
geschlossen sein muss, cla diese Organismen bei d e r lebhaften T h ä tig k e it d e r Vacuole ja bald austrocknen
müssten. Dieser Grund würde nun in unserem Fa lle nicht zutreffen. Teil konnte aber niemals bemerken,
dass h ie r die Vacuole bis dicht an die Körperwandung gerü ck t wäre, wie dies ja zu r En tlee ru n g nach
aussen erforderlich i s t , wesshalb ich mich ebenfalls d e r Ansicht zuneigen möchte, dass dieses Organ
auch h ie r mehr eine p u l s a t o r i s c h e denn eine e x k r e t o r i s c h e Bedeutung h at. Damit h än g t
offenbar die F e s tig k e it d e r membranartigen H a u t zusammen, welche zwar noch in gewissem Grade
d eh n b a r, aber nicht mehr so le ich t d u rchbohrbar i s t, wie es zum Ausstossen d e r Vacuolenflüssigkeit
erforderlich w ä re , es sei denn, dass eine persistirende Oeffnung v o rlieg t, von deren Gegenwart ich
mich indessen nicht überzeugen konnte.
L ie g t die k o n tra k tile Vacuole dem h in te ren Ende d e r Längsachse des Thierchens zu, so liegt
der N u c l e u s u nmitte lb ar vor ih r in derselben Achse und je nach dem Gestaltungszustande des Ganzen
mehr oder weniger genau in dessen Mitte, gewöhnlich j e d o c h b e i g estre ck te re r G e s ta lt mehr dem
h in te ren Ende zu. E r is t ein kugeliges Bläschen m it einem normal beschaffenen Morulit.
Die A . actinophora, das e rü b rig t noch gesagt zu werden, fand ich während des F e b ru a r 1891
zu zahlreicheren Exemplaren, zu e rst im "Wasser des Beckens au f dem Akademiedache, dann aber auch
im Brunnenwasser. Die Individuen der erste ren L o k a litä t waren meist n a c k t, die d e r le tz te ren oft
mit Steinchen besetzt. Die Grösse alle r Exemplare stimmte ziemlich überein und b e tru g etwa 18 bis
20 |x im mittle ren Durchmesser o h n e die Pseudopodien, deren Masse derjenigen des Körpers nahezu
gleichkommen k o n n te , meist abe r d ah in te r zurückblieb. Der K e rn , sowie die k o n tra k tile Vacuole
massen ca. 4 bis 5 fx, ebenso viel oder weniger die grossen gelben K ry sta lle .
Amoeba tentaculata A. Gruber.
Abbild. Taf. VII. Fig. 18, 19 und 20. Vergr. = ca. 12 bis 1500.
I n einem Seewasseraquarium, das A. Gru b er im Zimmer h ie lt und m it "Wasser von verschiedener
H erk u n ft speiste, entdeckte derselbe*) 1882 eine eigenartige Amöbe, die e r ih re r ten tak e la rtig en
F o rts ä tz e wegen A. tentaculata n an n te und die sich noch besonders durch eine k rä ftig e Hautschicht
auszeichnete. Im Cordoba h a tte ich gleichfalls ein seh r kleines Gefäss m it einer c o n c e n t r i r t e n
Lösung von Salinensalz m it Erdtheilchen etc. au fg estellt und fand darin ausser Branchipüs- und Ar-
temia-ähnlichen Krebschen eine kleine amöbenartige Form, welche mit jen e r von Gruber beschriebenen
vieles gemein h a t und ih r dahe r zugezählt werden soll, obgleich allerdings auch n ich t unwichtige
Unterschiede zwischen beiderlei Formen vorhanden sind.
Unsere A . tentaculata lebte in grösse rer Menge während des J a n u a r und F e b ru a r an d e r Wa sseroberfläche
sowohl zwischen verwesenden B lä tte rn etc., wie auch im In n e rn eines to ten Branchipüs, wo sie
sich wohl ähnlich e rn ä h rt wie die von uns gefundene Saccamoeba insectivora n. sp. (s. d.). ' Besonders auffallend
w a r die in jedem P rä p a ra te anzutreffende erhebliche Anzahl von Cysten, welche den Gedanken
nahe le g t, dass die dieser Amöbe gebotenen Existenzbedingungen n ich t hinreichend günstige waren.
E rin n e rt man sich , dass A. Gru b er seine Amöbe in einem viel schwächer gesalzenen "Wasser hie lt
(ca. 8°/o), so möchte es so scheinen, als wenn meine Salzlösung viel zu s ta rk w a r, ein Umstand, welcher
vielleicht hinreicht, die Verschiedenheiten zu erklären, die zwischen der Form Grubers und d e r unsrigen
bestehen. Die le tz te re wäre dann etwa als eine u n te r nicht mehr ganz natü rlich en Bedingungen en t*)
Nr. 37. A. Gruber, Zeitschrift f. Wissensch. Zoologie, Bd. 36, S. 460 fg. Taf. XXX, Fig. 1 — 8.
standenen V a rie tä t aufzufassen, wenn sie nich t — das lä sst sich vorderhand kaum entscheiden —
eine eigene, fü r sich bestehende A r t d arste llt. D e ra rtig e F rag en , welche fü r unsere Anschauungen
über die En tsteh u n g d e r A rte n von der grössten W ich tig k eit sind, sind an der Hand zweier so v e reinzelter
Beobachtungen, wie die von Gruber und die von uns, nun aber kaum irgendwie mit einiger
Sich e rh eit zu beantworten. Sie würden eine Reihe so rg fältig ster Versuche verlangen, au f die wir,
wie ich hoffe, bei einer anderen Gelegenheit ausführlicher zurückkommen werden.
