
Gattungen auch als Modelle auf; so ist der patagonische Laufkäufer Agrkis fallciciosiis Chevr. eine aus-
vcrgi. Taf. xiv, gezeichnete Copie von Ccülynthra (Melasom.); so passten sich gewisse Letna-Arten Vertretern der zur selben
Familie gehörigen Diabrotica-Axten an.
Unter den L e p i d o p t e r e n tre ten , wie wir im descriptiven Theil (S. 19—78) und drei allgemeinen
Kapiteln (S. 82—125) auseinandersetzten, Anpassungen an bestimmte, wohl grossenlheils infolge
besonderer Raupennahrung geschmackswidrig gewordene Modelle aus derselben Ordnung nicht nur zwischen
Angehörigen verschiedener Familien, sondern sogar innerhalb e i n e r Gattung (Papilio, S. 82—98) uns entgegen.
Nur ausnahmsweise finden wir Anpassungen an immune Schmetterlinge seitens der Angehörigen
anderer Insectenordnungen ; so ähnelt die seltene Gorydia nuptidlis Gerst. einer indischen Eusemia und die
ebenfalls zu den Blattiden gehörige Paratropa clegans Burm. der neotropischen Gissura decorans Walck.
(S. 6—7).
Anpassungen an widrige Insecten anderer, als der erwähnten Ordnungen kommen anscheinend nur
vereinzelt vor. So hob A. G i a r d 1) die Anpassung der zu den europäischen Dipteren gehörigen Stratyomide
Baris vallatci Forst, an die nach ihm durch unangenehmen Duft beschützte Tenthredinide Athalia annulata F.
hervor. Weiter erwähnte B a t e s Anpassungen zweier neotropischen Bockkäfer (Gymnocerus capucinus und
dulcissimus) an (wahrscheinlich durch unangenehmen Gestank geschützte) Landwanzen (Padiyotris Fabricii
und Scutellciria sp.)
Unter den Y e r t e b r a t e n ist nur ein einziger Fall wahrscheinlicher mimetischer Anpassung einer
viel verfolgten schmackhaften an eine durch Widrigkeit des Geschmackes geschützte Form derselben Klasse
bekannt. Derselbe betrifft die Aehnlichkeit des Eichhörnchens Bhinosciurus tupaioides Gray (Java, Sumatra)
mit der zu den Insectivoren gehörigen Tupaici ferruginea Raffl. Denn die Tupajen besitzen, wie ich mich
selbst in Siam überzeugte, ein widrig duftendes Fleisch und werden infolgedessen auch z. B. von den sonst
nicht wählerischen Eingeborenen verschmäht.
Besonders interessant sind die Anpassungen mehr oder minder schmackhafter und wehrloser Formen
an solche, welch« durch s t ä r k e r e o d e r b e s o n d e r e Y e r t h e i d i g u n g sm i t t e l geschützt sind. Hierher
gehören als Modelle vorerst solche A rten , welche die Kraft ihrer starken Kiefern zu gefürchteten Raub-
thieren macht, so unter den Käfern die Cicindelen. Vielleicht sind die schützenden Anpassungen seltener
Grylliden (Phylloscyrtus, S. 8 ),2) oder Locustiden (Gondylodera) an die Cicindelen hauptsächlich ein Schutzmittel
gegen Angriffe schwächerer Raubinsekten oder gar der Cicindelen selbst, -fr Zu dieser Kategorie
ist wohl auch die Anpassung des seltsamen Grylliden Stenopelmatus nionstrosus (S. 8) an die Soldatenform
der Termiten zu rechnen.
Unter die Anpassungen seltenerer wehrloser Thiere an häufigere, besser bewehrte dürften auch
die zuerst von A. R. Wa l l a c e hervorgehobenen Anpassungen von Seiten „schwacher und feiger Pirole“
an die angriffslustigen Tropidorhynchen (Philemon) gehören, in deren sich auch gegen Raubvögel vertheidigenden
Schwärmen die ihnen ähnlich gefärbten Mimeta-Arten sich bergen (S. 81), Vielleicht gehört auch das
„Sperberkleid“ wenigstens des indischen Hierococcyx spa/rveroidès Yig., dessen Anblick alle kleinen Vögel
beunruhigen soll, unter die Kategorie der schützenden Anpassung.
1) A. G ia rd . Sur un Diptère etc. Extr. d. Compt. rend, des séances d. 1. Soc. d. Biologie 23 Janv. 1892.
2) Die Phylloscyrtus-Arten gleichen Vertretern der neotropischen Cicindeliden-Gattung Odontocheüa und leben wie diese
auf Blättern, wofür ihnen nach A. G e rs tä c k e r (Stett. ent. Ztg. 1863, S. 413): „ihre vom Typus abweichenden gekämmten
Fussklauen gut zu Statten kommen müssen.“
In viel höherem Grade als die nur durch starke Mundwerkzeuge etc. geschützten dienen diejenigen
Formen als Modelle, welche im Besitz besonderer, mit Giftdrllsen verbundener Wehr- und zugleich Angriffsmittel
sind.
