
V orwort.
Als ick vor circa fünf Jah ren einen R u f an die Universität Córdoba in Argentinien erhielt,
glaubte ich diesem um so eher Folge leisten zu müssen, als sich mir damit ein neues und verheissungs-
volles F e ld eröffnete. Ein Ueberblicken d e r zoologischen und im Besonderen d e r faunistischen Litteratur
jenes Landes zeigte, dass gerade die Protozoen, wie überhaupt die dort lebenden mikroskopischen O rg a nismen
gänzlich unbekannt waren. Es musste sich mithin verlohnen, ihnen eine eingehendere Aufmerksamkeit
zuzuwenden. Damit war indessen ein Erfolg von vorne herein noch nicht sicher gestellt;
denn es herrschte so sehr die Ansicht von dem Kosmopolitismns der Protisten vor, dass vielleicht der
ganze Erfolg n u r darin bestanden h ä tte , diesen zu bestätigen. So musste ich mir sofort ein zweites
Thema in Reserve halten, nämlich einerseits den Organisationsverhältnissen der Protozoen und ihren Beziehungen
zur modernen Zelllehre näher zu treten und andrerseits die bei ihnen stattfindenden physiologischen
Vorgänge genauer ins Auge zu fassen. Beide Themata hätten sich auch recht wohl vereinigen
la s s e n / In d e r T h a t schien es zu Anfang nun so, als wenn die mikroskopische Fau n a Argentiniens nicht
viel des Reuen darbot. Später jedoch, als ich endlich dazu gelangte, mich mit grösserer Ruhe meinen
Aufgaben zu widmen, häufte sich das rein faunistische Material so sehr an, dass andere Gesichtspunkte
mehr und mehr zurücktreten mussten, und dass ich vollauf damit zu thun hatte, all’ die neuen Erscheinungen
zu registriren, zu bestimmen und, soweit sie unbekaunt waren, in d e r Weise zu studiren, dass
-es möglich sein konnte, sie zu beschreiben und in kenntlichen Grundzügen von verwandten Formen zu
unterscheiden.
Gern hätte ich nun meinen Untersuchungen das umfassendere Gepräge gegeben, wie es von Anfang
an beabsichtigt worden war. Allein die mir zu Gebote stehenden Hilfsmittel waren so bescheidener Art,
die Einrichtungen der cordobeser Universität so dürftig und unzureichend dass nur wenig anzufängen
-war. Dazu kam nun noch, dass meine Thätigkeit mit den missgünstigsten Augen betrachtet wurde
und dass man sie eher gehemmt als gefördert hätte. Gab man mir d o ch mehr als einmal zu
verstehen, dass ich gerufen worden sei, um Käfer und an d e re . Insekten zu sammeln und aufzuspiessen
und dass es wünschenswerth wäre, es dem Präparator des Museums im Ausstopfen von Vögeln gleich
zu thun! —
Der Plan, welcher dieser Publikation zu Grunde liegt, möge an diesem Orte gleichfalls kurz
entwickelt werden. Ursprünglich gedachte ich zunächt einen allgemeinen, vergleichenden Tlieil zu geben
und die Beschreibung d e r einzelnen Formen in systematischer Ordnung folgen zu lassen. Da dabei