
schnitt, dass sich die Hypodermis an den inneren Ansatzstellen eines jeden dieser Fortsätze zu einer kleinen,
schräg nach aussen gerichteten Leiste (1) vorwölbt. Bei der nächsten Häutung treten dann diese F o rtsätze
als kleine griffelförmige Anhänge an der inneren Basis der vier ersten Thorakalbeinpaare frei nach
aussen hervor. Sie bilden die erste Entwicklungsstufe der Brutlamellen.
Die weitere Entwicklung derselben bietet äusserlich keine besonderen Eigenthümliekkeiten dar.
Wie alle Anhangsgebilde des Arthropodenkörpers wachsen sie in Perioden von einer Häutung zur nächstfolgenden,
und zwar treten sie bereits nach einer zweiten Erneuerung des Chitinpanzers in einer so erheblich
verlängerten Gestalt wieder auf, dass sie in der Mittellinie des Körpers einander nahezu berühren.
(Fig. 2).
Gleichzeitig mit ihrem Längenwachsthum h at sich indessen im Inneren eine bemerkenswerthe
histologische Veränderung Vollzogen, wie Fig. 2 an einem Querschnitt durch das vierte Thoralcalsegement
erkennen lässt. Die beiden Hypodermisblätter, welche, die obere und untere W and der Fortsätze auskleiden,
erscheinen durch vielfache zarte plasmatische Fasern untereinander verbunden. Diese Fasern, Ausläufer
der hypodermalen Zellen, theilen den ganzen Binnenraum der Lamelle in ein überaus feines System
communicirender Gänge und Höhlungen, welche ihrerseits zur Aufnahme von Blutströmen bestimmt sind,
wie die zahlreichen in ihnen suspendirten Blutkörperchen (b,b) beweisen.
So, durch reichliche Ernährung gefördert, schreitet des Wachsthum der Lamellen in der nun
folgenden Periode bis zur nächsten Häutung sein* rasch vorwärts. Indem das hypodermale Gewebe sich
mächtig in die Breite und in die Länge erweitert, schiebt es sich innerhalb der cuticularen Hülle zu dicht
gedrängten zierlichen Falten zusammen, wobei gleichzeitig die elastische Chitinmembran beträchtlich nach
allen Seiten ausgedehnt wird. Fig. 3 veranschaulicht diese Verhältnisse an einem Querschnitt durch
das vierte Brustsegement eines Weibchens, welches kurz vor der Eiablage steht und im Begriff ist, die
letzte Häutung durchzümachen, während Fig. 4 einen Querschnitt durch einen der ventralen Fortsätze
etwas stärker vergrössert wiedergiebt.
Der Verlauf des Häutungsprozesses ist für die Onisciden von S c h ö b l und F r i e d r i c h (siehe
1. c.) sehr eingehend geschildert worden. Bei Asellus erfolgt derselbe in ganz analoger Weise. Wie
Fig. 3 zeigt, h at sich die alte Chitinhaut überall von den Körperwandungen gelockert und lässt unter sich
die neugebildete, zarte cuticula erkennen, welche"" ihrerseits d e r matrix fest- anliegt. Nachdem- nun
•'zwischen dem fünften und sechsten Thorakalsegment rings um den Körper ein Riss des alten Chitinpanzers
erfolgt ist, wird die hintere Hälfte desselben im Zusammenhang zuerst abgestreift. Bald darau f
folgt die vordere Hälfte nach und mit ihr die Hüllen, welche die Anlagen der Brutlamellen bisher
umschlossen. Auf die feinere Struktur der fertig ausgebildeten Lamellen gehe ich an dieser Stelle
nicht näher e in ; sie wird im dritten 'Theil dieser Abhandlung eingehend geschildert werden.
Der wesentliche Unterschied in der Entwicklung der Brutlamellen bei Porcellio scaber und
Äsellus aquaticus besteht sonach d a rin : Bei Porcellio erfolgt die ganze Anlage in der Lücke zwischen
der Hypodermis und der c u ticuV der Brustsegmente und ist au f eine einzige Häutungsperiode beschränkt;
bei Asellus dagegen treten die Lamellen sehr frühzeitig als äussere Anhänge hervor und ihre völlige
Ausbildung nimmt drei Häutungsperioden in Anspruch. Offenbar ist in der sehr beträchtlichen Grösse
der Brutlamellen bei Asellus der H auptgrund für diese Verschiedenheit zu erkennen. Der Raum zwischen
Hypodermis und cuticula ist nicht gross genug, um die sehr voluminöse Anlage dieser Organe m sich
aufnehmen zu k ö n n en ; es müssen daher besondere Erweiterungen der Körperwand zur Bergung derselben
geschaffen werden. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass bei Porcellio jeder Häutungsprozess wegen der
sehr beträchtlichen Stärke des Chitinpanzers viel tiefer greifende Störungen in dem Allgemeinbefinden des
Organismus mit sich bringt, dass daher Häutungen auch wohl viel seltener erfolgen als bei Asellus
aquaticus, dessen leichtes Chitinskelett eine häufige Erneuerung ohne Schwierigkeiten gestattet.
