
vortäuachen könnten. Hierher gehören die Aehnlichkeiten zwischen gewissen afrikanischen eine mehr nächtliche
Lebensweise führenden und zwischen taglebenden neotropischen Carabiciden mit zur selben Zeit sich
herumtreib enden Melasomen (S. 13). Dahin gehört auch die Aehnlichkeit der Laufkäfer-Gattung Physodera
Esch. (Java) mit Arten der Endornychiden-Gattung Encymon Gerst., dahin endlich die der lycoid gefärbten
Formen1) mit den Lyciden selbst.
Die Untersuchungen an den Papilio-Arten machen es nun wahrscheinlich, dass sich bei solchen
in beiden Geschlechtern unbedeutend an gewisse Modelle erinnernden Formen die Aehnlichkeit zu einer
gelungenen Anpassung dadurch steigern konnte, dass von den hei Nothlage der Art variirenden W e i b c
h e n in Folge natürlicher Auslese die dem Modell besser angepassten erhalten blieben und diese Erwerbung
allmälig auf das Männchen vererbten. De n n b e i a l l e n in b e i d e n G e s c h l e c h t e r n
m im e t i s c h e n A r t e n i s t d i e A e h n l i c h k e i t d e s W e i b c h e n s mi t d em Mo d e l l b e d e u t e n d e r
a l s d i e d es Mä n n c h e n s .
Diese allmälige Ausbildung eines secundären Dimorphismus der Weibchen zur Mimiery geschieht
oft derart, dass zuerst nur der a l l g e m e i n e T y p u s im m u n e r F a m i l i e n 2) nachgeahmt wird. So
erinnert das Weibchen der neotropischen Erycinide Aricoris Gepha F. (S. 63) nur im Allgemeinen an die
Tracht kleiner Neotropinen des Melinaea-Typus oder Acraeä-Arten (Thalia-Gr.)
Hierher gehört auch der einzige mir bekannte Fall einer Anpassung von Seiten der Morphinen.
Denn bei einer kleinen Art der brasilianischen Gattung Morpho, bei M. Aega Hb., ähnelt von den drei
bei Dr. S t a u ' d i n g e r (l. c. p. 206) erwähnten Varietäten des Weibchens die am meisten vom blauflügligen
Männchen abweichende 1. c. auf Taf. 67 abgebildete Weibchenform aus Rio auf der Unterseite der Flügel
noch den die ursprüngliche Artzeichnung tragenden Weibchen anderer durch ursprünglichere Zeichnung
dieses Geschlechts in gewissem Grade dimorpher Morpho-Axten. Auf der Oberseite dagegen erinnert sie
in gewissem Grade besonders durch die Färbung mehr an Formen von Lycorea Hb., als an die viel kleinere
Acraea Thalia L.
Den nächsten Grad der mimetischen Anpassung erreichen nun diejenigen secundär dimorphen
Weibchen, welche sich wenigstens e i n e r bestimmten Art von immunen Faltern anpassten, aber erst einen
so geringen Aehnlichkeitsgrad mit letzteren repräsentiren, dass wir Bedenken trugen, sie im descriptiven
Theil als mimetische Formen anzuführen. Hierher gehört z. B. die von dem constanten Männchen am
meisten abweichende Weibchenform der afrikanischen Nymphaline Gymothoe Theodota Hew., die etwas an
Amauris Niavius L. erinnert.
Durch die bestimmte Anpassung an die gleichen Modelle treten zwischen den mimetischen Formen
eines durch die Verbreitung der immunen Arten bestimmten Gebietes zahlreiche A n a l o g i e n d e s
H a b i t u s auf, welche, obwohl meist auf verschiedenen Wegen entwickelt, doch demselben Ziele dienen:
dem Schutze der Art, besonders im Weibchen, durch möglichst gesteigerte Anpassung an die Tracht bestimmter
Modelle. Nachfolgende Tabellen stellen die wichtigsten dieser analogen Formen unter den
Schmetterlingen zusammen, insbesondere, insoweit sie die auf den Tafeln V—X II abgebildeten Beispiele
zu ergänzen vermögen.s)
x) Hierher gehört auch die neotropische Chrysomeliden-Gattung Scherhatiza Blanch.
2) Hierauf wies schon G. Scndder in seinem grossen Werk über die „Butterflies of Eastern. United States“ hin.
3) Die einzige uns während des Druckes dieser Arbeit bekannt gewordene weitere mimetisehe Form aus der äthiopischen
Region ist Danaus ( Tirumäla) Morgeni Honr., .für die der Autor die Gattung Elsa errichtet hat, eine mittelafrikanische Art,
welche in beiden Geschlechtern — bisher ist erst das Männchen bekannt — den ylmciMr/s-Arten, wie A. Egialea Cr., gleichen
wird (Vergl. E. Honrath, neue Rhopaloceren, Berl. Entomol. Zeitschr. Bd. XXXVI. 1891, Heft 2, S. 436—437, Taf. XV, Fig. 5).
