
Der Cycl. adolescens h at aber, wie die Diagnose und die Abbildungen ergeben, mit dem' Cycl. affinis•-
nichts zu th u n , sondern scheint vielmehr dem Cycl. phaleratus synonym zu sein. (cf. deshalb p. 171).
Den Cycl. affinis kann H e r r i c k unmöglich beobachtet haben, denn sonst könnte er nicht zu der-
absurden Annahme gekommen sein, dass diese vollkommen sichere A rt nur eine V a r ie tä t des Cycl.
■phaleralus sei.
Charakteristik der Art.
Cycl. affinis ist ein ausserordentlich schlankes Tier (Taf. VII, Fig. 1). *)
Der C é p h a l o t h o r a x ist dorsoventral zusammengedrückt; er verjüngt sich nach-vorn s tä rk e r-
als nach hinten. Der dorsale Hinterrand des fünften. Segments träg t seitlich, unmittelbar neben der
Insertionsstelle des rudimentären F üsschens, eine Anzahl feiner Borsten.
Das A b d o m e n (Taf. VII, Fig. 2) ist im Verhältnis zum Céphalothorax breit und verjüngt sich«
nach dem Ende zu nur sehr wenig.2) Die Hinterränder d e r-d re i ($ ),' resp. vier (çf) ersten Segmente sind
fein gekerbt (nur bei starker Vergrösserung sichtbar). Die Cuticula der einzelnen Ringe, mit Ausnahme der
des letzten, zeigt Verdickungen, welche das Abdomen wie Reifen umgeben und deren Anzahl mit
d e r Länge der Segmente zunimmt.
Die F u rk a ist breit und kurz,3) (etwa doppelt so lang als breit) und etwas mehr als IV2 mal so lang
als das letzte Abdominalsegment. Etwas unterhalb der Mitte des Innenrandes beginnt eine überr
die ganze dorsale Seite der Furkalzweige sich schräg nach aussen erstreckende, gebogene Dornenreihe.4) •
Der äusserste dieser Dornen ist als die normale „Aussenborste“ aufzufassen. Die äusserste Apikalborste
ein kräftiger Dorn, ist ziemlich hoch am Aussénrande eingelenkt und länger als die innerste ; am Fusse •
der ersteren stehen noch einige kleine S ta c h e ln . Die beiden allein entwickelten, mittleren Apikalborsten
sind in ihrem oberen Drittel unbedornt, resp. unbefiedert. Die übrigen zwei Drittel der kürzeren Borste
sind aussen mit kurzen D o rn en , innen mit feinen Härchen besetzt. Bei der längeren dieser
beiden Borsten ist das zweite Drittel innen u n d aussen bedornt, der Endabschnitt au f beiden Seiten,
befiedert. Diese Borste übertrifft das Abdomen an Länge und ist mehr denn doppelt so. lang als
die kleinere.
Die dünnen5) e r s t e n A n t e n n e n d e sW e i b e h e n s (Taf. VII, Fig. 3) sind elfgliederig und reichen, an
den Körper gelegt, bis zum zweiten Drittel des ersten Cephalotboraxsegments. Die relativen Längenverhält-
1) X Jlian in s Habitusbild des Männchens ist sehr gut; das des Weibchens ist nach einem gequetschten..
Präparate dargestclli, wie sich aus dem stark hervorgepressten fünften Cephalothoraxsegmente: ergiebt. — R e h -
b e rg bildet ein Weibchen seines Cycl. pygmaeua mit 5 (!) Abdominalsegmenten (excl. der Furka) ab.
2) Br ad y giebt in seiner Fig. 13 (Taf. XV) eine sehr eigentümliche und unwahrscheinliche Verjüngung-
des letzten Abdominalsegments an, wie sie von keinem weiteren Forscher erwähnt, auch von mir niemals beobachtet
worden ist- .> . .
3) Mit meinen Angaben stimmen die von R ic h a rd gegebenen nicht überein: „La furca est trois fois
plus longue que large et un peu plus de deux fois plus longue que le segment précédent.“ — U lia n in giebt die
relative Länge und Breite der Furka in seinen Habituszeichnungen genau , so an wie ich.
