
VerFi' T33 V’ ti8Chen Weibchens, der einzigen bisher bekannten Form dieses Geschlechts, Icarius Westw. schon durch
die charakteristische Färbung durchaus an einen Aristolochienfalter, Ph. Dasaracla Moore, erinnern. Auch
hier ist die mimetische Endform dadurch entstanden zu denken, dass ihr eine noch nicht angepasste Rückschlagsform
vorausging, bei welcher zuerst die Marginalmonde und die Mittelbinde auf der Oberseite der
Flügel hervortraten.
Hierher gehört auch P. Elioesi Leech, der besser eine besondere Gruppe vertritt und sich durch
die plumpe Verlängerung der Hinterflügel auszeichnet, in welche ausser dem dritten Medianast auch noch
der vorderste Cubitalast hineintritt, wie wir dies ähnlich auf einem jüngeren Stadium des Puppenflügels
von P. Machaon L. beobachteten. Durch diese allerdings „übertrieben“ breiten Hinterflügelschwänze, wie
durch seine düstere Färbung erinnert P. Elioesi durchaus an den Aristolochienfalter Th. AIcinous Kl., mit
dem er in Centralchina zusammen vorkommt.
Als terminale Endformen eines weiteren, dem Paris - Stamme durch die Elephenor- Gruppe nähe
stehenden Ausläufers sehe ich die Arten der Jana&a-Gruppe an, welche in beiden Geschlechtern nicht nur
Ver|i. Taf. v, in Form und Zeichnung der Flügel die vollkommenste Anpassung an die Latreillei- Gruppe von Pharmaco-
phagus erkennen lassen, sondern sogar die ins Blutrothe ziehende Färbung des Körpers selbst, welche sonst
nur die Modelle auszeichnet, angenommen haben. Wahrscheinlich ging auch ihnen eine dimorphe Form
voraus, bei welcher sich die Anpassung zuerst im Weibchen, wie bei P. Rhetenor Westw., ausbildete, um
sich endlich, als vortheilhaft, auch auf das Männchen der seltenen Art zu übertragen.
Auf eine der Demetrius-Gruppe näher stehende Urform dürfen wir die -4sca?ajp7ms-Gruppe zurückführen
, die nur in ihren ursprünglichsten Arten noch im männlichen Geschlecht deutliche Hinterflügelschwänze
führt. Wie in der Pammon-Qxruppe werden auch hier die ersten Abweichungen des Weibchens
von dem anderen Geschlecht durch Rückschlagsformen gebildet, bei denen nicht nur die Marginalmonde,
sondern auch Reste der Mittelbinde auf der Oberseite der Hinterflügel auftreten. Bei den grossen Formen
ist, wie in der Gambrisius-Gmppe, der Grad der mimetischen Anpassung relativ unentwickelt. So ist die
Aehnlichkeit des Weibchens von P. Ascalaphus Boisd. mit Ph. Polyphontes Boisd. (Celebes) und die des
Weibchens von P. JDeiphobus L. (Amboina, Ceram) mit Ph. Pölydoms L. auch nur gering. Bei dem auf
die Philippinen beschränkten P. Emalthion Hb. mit kurzem Hinterflügelzahn erinnert e in e Weibchenform,
Pumanzovius Esch., noch an den im Ursprungslande der Gruppe vorherrschenden Ph. Polyclorus L., während
die schöne, sicherlich erst auf den Philippinen entstandene Varietät Semperinus auffallend in Ruhe und
vergi. Taf. vi, Bewegung dem Ph. Semperi Feld, ähnlich sein muss. Bei dem auf die Andamanen beschränkten P. Mayo
Flg. 38—39. ° ö r
Atk. tritt wieder eine lang spathelförmig geschwänzte W eibchenform auf, welche dem dortigen Ph. rhodifer
Butl. angepasst ist.
Den Stammformen der Ascalaphns-Gru^e dürfte auch der in beiden Geschlechtern noch kräftig
geschwänzte Vertreter der Oenomaus-Gruppe näher stehen, dessen W eibchen sich ebenfalls über Rückschlagserscheinungen
durch Umbildung dem Ph. Liris Godt. (Timor) ausgezeichnet gut anpasste.