In erster Reihe gehören unter den Insecten die Weibchen der stechenden Hymenopteren (Aculeaten)
hierher.
So passten sich den Ameisen, von denen viele Arten empfindlich stechen, vorerst zahlreiche Araneiden
aus der Familie der Attiden, der Drassiden und sogar eine Theridiide (Formicina) an (vergl. S. 6
und Nachtrag dazu). Von Insecten gehören hierher die merkwürdige Locustide Myrmecöphana fallax Brunn.
(S. 9), zahlreiche S. 9—10 genauer besprochene Ilemipteren und unter den Käfern gewisse Anthiciden
(Fyrmieosomus).
Den flügellosen, wegen ihres Stiches besonders gefürchteten Weibchen der Mutillen ähneln zahlreiche
Clerus-Arten der gemässigten und tropischen Regionen1) (S. 18).
An die oft noch nebenbei durch widrigen Gestank geschützten Mordwespen (Fossores) erinnern
besonders gewisse Locustiden (Scaphura) Brasiliens, deren Familiengenossen von jenen Räubern nach
B a t e s ganz besonders eingetragen werden. So dürfte diese Aehnlichkeit mit den speciellen Feinden ihrer
Verwandten sie vielleicht besonders vor den Angriffen der Grabwespen schützen.
Eine Reduviide aus Nicaragua, Spiniger luteicornis (S. 10), copirt sogar die eigenartigen Bewegungen
der Priocnemis-Axt, welcher sie im Habitus ähnelt. Hierher gehört auch neben anderen auf S. 19 erwähnten
Bockkäfern der merkwürdige Colomborhombus fuscatipennis Pryer (S. 18), der seine Hinterflügel im
Sitzen ausgespreizt hält und so den weissen Subapicalfleck zeigt, welcher den auf dem Vorderflügel der
Mordwespe (Mygnimia aviculus Sauss.) vorhandenen Fleck wiedergiebt.
Nach den interessanten Beobachtungen von A. S e i t z 2) werden gewisse brasilianische Pepsis-A rten 3)
durch bestimmte grünmetallisch schimmernde Macrocneme-Axten (Glaucopid.) bis auf die Spreizbewegungen
der Flügel copirt und die nachschleppenden, seitlich durch Haarkämme in der Ebene verbreiterten Hinterschienen
des Schmetterlings erhöhen noch die Aehnlichkeit des fliegenden Thieres mit dem Modell.
Die ebenfalls an Sphegiden erinnernde neotropische Glaucopide Pseudosphex hyalina Walck. (S. 76)
ist ein schönes Beispiel für die allmälige Ausbildung mimetischer Anpassung an die Wespentracht. Wie
bei der Ameisen ähnlichen Locustide Jifyrme.cophanct fcdlax (S. 9) wird auch bei Pseudosphex die schlanke
Form des Abdomens des betreffenden Aculeaten für das Auge des Feindes dadurch vorgetäuscht, dass die
Flanken des breiten Hinterleibes durch kreideweisse Färbung theilweise zugedeckt werden.
Ausser Vertretern der bereits genannten Ordnungen nehmen an der Anpassung an Pepsis-Arten
auch gewisse neotropische Dipteren, wie die Asilide Mydas nibidapex Wied. etc. (S. 77) Theil.
Von Anpassungen an die grossen, mit fürchterlichem Stachel bewaffneten Scolien ist neben denjenigen
seitens gewisser Raubfliegen (Bdlichogust&r) (S. 78) und einzelner Grabwespen (S. 10) besonders
noch die der schönen Sesiide Scoliomimo, insignis Pryer (Borneo, S. 75) hervorzuheben.
1) Auch in den Bergen Siam’s fing ich Clerus sp. und Mutilla-Weibchen am selben Ort und seihen Tage zusammen, -jp
Nach L. Im h ol (Einführung in d. Stud. der Coleopteren 1856, S. 29) ahmen noch Compsosoma mutiUarium (Cerambycid.) und
Cyphus Linnaei (Gurcul.) „täuschend eine Mutilla nach“.
2) A. S e itz , die Schmetterlingswelt des Monte Gorcovado (Stett. ent. Ztg. 1891, S. 262 263).
®) Wie S e itz mit Recht hervorhebt, braucht in solchen Fällen das Modell, wenn es nur hinreichend gekannt und
■gefürchtet ist, nicht seltener zu sein, als die nachahmende Art, und in der That ist z. B. die Pepsis-ähnliche Macrocneme Jöle L.
nach S e itz heute sogar entschieden häufiger als das Modell.