
E in Versuch, die natürlichen Verwandtschaftsbeziehungen der einzelnen Gattungen der Papilioniden
zu einander festzustellen, muss noch damit rechnen, dereinst durch die erst vollständig aufzuklärende
Kenntniss der früheren Stände der exotischen Formen berichtigt zu werden.
V .Ueber die E i f o rm der verschiedenen Gattungen ist uns fast nichts, über die Form der Raupe
und Puppe nur sehr wenig bekannt und ausserdem bedürfen die meisten älteren Angaben über beide
letzterwähnte Stände in so vielen Fällen der Berichtigung, dass man mit diesen Factoren kaum rechnen
d arf; au f keinen Fall sind aber unsere Kenntnisse lückenlos genug, um uns einen Vergleich auch nur in
den Unterfamilien zu gestatten. So wird wohl schon die Gestalt der erwachsenen Larve uns eine
Beurtheilung der nach der Aehnlichkeit der Falter gebildeten Gruppen erleichtern, denn schon der Besitz
der ausstülpbaren Nackengabel spricht für die verhältnissmässige Einheitlichkeit der Raupenform in der
ganzen Familie.
Noch werthvolleren Aufschluss dürfte uns aber die nur erst an wenigen Papilio-Arten durch
W. H. E d w a r d s 1) und A. G r u b e r 2) festgestellte Postembryonal-Entwickelung der Raupe geben, da
alle bisher bekannten Arten nach dem Verlassen des Eies dieselbe dunkle Färbung besitzen und mit
starken langbehaarten Hautwarzen in jederseits hauptsächlich vier Längsreihen besetzt sind, somit eine
Körperform zeigen, welche nach W. M ü l l e r 3) der Grundform der Raupen überhaupt näher steht.
Werden diese mit „primären“ Borsten besetzten Hautwärzchen bei Papilio Machaon L., Turnus L.,
Troilus L. und Segelfaltern (P . A ja x L.) schon im zweiten und dritten Stadium „rudimentär in dem
Maasse, als sich die Zeichnung auf dem Leibe der Raupe ausbildet“, so verschwinden bei P. Philenor
wohl die Borsten, aber die Warzen wachsen zu hornförmigen Gebilden, zu Scheindornen, aus, welche sich
an den distalen Körperenden besonders entwickeln und in der Mitte wenigstens noch bis zur vorletzten
Häutung erhalten bleiben.
Sicher ist es bedenklich, allein nach der Entwickelung der Raupenform die Verwandtschaft der
Imago bestimmen zu wollen, da die früheren Stände der Schmetterlinge nur als secundär in die Ontogenie
eingeschohene Anpassungsformen anzusehen sind. Darf man jedoch das Merkmal der Entwickelung ihrer
Anhangsgebilde verwerthen, so gelangt man zu dem Schluss, dass P. Philenor unter den erwähnten
Gruppen von Papilio die ursprünglichste Raupenform behalten hat. Aehnliche rothgefärbte Fleischdornen
’) W. H. E dw a rd s , The Butterflies of North-America. Vol. T—-II. 1871—74.
s) A. Grub er, Ueber nordamerikanische Papilioniden- etc. Raupen. (Jena. Zeitschr. für Naturw. XVII, 1884,
p. 465—489. Mit 2 Taf.)
3) W. M ü lle r, Südamerikanische Nymphalidenraupen. (Zoolog. Jahrbücher, herausg. von J. W. S p en g e l. I.
Systemat. Abth.) 255 pp. Mit 4 Taf.
BlbUotheca zoologica. Heft VIII. 1