4) S a r s und D ad ay erwähnen diese Dornenreihe gar nicht. — Br ady scheint sie nur beim Männchen,
beobachtet zu haben, (cf. dessen Fig. 15 auf Taf. 24 B.‘)
5) In B ra d y s Zeichnung (Fig. 11 Taf. XV) ist das Verhältnis zwischen der Länge-und der Breite der.-
ersten Antennen ein vollständig unrichtiges.
imisse der einzelnen Segmente sind genau dieselben wie bei den zwölfgliederigen Antennen; nur dass bei
• Cycl. affinis das siebente Segment das siebente und achte bei den Arten mit zwölfgliederigen Antennen
repräsentiert, während bei den übrigen Arten mit elfgliederigen Fühlern eine Teilung des siebenten
• Segments eingetreten, dagegen die Spaltung des dritten unterblieb, welche bei Cycl. affinis erfolgt ist.
‘Oder in Bezug au f Cycl. phaleratus; Während das sechste Segment von Cycl. phaleratus dem sechsten
und siebenten Segmente der übrigen Arten mit elfgliederigen Antennen homolog ist, ist in vorliegendem
Falle das dritte Segment von Cycl. phaleratus dem dritten und vierten Segmente gleichwertig- (cf. die
•Tabellen au f p. 19 u. 20). Eine solche Abweichung des Cycl. affinis von den übrigen Arten mit elfgliederigen
-Antennen kann umsoweniger auffallen, als derselbe ja eine von jenen systematisch weit entfernte Stellung
einhimmt. Sämtliche Antennenborsten sind kurz. Das achte Segment träg t an Stelle eines Sinneskolbens
eine schwer zu konstatierende S nnesborste.
Die V o r d e r a n t e n n e n d e s M ä n n c h e n s (Taf. V II, Fig. 4) zeigen Verhältnisse, wie sie bei
k ein er weiteren Cyclops-A rt anzutreffen sind. Trotzdem aber haben sie bisher die verdiente Beachtung
•nicht gefunden.1) Dass sie im Princip so gebaut sin d , wie die der übrigen Arten (cf. p. 22—25) ist
selbstverständlich, aber im speziellen zeigen sie höchst eigentümliche Verhältnisse.
D er erste Antennenabschnitt trägt genau dieselben Anhänge, wie sie normaler Weise Vorkommen,
nämlich neben einer bestimmten Anzahl verschieden langer, hier nicht besonders entwickelter Borsten
■sechs Sinnescylinder. Ara ersten Segmente des mittleren Abschnitts tritt, wie dies für alle Arten dieser
•’Gruppe (cf. p. 24) gilt, noch ein weiterer (siebenter) Cylinder auf.
Von den übrigen Anhängen des mittleren, ausserordentlich starken und muskulösen Antennen-
- a b s c h n itte s , welche -sich zwar sämtlich au f die der typisch gebauten Antennen zurückführen lassen
(Taf. I, Fig. 11 u. 16), sind besonders zwei durch auffallende Formen in die Augen fallend. Der eine dieser
„Anhänge ist -ein grosses, schwertförmiges Chitingebilde von unbekannter Funktion, der andere ein beweglicher,
höchst eigentümlicher Haken. Der gerade, sehr breite und stark chitinisierte Hauptteil des
.'Hakens setzt sich deutlich von dem gebogenen, viel dünneren Endäbschnitte ab. Letzterer träg t an
seiner Spitze -ein zartes hyalines Stäbchen, welches genau den Eindruck hervorruft, wie alle diejenigen
•Gebilde, welche als Sinnesorgane der Antennen mit Recht angesprochen werden. Welche A ufgabe diesem
interessanten Anhänge zukommt, kann ich mit Sicherheit nicht angeben. Da er aber bestimmt einem
-ähnlichen Gebilde an den männlichen Antennen der folgenden Art, des Cycl. jimbriatus (cf. p. 166),
homolog ist, so dürfte die Vermutung, dass er gleich wie dieser als Hilfsorgan zum Festhalten des
Weibchens bei der Begattung funktioniere, nicht allzu kühn sei. In welcher Weise beim Cycl. affinis
• die Begattung vor sich geht, habe ic h bisher noch niemals zu beobachten Gelegenheit gehabt.
Die Segmente des sehr kurzen und krallenförmigen Endabschnittes der Antenne sind fast vollkommen
mit einander verschmolzen. - Unmittelbar über dem Gelenke an der Aussenseite dieses Absch
n itte s sind zwei stark chitinisierte dornenförmige Vorsprünge zu beobachten. Da dieselben nicht durch
i) Nur in -U lia u in s .Habitushilde (Fig. 4) finden sich einige schwache Andeutungen. — Br a dys Zeichnung
(Taf. XXIV B. Fig. 10) lässt von der auffallenden Organisation gar nichts erkennen. Von den übrigen Forschern
■ erwähnt niemand dieses interessante ExtremLtätenpaar.