
inorganic conditions“, zumal wenn die einzelnen Gattungen miteinander verwandt, in Farbe und Zeichnung
sehr ähnlich und' ausserdem in gleicher Weise g u t vertreten w ären .1) Das reiche Material an Mimicry
unter den Schmetterlingen, das er selbst geb rach t2) , ergänzte B a t e s ebenfalls zuerst in seiner werthvollen
Monographie der Longicornier des Amazonenstromes durch einige Beispiele aus der Ordnung der
Käfer (s, u.).
Kurze Zeit nach B a t e s ’ classischer Arbeit erschien eine werthvolle Zusammenstellung von
„Formanalogieen unter den Insecten“ aus der Feder A. G e r s t ä c k e r ’s 3) , in welcher der scharfsinnige
Autor eine verhältnissmässig erschöpfende Zusammenstellung analoger Formen gab. Ohne sich weiter in
Erörterungen über das Wesen dieser Analogieen einzulassen, betonte G e r s t ä c k e r doch, dass, „ s o b a l d
v e r s c h i e d e n e O r g a n i s a t i o n s t y p e n u n t e r g l e i c h e r Ma s k e a u f t r e t e n , n u r b e i d e r
e i n e n d i e s e r T y p e n d e r H a b i t u s e i g e n t h ü m l i c h , b e i d e r a n d e r e n e r b o r g t is"F“.
In den Fällen, in welchen „aussergewöhnliche Mittel in Anwendung gebracht sind“, um diese Aehnlich-
keit hervorzurufen, sieht auch G e r s t ä c k e r sich „gezwungen, der Natur eine bestimmte A b s i c h t
unterzulegen, deren Zweck wohl kaum ein anderer sein könne als der d e r T ä u s c h u n g “. Als Beweismittel
führt er hierfür die Aehnlichkeit gewisser Parasiten mit den nesterbauenden Wirthen aus derselben
Familie der Hymenopteren etc. an. Die wichtigsten von G e r s t ä c k e r gebrachten Beispiele einer Mimicry
beziehen sich au f Anpassungen an Raubwespen, von denen Scaphura (Locustid.) zuerst von B a t e s (1. c.
p. 509) erwähnt worden war. Leider ist G e r s t ä c k e r ’s Arbeit fast unbeachtet geblieben.
Ungefähr zur selben Zeit erschien ein Aufsatz von A. R. Wa l l a c e in der Westminster Review,
der später in desselben Verfassers „Beiträgen zur natürlichen Zuchtwahl“ 4) wiederholt wurde und wohl
als die bekannteste der Arbeiten über Mimicry anzusehen ist. Mit Benutzung der Beobachtungen yon
B a t e s ergänzte W a l l a c e die bekannten Beispiele durch eine reiche Fülle des im indisch-malayischen
Archipel von ihm beobachteten Materiales und zeigte zuerst, dass z. B. der Blauglanz auf den Flügeln
des Weibchens von Hypolimnas anomala Wall, und der Polymorphismus desselben Geschlechtes bei Papilio
Pammon, Memnon L. etc. einer mimetischen Anpassung zuzuschreiben ist. Den Höhepünct seiner Anschauungen
über die Mimicry nimmt W a l l a c e ’s im Anschluss an seine früheren Arbeiten geschriebener
Aufsatz im „Darwinism“ 5) ein, weshalb wir denselben ausführlicher besprechen.
W a l l a c e äussert sich darin zuerst über die Frage nach der Entstehung der Mimicry. So sind
nach ihm die Heliconier eine alte Gruppe, die specialisirt und allmälig zur „dominant and aggressive race“
wurde. Die Ueppigkeit der Entwickelung entstand als Product der Immunität durch die bestimmte
*■) So bildet in der That die relative Seltenheit der nachahmenden Art für B a te s oft den einzigen Maassstab
für den Unterschied zwischen Anpassung und Analogie. Daher nahm er auch z. B. eine nachahmende, zufällig einmal
häufige Art von Stalachthis als Modell für eine Dismorphia an. Es kann aber, wie unten erörtert werden soll, nur eine
geuetische Untersuchung über die Entstehung und Umbildung der einzelnen Gattungen und Arten uns der Entscheidung
solcher I* ragen näher führen, da dig Yoraussetznng, dass die Seltenheit der Art in allen Perioden constant war, unbeweisbar
bleibt und unwahrscheinlich ist.