Vergleichen wir nun noch die verschiedenen Formen des Thierreiches, die wir als Modelle und
Nachahmer kennen gelernt haben, auf den Grad i h r e r B l u t s v e r w a n d t s c h a f t hin, so finden wir
nur unter den Schmeierlingen und nur in der einzigen Gattung Papilio beide in e i n e m Genus vereinigt,
wenn auch verschiedenen Untergattungen angehörig.
Dagegen kommen Anpassungen an Vertreter a n d e r e r G a t t u n g e n d e r s e l b e n U n t e r f
am i l i e ausser bei Lepidopteren zwischen Danainen (S. 116) und den Neotropinen (S. 117—123) noch
bei Heliconiern (Eueides S. 57) und Nymphalinen (Victorina S. 62, Apatura, Athyma S. 130) vor und
finden sich endlich bei den Reptilien in der Unterfamilie der proteroglyphen Elapinen. *)
Häufiger sind schon Anpassungen an V e r t r e t e r v e r s c h i e d e n e r U n t e r f a m i l i e n . So
erinnern unter den Hymenopteren gewisse Melectinen an Anthophora-kxten (S. 11), unter den Coleopteren
einzelne seltene Lampyrinen und Telephorinen (p. 14) an Lycinen. Unter den Lepidopteren haben sich
gewisse Pieriden der Gattungen Prionereis (S. 36), Pieris, Eronia (S. 41) an Délias- resp. Mylothris-
Arten angepasst wie die Danaer der Gattungen Lycorea und Itana den Neotropinen. Von Nymphalinen
ähneln Vertreter der Gattung Pseudacraea (S. 43) und Phyciodes (S. 62) Vertretern von Acraeinen, während
andere Arten von Phyciodes, wie solche von Adelpha und Apatura, sich den Heliconiern anpassten.
Hierher gehören auch die S. 79—80 erwähnten Anpassungen von Vertretern der Opisthoglyphen
oder Aglyphen an die Unterabtheilung der proteroglyphen Elapinen.2)
Die Zahl derjenigen mimetischen Arten, deren M o d e l l e z u e i n e r g a n z v e r s c h i e d e n e n
F a m i l i e derselben Ordnung gehören, übersteigt diejenige aller anderen Abtheilungen bedeutend. Unter
den Hymenopteren haben sich Grabwespen (S. 11) Arten von Vespiden und Scoliiden, Chalcididen solchen
von Vespiden (Polybia, Eumenes) angepasst. Unter den Coleopteren erinnern gewisse Carabiciden (Agrius
S. 13) an Melasomen, andere (Lia S. 14) an Erotyliden, seltene Melasomen (S. 15) an Erotyliden, gewisse
Cleriden (S. 15), Oedemeriden (S. 15), Curculioniden (S. 13) zahlreiche Cerambyciden (S. 16) und einzelne
Hispiden (S. 17) an Lycinen. Während wieder andere Cerambyciden bestimmten Curculioniden (S. 16 u. 17),
Hispiden, Erotyliden (S. 17) oder Endomychiden (s. Nachtr. z. S. 17) ähneln, sind gewisse Chrysomeliden
der Gattung Doryphora Erotyliden und Coccinelliden angepasst.
Unter den Lepidopteren erinnern von Nymphalinen gewisse Argynnis-Weibchen wie Limenitis-Arten
(S. 47) an Danainen (S. 29) und Pharmacophagus-Arten. Auch Rypolimnas- (S. 30 u. 42), Euralia- (S..42),
Hest'ma- (S. 31), Euripus-Arten (S. 32) passten sich an Danainen an, wie eine Nepüs-Art (S. 32) an die
Palaeotropinen. Dagegen ähneln zahlreiche Phyciodes- (S. 62) und die Protogonius-Arten (S. 63) wie solche
aus den Heliconier-Gattungen Eueides und Heliconius, bestimmten Formen der Neotropinen. Bei der
Gattung Euphaedra (S. 44) kommen endlich auch Anpassungen an Heteroceren der Gattungen Äletis und
Eusemia vor. Auch bei den Satyriden bilden die Danainen die hauptsächlichen Modelle für Arten von
Elymnias (S. 32 34), Zethera (S. 34) und Orinoma (S. 35), während andere Species von Elymnias sich
Acraeinen (S. 44), der Pieriden-Gattung Délias (S. 34) oder, wie auch gewisse Hypolimnas-Arten (S. 31)f
der Morphinen-Gattung Tmaris anpassten.
Von den Lycaeniden passten sich einzelne Arten den Acraeinen und der Gattung Äletis (S. 44),
von den Eryciniden (S. 64) solche den Josiinen (Heteroc.), Acraeinen und Neotropinen an.
*) Um diesen Mimicry-Fall sicher zu stellen, bedarf es noch genauerer Untersuchungen über die grössere Häufigkeit
nnd vor Allem den behaupteten höheren Grad der Gefährlichkeit , der Adeniophis- gegenüber den Callophis-Arten.
2) G. A. Boulenger zieht diese drei Unterabtheilungen zur Ophidier-Familie der Colubriden zusammen, denen er auch
die Hydrophiinen beigesellt (Fauna of Brit. Ind. Reptil, and. Ampliib;' 1890).