenaris Dbld. Angehörigen anderer Familien als Modell der Anpassung.
So sehr die Färbung der Flügel bei den einzelnen Arten dieser Gattung auch in engeren Grenzen variirt,
stimmt sie doch in dem Gesammteindruck überein. So sind die Vorderflügel entweder wie bei Hyantis
Hodeva Westw. am Vorder- und Aussenrande schmal braun gesäumt und sonst weiss oder stark und
gleichmässig verdunkelt; so tritt in den vorn, aussen und oft noch innen breit und dunkel gerandeten
Hinterflügeln meist je ein Augenfleck am Vorder- und ein weiterer am Hinterrande auf, der gewöhnlich
eine gelbe Iris und eine weiss gesternte Pupille enthält. Bei einigen Arten treten am I n n e n r a n de
der Hinterflügel sogar drei Augen auf, deren zwei innere meist von e i n em blauen Ringe eingezogen
werden, und .die auch auf der Oberseite durchscheinen.
F ür die aus dem Vorkommen mimetischer Anpassung an ihren verschiedenen Vertretern geschlossene
Annahme, dass die Arten der Gattung Tenaris durch bestimmte widrige Eigenschaften hervorragenden
Schutz besitzen dürften, spricht auch die auffallende Färbung beider Flügelseiten; ebenso ist der Flug
nach Herrn C. R i b b e schlapp und niedrig, meist nur ein Huschen über den Boden.
Wie J . Wo o d -M a s o n und L. d e N i c e v i l l e bei einer anderen Morphide, Stichophthuhna Cama-
deva, ausser dem zarten angenehmen Parfüm der männlichen Dufteinrichtungen einen noch viel stärkeren
beiden Geschlechtern gemeinsamen Geruch nach frischem Zobelpelz („sable fresh from the furrier’s shop“)
unterscheiden, dürfte auch bei den Tenaris-Arten solch’ unangenehmer Gattungsduft sich vorfinden.
5. Familie der Pieridae.
Schon A. R. W a l l a c e wies in seiner vortrefflichen Monographie der indischen Weisslinge2)
darauf hin, dass Angehörige der Gattung Delias Hb. (Thyca Wall.) als Modell der Anpassung für andere
Pieriden dienten. In der That sind die Arten von Pelias meist sehr individuenreich und.tragen im Allgemeinen
eine auffallend bunte Färbung der Hinterflügelunterseite, auch besitzen einige „a very slow and
weak mode of flight“ . Gegen die Immunität der Pelias-Arten in ihren Larvenstadium spricht anscheinend
die Notiz bei F. M o o r e 3) , dass die Raupen von P. Eucharis Dru. oft zu Tausenden Vorkommen, aber
*) L. de N ie e v ille , Butterflies of India, Burmah and Ceylon, vol. I.
*) A. R. W a lla c e , On Eastern Pieridae (Trans. Ent; Soc. London IV, 1865—68).
3) E. H a r t e r t ; Biolog. aus d. ind. Faunengebiet (Berl. ent. Zeitschr. XXXIII, 1889, Heft H), p. 292.
viel von Ichneumonen heimgesucht werden; — über die Futterpflanzen (? Cruciferae) habe ich keine Notiz
gefunden. Dagegen scheinen die Imagines durch einen starken Duft in gewissem Grade geschützt zu sein.
So erwähnen J. W o o d -Ma s o n und L. de N i c e v i l l e , 1., c. p^ 371, dass beide Geschlechter von
D. liierte var. indica sich durch einen „strong grateful musk odour“ auszeichnen, und auch E. H a r t e r t
theilte mit, dass einige „Delias-Arten in Assam ungemein stark nach Moschus riechen“, jedoch unter
vielen Exemplaren auch duftlose Formen beider Geschlechter Vorkommen.
Würde die von W a l l a c e nachgewiesene Aehnlichkeit gewisser Vertreter anderer Gattungen
derselben Familie mit Arten von Delias vielleicht als Zeichen der Verwandtschaft angesehen werden
dürfen , so muss man doch aus der unten zu besprechenden mimetischen Anpassung von Satyriden
(.Elymnias) und Chalcosiiden an Delias letzterwähnte Gattung für relativ besser geschützt halten, als
die mimetischen Arten es sind.
7. Familie der Papilionidae.
Wegen genauerer Angaben über die Zeichnung der Aristolochienfalter (Pharmacophagus) verweise
ich auf p. 22—29 der vorangehenden Untersuchung über die Papilioniden. Es genüge hier, darauf
hinzuweisen, dass alle nachgeahmten indisch-australischen Aristolochienfalter graubraune, intercostal
verdunkelte Vorderflügel besitzen. Die Hinterflügel sind dagegen entweder mehr oder minder deutlich
o-eschwänzt und dann meist mit einer abgekürtzten Mittelbinde und einigen rothen Randmonden geziert
oder uno-eschwänzt und dann oft von einer gelblich-weissen Aussenzellbinde durchzogen, in welcher
einzelne schwarze Flecke hervortreten; seltener sind die Hinterflügel durch zunehmende Verdunkelung
der Binden einfarbig. Wie die Kopfspitze tragen auch der Halskragen, die Brustseiten, die Flanken und
die Spitze des Hinterleibes meist einen Besatz mit rothen, selten mit gelben oder weisslichen Haaren.
Die Hauptvertreter der indisch-australischen Aristolochienfalter sind, soweit sie als Modelle
dienen, auf Taf. V—VI dargestellt.
Die erste Beobachtung über einen besonderen Widrigkeitsduft der Aristolochienfalter machte
J . W o o d -M a s o n 1) , indem er die von uns zu den Rinnenfaltern gerechneten Nachahmer P. Janalta
und P . Icarius Westw. mit P. Bootes und P . Bhetenor Westw. als „geruchlose Protenor-Gruppe“
von der „strong-scented and riäuseous Philoxenus-group“ unterschied. Weiter erwähnte L. de N i e e v i l l e
den starken Geruch von Pharm, aristolochiae und Ph. Elector2) und beobachtete J . W o o d -M a s o n 8), dass
das Weibchen von Ph. Dasarada Moore den „strong scent of caged porcupines with a touch of musky
odour“ verbreitet, und dass das Weibchen von Ph. Astorion Westw. „emits a strong and disgustingly rank
musky odour.“ Bei Ph. Doubledayi Wall, erwähnt derselbe den „musk scented body“ des F a l t e r s ||j |
Nach D i s t a n t und P r y e r 4) ist Ph. Antiphus ein äusserst langsamer Flieger.
') J. W o o d -M a so n , Description of twö new species of Papilio from Northeastern India, with a preliminary
indication of an apparently new and remarkable case of Mimicry between the two distinct groups which they represent
(Ann. Mag. Nat. Hist. 5th Ser., Vol. IX, 1882), p. 104.
*) L. d e N ic d v i lle , List of the butterflies of Calcutta (Journ. As. Soc., Vol. LIV. 1885), p. 52.
3) j W o o d -M a so n and L. d e N i c e v i l l e , List Of Lepid. Ins. coll. in Cachar, IL Rhopaloc. (Journ. As. Soc.,
Voli LV, 1886 [1887]), p. 374.
4) W. L. D is ta n t and W. B. P ry e r, On the Rhopaloc. of North Borneo (Ann. Mag. Nat. Hist. XIX, 1887), p. 2274.
4*