
breite Basis das körnchenführende- Plasma ein. Eine s c h a r f e Grenze zwischen Ecto- und Entoplasma
vermochte ich jedoch auch hier nicht zu erkennen.
Wo der Kern liegt und wie er beschaffen, kann ich nicht angeben, da ich ihn nicht zu sehen
b ek am, trotzdem durch den hellen klaren Inhalt nichts verdeckt wurde. Vermuthlich lag er in der
Zöttchenregion unter der Geissel.
Von V a c u o l e n sah ich zwei, welche langsam eine beträchtliche Grösse erreichten und sich
abwechselnd von Zeit zu Zeit kontrahirten. Der übrige Inhalt bestand aus massig* vielen Algen, Chlorophyllkörnern,
Paramylonkömern etc., alles in einem mehr oder minder vorgeschrittenen Stadium der
Verdauung.
M astig in a chlamys n. g. n. sp.
Abbild. Taf. IV, Fig. 3 bis 7, Vergv. = ca. 800, Fig. 15, Vergr. = ca. 800, Taf. VII, Fig. 5 , Vergr. = 1200.
In das. Genus Mastigina möchte ich einige derjenigen geisseltragenden Amoeben einordnen, welche
sieh ihrer Gestaltung nach theils mehr an das Genus Saccamoeba, theils' mehr an Amoeba (im engeren
Sinne) anschliessen und deren Geissel au f dem Kern sitzt, so wie wir es auch noch bei dem Genus
Mastigamoeba antreffen, das jedoch besser für sich bestehen bleibt.
Die M. chlamys entdeckte ich in etwa einem Dutzend Exemplaren während des Jan u a r in
meinem Teichwasseraquarium am Boden, im Vereine mit zahlreichen grünen Flagellaten, Ciliaten, einzelligen
Algen, Kaulquappen u. s. w. Die Beobachtungszeit währte nur etwa eine Woche, dann war von
unseren Thierchen nichts mehr zu sehen. Auch in anderen Wasseransammlungen, in frisch geschöpftem
Teichschlamm u. s. w. vermochte ich sie niemals aufzufinden.
Bei mehr isodiametrischer Gestalt misst die M. chlamys ca. 50 fi im Durchmesser (Taf. IV,
Fig. 3). _ Ein ähnlich gestaltetes jugendliches Thierchen hatte ca. 15 (Taf. VII, F ig . 5), ein mittel-
grosses längliches hatte, die spitzen Pseudopodien abgerechnet ca. 50 p in der Länge und 20 ft in der
Breite, und endlich ein grösseres, ähnlich so geformtes ca. 75 ft, resp. 26 ,« (Taf. I I , Fig. 4, 5).
Sehen wir von einer besonderen A rt von Ausläufern ab, welche den Strahlen der Helioamoeben
nähe kommen, so ist die Gestalt unserer Mastigina eine recht einfache und etwa so wie bei dem Genus
Saccamoeba. Oft war das Ganze eine flachgedrückte Kugel mit flach-lappigem Umriss (Taf. IV, Fig. 3),
aber ohne jene so bestimmten bruchsackartigen Pseudopodien, welche an der Vorwärtsbewegung betheiligt
sind. Es waren eben nur Veränderungen der Oberfläche, die sich hier bald abflachten, dort bald hervorwölbten.
Dies war eine A rt von Ruhezustand. Bei der Ortsbewegüng dagegen tra t meist eine
Gestaltsveränderung in die Birn-, Keulen- oder Walzenform ein (Taf. IV, Fig. 4, 5, 6), so dass das
dickere Ende nach vorne gerichtet wurde. Je tz t wurde auch der ganze Umriss ein noch einfacherer,
und nur am schmächtigeren Hinterende entstanden einige gröbere Lappen, nie indessen eine Beerenform
(Taf. IV, Fig. 5). Fingerförmige und ähnlich beschaffene Pseudopodien sah ich niemals entstehen.
Lag das Thierchen ruhig, so machten sich nur die oben gekennzeichneten. wellenartigen Erhöhungen
und Vertiefungen bemerkbar. Sonst waren alle Bewegungen sehr träge, wobei aber doch ziemlich grobe
Gestaltsveränderungen ausgeführt werden konnten, die z. T. auf Contraktionen des ganzen Körpers
beruhen, wie dies besonders bei jungen Individuen deutlich wird. Diese kriechen öfters auch mit
breiteren Lappen, welche meistens der Stelle, wo die Geissel entspringt, entgegengesetzt sind. Es liegt
dann eine RiickwärtsbeAvegung vor. F ü r • gewöhnlich jedoch schwimmt diese Amoebe mit der Geissel
voran 'vorwärts, nach A rt eines Flagellaten getrieben durch die Schwingungen dieses Organs. Die
Aehnlicbkeit mit einem Flagellaten wird dadurch noch grösser, dass beim Schwimmen oft alle Ausläufer
eingezogen werden und die Körpergestalt eine möglichst einfache, etwa walzen- oder bimförmige wird.