In ih re r ^ . s s e r e n G e s t a l t h a t unsere Amöbe mit der von A. Gruber beschriebenen die
meiste Aehnlichkeit, besonders was die te n tak elartig en Pseudopodien betrifft. Diese können jedoch oft
genug auch ganz fehlen, so dass eine Form bleibt, welche völlig der einer Saccamoeba gleicht und die
Veranlassung geben müsste, unsere Amöbe diesem Genus beizuzählen, wenn nicht das andermalige Vorhandensein
d e r Tentakel-Pseudopodien dagegensprechen würde. Die tentakellosen Individuen sind, wenn
sie ru h ig e r daliegen, ziemlich isodiametrisch und zwar im einfachsten Falle einfach tropfenförmig wie
ein Guttulidium (s. d.), oder Limax-artig (vergl. Taf. I Fig. 4). We iterhin kommt es wie bei dem
Genus Saccamoeba zu bruchsackartigen Pseudopodien, so dass eine etwas lappige Form h ervorgeht wie
etwa bei S. renacuajo (s. d. und Taf. I Fig . 7 und 8), womit die Ortsbewegungen des Thierchens im
engsten Zusammenhang stehen. Diese geschehen meist nach Limax-Art in einer bestimmten Richtung.
D ann fehlen entweder die Tentakel, oder sie sitzen gewöhnlich am H i n t e r e n d e , wo sie oft einen
Zottenanhang bilden, d e r abe r n u r aus wenigen Theilstiieken besteht. Es können h ie r indessen auch
2 oder 3 Tentakelchen s ta r r abstchen und zwar in Form kurzer cylindrischer F in g e r, die am freien
Ende durchaus n ich t zugespitzt sind, sondern abgerundet oder ab g e stu tzt enden. I h r Verhalten
s timmt also mit den Tentakeln der von Gru b er beschriebenen Form überein. Jedenfalls muss man
fe rn e r auch den Zottenanhang als ein solches Tentakelgebilde ansprechen, denn ich sah bei einem rech t
grossen Exemplar am h in teren Ende einen Anhang, der aus mehreren, vielleicht 6 re ch t kurzen, gleichfalls
cylindrischen Tentakeln bestand. Gruber b erich te t weiterhin, dass die Tentakel auch a l l s e i t i g
abstehen können, mith in nich t au f das Hinterende beschränkt sind. Mir is t indessen ein solcher F a ll
n ich t b ekannt geworden. g = S H
Die Grösse u n serer Amöbe is t eine seh r gerin g e, ein Umstand, d e r vielleicht gleichfalls au f
den s ta rk e n Salzgehalt des sie beherbergenden Wassers zurückzuführen ist. Die Durchmesser wurden
gemessen zu ca. 12 ¡x in der Länge und ca. 9 fx in d e r B re ite , zuweilen bis zu 20 |x in d e r Länge.
E in grösseres tentakelloses Exemplar mass ca. 26 fx in der Länge und 15 jx in d e r grössten Breite.
An nähernd isodiametrische Formen h a tte n einen Durchmesser von ungefähr 16 ¡x, während die kleinsten,
die gemessen wurden, n u r ca. 7 bis 8 jx h a tten . Auch die Cysten massen nicht mehr als 16 bis 18 jx 8.
A. Gruber le g t einen besonderen W e rt d a rau f, dass seine A . tentaculata von einer membrana
rtig en Hülle umgeben i s t, die an den betreffenden Stellen von den Tentakeln durchbrochen wird.
D a meine Exemplare nun erheblich kle iner waren, so gelang es mir leider nicht, jene Hülle m it derselben
Sicherheit nachzuweisen und namentlich sind mir die k ra te ra rtig en Öffnungen völlig entgangen,
die den Durchbruch d e r Tentakel bezeichnen. D e r Umriss (Contur) w a r jedoch ein sehr scharfer, bestimmter
und glänzender, m it Ausnahme desjenigen d e r Tentakel, so dass das Vorhandensein einer irgendwie
differenzirten Hautschicht überaus wahrscheinlich ist.
Um nun zu dem plasmatischen In h a lt überzugehen, so sei zuvörderst hervorgehoben, dass sich
ein re ch t deutlicher Unterschied von Ecto- und Entoplasma geltend ma cht, und zwar d e ra rtig , dass
e rste re s den Bruchsack- und den Tentakelpseudopodien, le tzteres dem übrigen Körper e ig e n tüm lic h ist.
Eine s c h a r f e G r e n z e zwischen beiden scheint zwar auch hier zu fehlen, doch is t d e r Übergang