
b. Mimetische Anpassungsformen.
Die afrikanischen Nachahmer gehören meist nur den Tagfaltern und zwar den Familien der
Nymphalinen, der S a ty r id g (Elymnias), der Lycaeniden. der Pieriden und endlich der Gattung Papilio an.
Unter den Nymphalinen kommen ' mimetische Arten nur in der Diademen-Grupp:éï;(JTÿpoli»»Mas mit der
Untergattung Euralia) und der L m e n itis ^m y g o (Pseudacraea Westw. und Euphaedra H b i ï Bomalaeosma
Blaneh.) vor.
Unterfamilie der Nymphalinen.
Auch in Afrika tritt uns in der Gattung Hypolimnas Hgbn. Hyp. Bolina L. in einer Varietät entgegen,
var. Inaria C r., die sich durch das Fehlen der weissen Sdbapicalbinde der Vorderflügel kennzeichnet
und auch m Indien vorkommt. Nun findig; sich zwaii die d e r Inaria gleichfarbige und als Modell
anzusehende var. Dorippm Kl. dés Pan. Chrysippus !.. in Querimba. Ambukol. WitinÿTseraum. Csagara.
Zanzibar, Anessinieu ; die var. Inaria des Bypölimnas dagegen nur in Angola, CHnchoxo (Mus. Berlin),
Loko, Gabun, Transvaal (Goll. Staudinger) vor. Auch die Exemplare der beiden Formen aus dem Brit!
Museum stammten noGh vor drei Jahren aus verschiedenen Lokalitäten;' Dagegen führt T r im en (Trans.
Linn. Soc. XXVI, p. 504) beide aus d’Urban und Natal an;: so ¿5-eten s ie 'ÎM ® v e r e in z e lt züt
sammen auf.
Die ausschliesslich auf Afrika beschränkte Varietät mit yveisslich aufgehellten Hinterflügeln, var.
Alcippoides B u tl., kommt mit dem gleichgefärbten Pan. Chrysippus var. Alcippus KL zusammen in der
Sierra Leone und nach der. Goll. Standinger auch in Natal Vor. Nach S w i n h o e (Proc. Zool Soc. 1884,
p. 501) ist m Kurrachee die var. Inaria des Afis^ptts-Weibchens häufiger als die Stammform. Die dunkle,
bedornie Raupe frisst Portulaca oleracea und P. quadrifida.
Für die in b e i d e n Geschlechtern mimetischen Arten der Gattung Hypolimnas nimmt Ti - im e n
die Untergattung Euralia Westw. (Sect. B, Subsect. a, von D o u b l e d a j f e a n , deren Arten s ic h j iir c h
weiss gefleckten Leib und die vollkommen offene Hinterflügelzelle:, als, abge leitet erweisen. Auch diese
Formen dürften, wie die indischen Euploeen-Nachahmer der Gattung Hypolimnas, von Arien mir b l a u J f
Randtüpfeln, mit Subapicalbinde der eckigen Vorderflügel und damit ursprünglich in Verbindung stehender
bläulicher Mittelhinde der Hinterflügel entstanden sein , welchen Hyp. Salmacis DriiJ noch n a h e p e h t.
Weitere Formen, bei welchen sich die weisse Mittelbinde beider F lü g ll gegen die: Basis, erweiterte, wie
Hyp. imperialis Stdgr. (Zanzibar) erinnern besonders im Weibchen schon oberflächlich an Amauris-Formen
der WiiwiMS-Gruppe, sind aber viel grösser als letztere. Endlich bildet sich bei kleineren Arten (subg.
v« l Taf ii EUral' a S' T r lm e n ) eme vollkommnere Anpassung an Amauris-kvtea aus, die sich auf beide Geschlechter
iig. iS. . ’ ausdehnt. So ist Hyp. Anthedon Dbld. (Natal, Angola, Gabun) der Am am is Niavia L. sehr ähnlich):;'und
V . ebenso passt sich ihre südliche Form, var. Hyp. Wahlbergi Trim., der dortigen Rasse var. Pominicana dieser
" ¿ 21. ’ Am m r is -A rt an. Ebenso gleicht Hyp. dubius Beauv. (Goldküste, Oamernn, Fernandopo, Gabun, Natal)
der Am. Egialea Cr. ; Hyp. doceptor Trim. der an Am. Niavius L. erinnernden Am. Ochlea Tr. (Natal) und
T"!ig.T£ n,eIldlioh der Hyp■ mimus Tr- der Am ' ^»heria var. cdbimamlata Butl, Einige der mimetischen Arten-von
Hypolimnas variiren häufig-'; so kommen bei Hyp. An th eäm einzelne Stücke mit fast ganz weissen
Vorderflügeln, bei Hyp. dubius Beauv, solche mit ganz schwarzen Hinterflügeln vor (Coll. Staudinger),
also Formen, welche den Modellen weniger gleichen.
