
Die e r s t e n A n t e n n e n sind zwölfgliederig.’) Die Segmentation ist — wie p. 19 ausgeführt —
im Prinzip dieselbe wie bei den Arten mit siébzehngliederigen Vorderfühlern; das achte Segment von
Cycl. serrulatus entspricht dem achten bis elften Gliede bei jenen und das neunte hier dem zwölften bis
vierzehnten daselbst .Die Lange der Antennen ist sehr variabel ; meist reichen sie bis zum V orderrande oder bis
zu r Mitte des dritten Segments des Céphalothorax.8) Nahe dem Ende Ses neunten Segments befindet Bich
(an Stelle des Sinneskolbens) eine von allen bisherigen Autoren übersehene kleine Sinnesborste. Die
drei letzten Glieder (Taf. V, Fig. 10) trägen je einen schmalen/durchsichtigen Hautsaum. Bei n u r sein-
wenigen Tieren erstreckt sich derselbe über die ganze Länge des Endsegments; gewöhnlich ist bloss der
erste Teil dieses Gliedes (von der Basis bis zur Insertionsstelle der Seitenborste) damit ausgerüstet, ja
es kommen — wenn auch n u r ausnahmsweise — Exemplare vor, bei welchen das zehnte und elfte Antennenglied
ohne diese Organe anzutreffen sind. Oft ist diese Membran ganz gleichmässig gebaut ; oft
aber trifft man dieselbe regelmässig gestreift. (Dunklere und hellere Linien im Wechsel.) Meist; is t
der Hautsaum ganzrandig ; nur ansnahmsweise tra f ich ihn am ersten Teile des letzten, oder auch des
ganzen letzten Gliedes fein gezähnelt.
Die Bedomung d e r S c h w im m f ü s s e (Taf. V, Fig. 8 u. 9) is t: 3. 4. 3. 3. oder- 3. 4. 4. 3.
Das r u d im e n t ä r e F ä s s c h e n (Taf. V, F ig . 11) ist eingliederig und plattenförmig; es träg t an
seinem Ende, am weitesten nach innen stehend, eine ausserordentlich breite Borste, welche in ihrem,
ersten Drittel ganzrandig, in den übrigen beiden aber bewimpert ist, ferner, au f einer kegelförmigen
Erhebung in seriert, ein langes befiedertes und am Fusse dieser Erhebung nach aussen ein ebenfalls;
befiedertes, abe r etwas kürzeres H a a r.3)
Das R e o e p t a c u l u m s e m i n i s (Taf. V, F ig . 12) dehnt sich in die Breite d e s/ Gcschleehts-
segments aus. Der obere Abschnitt ist breit, der untere schmalere ist oft durch die Erhebung des oberen
verdeckt *) Die Spermakanäle entspringen am unteren Teile.5)
Ï) H e r r i « bildet („A final report“, Taf. Q3 Fig. 10) einen „O. serrulatus, y o u n g “ m it E ib a l l e n
ab d e s s e n V o r d e r a n te n n e n aus n u r j e a c h t S egmen ten b esteh en . Im Texte erwähnt er aber diese
„Jugendfora:“ gar nicht. Da kein Grund vorliegt, an der Richtigkeit der H e r r ic k 'sehen Angabe zu zweifeln, so
hätten wir hier einen weiteren Fall von unterbliebener Segmentation der ersten Antennen, vielleicht gar ein ähnliches
Verhältnis, wie das zwischen dem typischen Oyd. Meusyidalns und dessen var. odeftana bestehende. Wie die
var. oderroÄ» aber keineswegs als „Jugendform“ des typischen Cycl. Ucmjmlalm betrachtet werden darf, so ist anch
der Herrick’sehe Cycl. serrulatus mit achtgliederigen Antennen durchaus keine „Jugendform des Cycl. serrulatus, dessen
Vorderfühler normalerweise in zwölf Abschnitte gespalten sind. H e r r ic k b ild e t auch th a ts ä c h l i ch keine
J u g e n d fo rm “ ab , s o n d e rn ein vollkommen e n tw i c k e lt e s T i e r , bei welchem allerdings einige Abschnitte
der ersten Antennen (wie dies auch bei a n d e re n Arten vorkommt) nicht in die normale Teilung eingetreten sind.
Dass hier nicht an einen Fall von Pädogonie oder gar Heterogonie zu denken ist, ist selbstverständlich, (cf. p. 137 — 140)
2) V o s s e ie r: „bis zum vierten Vorderleibssegmente“. — D a d a y : „Antennae primi p a r is ... fere eephalo-
thoracis segmentorum duorum anteriorum longitudine.