Die G e i s s e l markirt das Vorderende unserer Mastigina. Ih r Bau schliesst sich dem der
Mastigamoeba und im Weiteren dem der Flagellaten an, und ihre Ursprungsstelle ist auch hier der am
vorderen Pole liegende Kern. Ih re Länge ist bei jüngeren Individuen schon sehr bedeutend und fast
der eines, erwachsenen Thieres gleichkommend. Do rt maass ich sie zum Z e h n f a c h e n des Körperdurchmessers,
hier etwa zum doppelten. Ih re absolute Länge mag. etwa 50—100 ft und mehr betragen. Dabei'
ist sie gleichinässig dick und endet s t u m p f . Sie ist ferner stärker lichtbrechend als das Plasma und im
besonderen als die noch zu besprechenden Pseudopodien. Die Bewegungen der Geissel können von zweierlei
A rt sein; einmal nämlich schwingt sie wie eine Flagelktengeissel, andererseits, ist sie im Stande, ihre
Lage ziemlich willkürlich zu v erände rn, so etwa, wie es bei der weiter unten noch zu besprechenden
Mastigamoeba Schulzei geschieht, indem sie mitsammt dem Kerne unter der Oberfläche nach einer
anderen Stelle wandert; :vöhne dass dabei —- dies sei noch besonders betont — der Kern mit der Geissel
in die Tiefe des Plasmakörpers wandern- kann. Oft wölbt sich auch bei dieser Amoebe über dem Kern
ein Plasmazapfen; der von der Geissel durchsetzt wird, so dass ein ähnliches Bild entsteht wie bei
P.odostoma öder Mastigelia polymastix (Taf. II, Fig. 3, Taf. II I , Fig.. 1)., nur dass sie bei der letzteren
von dem Zapfen unmittelbar entspringt und nicht mit dem Kerne in Zusammenhang steht. Rückt nun
bei unserer Mastigina der Kern mit d e r Geissel seitlich (Taf. IV, Fig. 7), so sieht man den ursprünglichen
Geisselzäpfen noch eine kurze Zeit lang bestehen, worauf er langsam eingezogen wird, während
sodann über dem neuen Kernpole ein neuer Zapfen entstehen kann, was aber nicht unbedingt erforderlich
ist, da auch längere Zeit hindurch solch ein Pol ohne Zapfen zu bestehen vermag (Taf. IV, Fig. 4, 5).
Sonst trifft er sich sowohl bei älteren, wie bei jüngeren Individuen.
Das Wandern der Geissel kann sowohl bei grösseren wie bei kleineren Tiñeren, sowohl in der
Ruhelage wie auch beim langsamen Vorwärtskriechen geschehen, nie jedoch bei ihrem regelmässigen
Schwingen und schnelleren Vörwärtseilen. Es ist . vielmehr klar, dass es die Folge von Beunruhigungen
verstellt oder dass die Amoebe aus irgend einem anderen Grunde ihre Bewegungsrichtung ändern will.
Die Géissél macht dann ganz unregelmässige, schlängelnde oder flatternde Bewegungen, so etwa wie eine
im Winde spielende Peitschenschnur. Wie schon oben angeführt worden ist, nimmt unsere Mastigina oft
eine Gestalt an bei der ein Vorder- von einem Hinterende wohl zu unterscheiden ist. Ersteres trägt,
wib wir wissen für gewöhnlich die Geissel, letztere kann sich aber auch verschieben. Dies geschieht
n u r immer innerhalb einer gewissen Grenze, nämlich innerhalb des vorderen Körpertheils, und niemals
sah ich die Geissel etwa zum hinteren, oft durch kleine Vacuolen oder Lappen gekennzeichneten Pole
hinstreben. Die Mitte des Längsdurchmessers verliess sie vielmehr 'nicht?' (Taf. IV, F ig . .6), Hatte sie
nun eine solche Lage eingenommen, so tra t damit auch eine Umformung des Körpers ein, indem sich
nun über dem Kern ein Bruchsack-Pseudopod, resp. mit einem Zapfen, vorschob und Veranlassung zur
Bildung eines neuen, vorderen Geisselpoles gab, während der frühere verschwand. Es resultirte infolge
dessen eine Gestalt, die der ursprünglichen im Allgemeinen mehr oder- minder ähnlich war.
Bibliotheca Zoologica. Heft 12.