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Modelle und Nachahmer fliegen an denselben Fangplätzen und sind m,eist einander so ähnlich,
dass selbst T r i m e n den Hyp. Wahlbergi zuerst für eine Am. Echeria h ielt, bis er seinen „more active
flight“ erkannte.
Ueber grünbindige Arten der Gattung Pseudacraea Westw. (Panopoea Hbr.), wie Ps. Lucretia Cr.
und Ps. Semire Cr. (Westküste) ist durch Erblassen der Färbung, besonders der Hinterflügel, Ps. Torquinia Fr.
(Natal) abzuleiten. Erinnert dieselbe auf der Oberseite unbedeutend an Amauris Echeria T r., so besitzt
sie doch an der Unterseite der Hinterflügel in der rostbraunen Basalfärbung die schwarzen Flecke, welche
die erste Bedingung der Anpassung an den acräoiden Typus sind. Dadurch fü h rt sie zu den derselben
Gattung angehörigen PZawewa-Nachahmern ü b er, welche in zahlreichen Formen Vorkommen, deren Artrechte
erst durch die Zucht der Falter entschieden werden können. Von denselben gleicht Ps. Dolomena
Hew. (Mus. Berlin) durchaus der Acr. Euryta L. var. Alcinoe Feld. *); so Ps. Künowi Dew. mit orangener,
über die Zelle gehender Vorderflügel- und weisser Hinterflügelbinde einer anderen Varietät (Guinea)
des Mus. Berlin. So erinnert Ps. Gottbergi Dew. mit gelber Querbinde der Vorderflügel und gelbbraunen
Hinterflügeln mit starken Intercostalstreifen an Formen von Acr. elongata Butl. (Coll. Staudinger) und
Ps. Hirce D. genau an die entsprechenden Geschlechter von Acr. Gea L. Weiter gleicht Ps. striata B u tl.Vergl- Taf- m-
° r ° Flg. 15.
(Sierra Leone) mit verdunkelten Vorderflügeln genau der Acr. Euryta var. Vestalis Feld, und Ps. Meta-
planemu Butl. (Camerun) der Acr. Euryta var. TJmbra Cr. mit schmaler gelblicher Vorderflügelbinde und
rostbraunen Hinterflügeln, wie Ps. fulvaria Butl. mit weisser Vorderflügelbinde (Isuba) dem dazu gehörigen
Weibchen.2)
Einen selbstständigen, durch die Erhaltung der Marginalmonde der Hinterflügel dem Stamme näher
stehenden Zweig bildet die Boisduvalii-Gruppe. Dieselbe besteht aus zweierlei Formen, von denen Ps.
Eoisduvälii Tr. den beiden Geschlechtern von Acr. Egina Cr. und die var. Trimenii Butl. ( = Boisduvalii Vergl- Taf- IV>
Trimen 1868 [Congo, Natal]) genau Acr. Acara Hew. mit gelbbrauner Subapicalbinde und mehr Roth am
Innenrande der Vorderflügel gleicht.
Ueber die Aehnlichkeit. der Acraeen und Pseudacraeen äussert sich Colonel B o w k e r 3), dass es
ganz unmöglich is t, Modelle und ■ Nachahmer im Fluge oder sitzend zu unterscheiden; „and the first
notice you get is the bristle crunch between finger and thumb“ der Pseudacraea oder „the soft leathery
feel“ der Acraea, infolge dessen die erstere sofort stirbt, „while you may squeeze“ die Acraea „as long
and as hard as you like without effect; nothing but the poison bottle will settle him.“ Auch hier
fliegen die Modelle vor den Nachahmern und sind besonders im Februar und April häufig, während die
Nachahmer erst im März bis Juni folgen.
Besondere Beachtung verdient noch die interessante, von Dewi t z seiner Zeit als Hypolimnas
beschriebene Pseudacraea Poggei Dew. (Westafrika), welche dem Weibchen von Hypolimnas Bolina L., Vers]- Taf- m-
Misippus L. analog, eine ausgezeichnete Anpassungsform an den Danaus Chrysippus L. in beiden Geschlechtern
bildet. Die zahlreichen Arten der Gattung Euphaedra Hübn. (Bomalaeosoma Blanch.) besitzen meist in
beiden Geschlechtern grünschwarze Flügel mit heller Subapicalbinde auf den vorderen und abgekürzter
•) Der einzige deutliche Unterschied zwischen Modell und Nachahmer liegt in der bei den Acraeen auch oben
convex geschlossenen Mittelzelle der Hinterflügel.
*) Nach T rimen and Bowker, South African Butterflies, gleicht die mir unbekannte Ps. imitator Tr. (Natal,
üelagoabay) in beiden Geschlechtern genau der Acr. (Fl.) Aganice Hew.
Vergl. T rim en and B owker, South African Butterflies, Vol. III.