Auch hierin kann ein Grund dafür erblickt werden, dass die Bildung der Brutlamellen bei
Porcellio nicht über mehrere Häutungsperioden ausgedehnt werden konnte.
Ich glaube, dass die beiden hier erörterten Typen der Anlage der Brutlamellen mit geringen
Modifikationen sich in allen Familien der Isopoden wiederfinden werden, und dass in jedem Falle die
relative Grösse dieser Organe und die Häufigkeit der Häutungen für die Annahme des einen oder des
anderen Bildungsmodus entscheidend gewesen sein wird1).
D i e B e f r u c h t u n g u n d A b l a g e d e r E i e r .
Sehr bald nachdem die Brutlamellen enthüllt worden sind und sich zum unteren Verschluss der
Bruthöhlung vereinigt haben, erfolgt die Ueberführung der Eier in dieselbe. Die A rt und Weise der
Eiablage selbst nimmt in besonderem Grade unser Interesse in Anspruch, nachdem durch die Untersuchungen
von S c h ö b l und F r i e d r i c h die merkwürdigen Erscheinungen bekannt geworden sind,
welche in der Familie der Onisciden diesen Vorgang begleiten. Hiernach treten gleichzeitig mit der
Anlage der Brutlamellen weitere Umgestaltungen am Organismus der geschlechtsreifen Weibchen auf.
Einerseits bilden sich als Ausstülpungen der Hypodermis der vier ersten Thorakalsegmente die sogenannten
Brutschläuche oder Cotyledonen aus, welche bereits von T r e v i r a n u s 2) beschrieben und als Ernährungs-
.organe der Brut in Anspruch genommen worden, sind. Andererseits tritt bald nach erfolgter Begattung,
nachdem die. Spermatozoen in die Ovidukte aufgenommen sind, ein Verschluss der äusseren weiblichen
Geschlechtsöffnungen dadurch ein, dass sich die neu gebildete Chitinhaut continuirlich über die Ausmündungen
der Eileiter hinwegzieht. Gleichzeitig verdickt sich dieselbe an diesen Stellen zu einem soliden,
nach innen vorspringenden Chitingriffel, welcher eine Strecke weit in die Höhlung des Ovidukts
hineinragt. An .Stelle der verloren gegangenen äusseren Geschlechtsöffnungen weist indessen die neue
cuticula auf der Grenze zwischen dem fünften und sechsten Brustsegment einen breiten Querspalt auf,
welcher seinerseits zur Ablage der Eier bestimmt erscheint.
Nachdem alle diese Umgestaltungen mit der Vollendung des Häutungsprozesses zum Abschluss
gekommen sind, beginnen die Eier das Ovarium zu verlassen; sie gleiten an dem Chitingriffel entlang
bis zum Ende des Ovidukts hinab, durchbrechen hier an einer Stelle das Gewebe desselben und gelangen
in die Leibeshöhle, aus welcher sie schliesslich durch den erwähnten Querspalt in den Brutraum übergeführt
werden
Ich habe im Vorstehenden das wesentliche der Schilderung rekapitulirt, welche S c h ö b l und
F r i e d r i c h übereinstimmend von diesen Vorgängen geben. Ich bezweifle nicht, dass die Beobachtungen,
*) W i r . w e r d e n w e i t e r h i n s e h e n , d a s s d i e G a t t u n g Sphaeroma, w e l c h e s e h r k l e i n e B r u t l a m e l l e n b e s i t z t , s i c h b e z
ü g l i c h d e r A n l a g e d e r s e l b e n e n g a n d*6 Onisciden a n s c h l i e s s t . — D i e m ä c h t i g e n L a m e l l e n , d u r c h w e l c h e d i e G a t t u n g
Serolis a u s g e z e i c h n e t i s t , w e r d e n n a c h d e n A b b i l d u n g e n v o n Sluder (A r c h . f. N a t . 1 8 7 9 , 4 5 . J a h r g . ) i n g a n z a n a l o g e r W e i s e
w i e b e i Asellvs aquaticus a n g e l e g t .
*) T re v ira n u s . Vermischte Schriften I. Theil.