Hierher gehört auch die in beiden Geschlechtern noch Hinterflügelschwänze tragende und ursprünglichste
Art der Loioii- G ruppe, P. Lowii Druce (Borneo, Palawan), bei welcher sich mehrere
Varietäten von Weibchen entwickeln, deren Endformen etwas an Aristolochienfalter der JopÄon-Gruppe
erinnern. Zu dieser Gruppe gehört auch als abgeleitete Form der durch den Polymorphismus seiner
Weibchen berühmt gewordene P. Memnon L ., der im männlichen, dem nach E im e r den Fortschritt in
der Artbildung anbahnenden Geschlecht, stets ungeschwänzt ist. Um zuerst die ebenfalls noch ungeschwänzten,
aber doch mimetischen Weibchenformen zu besprechen, so sind sie Anpassungen an die je tzt
selteneren Aristolochienfalter der Nox- und Pmpws-Gruppe. Sb erinnert bei der Festlandsrasse Androgeus
Cr. die weibliche var. Agenor Cr. etwas an Ph. Zaleucus Hew. und die var. Esperi Butl. und Mestor Hb.
an Ph. Astorion Westw. Aehnlich ähnelt bei der Inselrasse die weibliche var. Erehinus (Borneo) etwas
dem Ph. Erebus Wall., die var. Anceus Cr. dem Ph. Sycorax Grose-Smith.
Die terminalen weiblichen Varietäten, welche durch einen spathelförmigen Hinterflügelschwanz
ausgezeichnet sind, tragen in Form und Zeichnung, deren erste Anlage offenbar durch Rückschlag auf
ursprünglichere Vorläufer entstand, doch daneben auch Zeichen unverkennbarer secundärer Anpassung an
gewisse Aristolochienfalter. So erinnert die geschwänzte Varietät der Continentalrasse, var. Achates Cr.,
an Ph. Eoubledayi (nach W a l l a c e ) und an Ph. Aristolochiae var. Eiphilus Esp., während die entsprechende
Endform der Inselrasse, var. Achaüades Esp., sich Ph. Goon F. anpasste.
Das vor kurzem von H e y l a e r t s aus Java beschriebene männliche Stück der Form Achates Cr.
dürfte als Beweis dafür anzusehen sein, dass auch bei P. Menmon sich die schützende Anpassung des
Weibchens bereits auf das andere Geschlecht zu übertragen beginnt.
Als Endausläufer eines mit der Pown-Gruppe genetisch zusammenhängenden Stammes dürfen wir
endlich die in beiden Geschlechtern fast monomorphen Formen mit abgerundeten Hinterflügeln ansehen,
welche die Polymnestor-Qvu^e bilden. Ihre kleinste Art, P. Lampsacus Boisd., erinnert in Färbung und
Zeichnung noch durchaus an den Ph. Priapus Boisd. (Java), der ihr als Modell dient. Dagegen kennen
wir keine Aristolochienfalter mehr, welche dem P. Polymnestor Cr. (Nordindien, Ceylon) als Vorbild dienen
können. So müssen wir denn annehmen, dass die Modelle dieser grossen Art entweder von dem Nachahmer
überlebt wurden oder ihre Erscheinungsform in verhältnissmässig junger Zeit änderten. Wir entscheiden
uns für letztere Annahme und sehen in dem Theil I, p. 58 erwähnten Weibchen von P. Polymnestor
aus Ceylon eine Form des Nachahmers, welche uns Aufschluss über den früheren, Ph. Priapus Boisd.
ähnlichen Habitus seiner Modelle giebt, die sich später in die heutige Pompms-Gruppe verwandelten,
welche keine Nachahmer mehr gefunden hat.
Eine vergleichende Zusammenstellung der Entwickelungsstufen der mimetischen Rinnenfalter mit
der auf p. 84 entworfenen aufsteigenden Reihe ihrer Modelle ergiebt folgendes Schema:
M o d e l l e
(Pharmacophagus):
N a c h a hm e r
(Papilio s. str.):
IX. N o x -Gr. Zaleucus Hew. (Birma)
Astorion Westw. (Malacca)
Erebus Wall. (Borneo)
Memnon 9 Agenor Cr.
1 9 Esperi Butl.
” |$ Mestor Hb.
„ 9 Erebinus
VI. L ow ii-G v .
VII. P r ia p u s -Gr. Priapus Boisd. (Java etc.)
Sycorax Grose-Smith (Borneo)
Lampsacus Boisd. cf 9
Memnon 9 Anceus Cr.
VII. P o lym n e s to r -Gr.
VI. L o io ii-Gr.
• VI. S em p e ri-Q v . "Semperi Feld. (Philippinen) Emalthion Hb. 9 Semperina V. A s c a la p h u s -Gr.