*) Nach B a te s dienen z. B. die Heliconier (in seinem weiteren Sinne) 15 Arten von Pieriden (Leptalis und
Euterpe), 4 Arten von Papilio, 7 Eryciniden, 3 Castnien und 14 tagfliegenden Heteroceren als Modell.
*) A. G e r s tä c k e r , Scepastus und Fhylloscyrtus, zwei käferähnliche Grylloden-Gattungen, nebst Bemerkungen
über Formanalogieen unter den Insecten. (Stettin, Entomol. Zeitung, XXIV, 1863, p. 408 ff.)
*) A- R- W a lla c e ., Contributions to the Theory of Natural Selection. London 1870, Cap. III—-IV.
®) A. R. W a lla c e , üai-winism. London 1889, Cap. IX, p. 239—264.
Nahrung der Larve“ etc., und allmälig bildeten sich denn auch aus unscheinbaren Zeichnungen die auffallenden
„Trutzfarben“ (warning colours) der Falter aus. Die zufällige Aehnlichkeit einiger Nachahmer
liess diese Individuen überleben, die gesteigerte Aehnlichkeit mit den Modellen endlich sicherte die Erhaltung
der Art. Schliesslich führt Wa l l a c e (1. c. p. 264) folgende Gründe für die Berechtigung d e r
Mimicrytheorie a n :
1 . Dass die Nachahmer dieselbe Verbreitung haben wie die Modelle;
2 . dass erstere stets wehrloser sind als letztere;
3. dass erstere stets in geringerer Individuenzahl au ftreten ;
4 . dass erstere von ihren Verwandten in der Tracht sehr verschieden sind;
5. dass die Nachahmung, so unbedeutend sie auch sei, nur eine äusserliche und von aussensichtbare
ist, und sich nie auf innere Charaktere ausdehnt.
Bald nach W a l l a c e ’s classischer Arbeit über die indo-australischen Papilioniden (18 6 5 )’), in
welcher er eine Reihe mimetischer Convergenzen bespricht, veröffentlichte R. T r ime n seine werthvollen
Beobachtungen über Mimicry unter afrikanischen Schmetterlingen2) , in denen er besonders auf die interessanten
Fälle des Polymorphismus bei Papilio Merope und des Dimorphismus hei P. Gynorta und
Echerioides aufmerksam machte. Eine dankenswerthe Ergänzung dazu gab er in seinen späteren (1889)-
„South African Butterflies“. T r i m e n hebt besonders die Lehenszähigkeit der immunen Modelle gegenüber
den zarteren Nachahmern hervor.
Weitere werthvolle Beiträge zur Mimicry lieferte besonders F r. Mü l l e r . Nachdem von Gegnern
der Theorie als Einwurf gegen letztere hervorgehoben war, dass die Aehnlichkeit immuner Arten verschiedener
Familien (Danainen, Heliconinen) unmöglich durch natürliche Auslese entstandene Anpassung
sei, da ja die einander entsprechenden Formen allgemein immunen Gruppen angehörten, führte F r. Mül l e r
zunächst a n 8), dass die jungen Vögel erst die immunen Arten ihrer Gegend durch Erfahrung als ungeniessbar
kennen lernen müssten, und es daher auch für die widrigen Arten am vortheilhaftesten sei, e in
g e m e i n s a m e s K l e i d zu tragen, da dann um so weniger Individuen der Unerfahrenheit ihrer jungen
Feinde zum Opfer fielen. So betont auch Wa l l a c e (1889, 1. c. p. 256), dass gleiche Orte ähnliche Artgruppen
besitzen, und somit an ihnen bestimmte ungeniessbare wenige Formen einer Gattung Vorkommen
die von den Vögeln leichter als solche erkannt werden könnten.
') A. R. W a lla c e , On the Phenomena of Variation and Geographica! Distribution as ill-ustrated- by the
Papilionidae of the Malayan Region (Trans. Linn. Soc. London Vol. 25, 1865 p. 1—71).
*) R. Trimen, On some remarkable Mimetic Analogies among African Butterflies (Trans. Linn. Soc. London
Vol. 26. 1869 p. 497—522).
3) F r. M ü lle r, Ituna und Thyridia etc. (Kosmos, herausgeg. von K rau s e , 1879, p. 100; übers, in Trant. Ent,
Soc. 1880, p. XX—XXVIII.)