3) R e h b e rg s Angabe (1. c. p. 545 unter Cycl. macrurus), dass bei Cycl. serrulatus die mittlere Borste des
rudimentären Fässchens die kürzeste sei, widerspricht nicht allein meinen Beobachtungen, sondern auch den Angaben
von V o s s e i e r , U lia n in , B ra d y , L a n d e und R ich a rd . Eine vollkommen richtige Darstellung des rudimentären
Fässchens findet sich nur bei sehr wenig Autoren ; v die Zeichnungen von Claus und F r iß sind ausserordentlich
mangelhaft; nur wenig besser ist die Fig. 16 von S o ä ta r ic .
4) In Clau s’ Zeichnung (D. Genus Cycl. Taf. I. Fig. l) fehlt die ganze untere Partie des Receptaculum.
G r u b e r s Figuren (Beitr. z. Kennt, d. Generationsorg. Taf. XXVI. Fig. 7 u. 15) sind sehr gut.
5) R e h b e rg (Beitr. z. Kennt, p. 536) beobachtete bei Bremen ein Exemplar unserer Art, welches zu.
den „ Hermapliroditae mixt a e zu zählen ist.
Die E i b a l l e n sind lang, an ihrem freien Ende spitz zulaufend; sie werden vom Abdomen
weit abgehalten.
Die G r ö s s e ist ausserordentlich schwankend, durchschnittlich 1,3 mm (Q ), resp. 0,9 mm (c f).1)
Auch die F ä r b u n g ist sehr veränderlich. Neben fast farblosen Individuen trifft man häufig
solche, deren ganzer K örper oder nur deren Abdomen gelb, braun, blaurot oder selbst rostrot g efärbt ist.
Bei Tieren aus der Saale waren nur das Genitalsegment (erstes Segment des weiblichen Abdomens) und die Verbindungsränder
der einzelnen Körperringe schön dunkelblau gefärbt, während bei Exemplaren, die einem
Teiche zu Dammendorf entstammten, die einzelnen Segmente von dunkelblauen Streifen geziert wurden,
und der erste Abdominalabschnitt des Männchens ein sehr lebhaftes Rot zeigte. Bei Tieren, deren ganzer
Körper von lebhaft rostroter F ärbung war, aber auch bei minder schön gefärbten Individuen war das
zweite Segment des Cephalothorax fast farblos, eine Erscheinung, welche auch bei anderen Arten beobachtet
wird {Cycl. strenuus, insignis, phaleratus).
L e i c h t e E r k e n n u n g s m e r k m a l e : Gesamte Leibesform, „Säge“ an der Aussenkante der
Furkalzweige (o ) und die Apikalbewehrung derselben, Receptaculum seminis.
V o r k o b m e n : Das Tier ist über ganz Deutschland verbreitet und wohl als die gemeinste
Cyclops-Art anzusehen. In der Umgegend von Halle findet es sich in fast jedem Gewässer.
Besonders interessant ist die Mitteilung V o s s e l e r s , dass er den Cycl. serrulatus „in den
Wassern der Nebelhöhle bei Reutlingen mit einem sehr schwach pigmentierten Auge“ an traf.
Leber die bis jetzt aufgestellten Varietäten des Cycl. serrulatus.
Bei der grossen Variabilität der vorliegenden Art kann es durchaus nicht Wunder nehmen,
dass man versucht hat, neben der typischen Art besondere Varietäten aufzustellen. Es ist dies geschehen
von Seiten B r a d y s in seiner var. montanus richtiger rmontanau und von H e r r i c k in der v ar. elegans.
B r a d y glaubte anfänglich — ob auch noch später, ist aus seinen Angaben nicht ersichtlich —
eine „Bergform“ , welche sich durch dunklere F ärbung und dichtere Befiederung der verschiedenen Borsten
vom typischen Cycl. serrulatus unterscheidet, als C. serrulatus v a r . m o n ta n u s bezeichnen zu müssen.
D a abe r die F a rb e der vorliegenden Art — wie bereits angeführt — sehr veränderlich ist (fast farblosen
Tieren stehen sehr dunkel gefärbte gegenüber) und da die mehr oder weniger dichte Befiederung
der Borsten ebenfalls weder ein wichtiges noch konstantes Merkmal is t, so ist die Notwendigkeit zur
Aufstellung dieser Varietät durchaus nicht erwiesen. — H e r r i c k 2) erblickt in dieser „Bergform“ das
„Postimago“ des Cycl. serrulatus, ist aber nicht imstande, für seine Behauptung auch nur einen einzigen
Beleg zu erbringen (cf. p. 137—140).
Von seiner v a r . e l e g a n s sagt H e r r i c k selbst: „Distinguished from the type by the greater
size, and the elongation of antennae and caudal stylets.“
*) R e b b e rg 0,833—1,6 mm (cf. die Messungen dieses Forschers in seinen „Weiteren Bemerkg.“ p. 64),
V o s s e ie r: 1,9 2,2 mm. L i llj e b o r g 1—1 Vs min. C la u s und D ad ay : O 2 mm.
2) H e rrick , Heterog. in the Copepod Crustacea, p. 210.