
werden. Auch d,en von weit her kommenden Fremden ist der Durchgang
unter einem unvollendeten Hause verboten, wahrscheinlich weil man
auch in diesem Fall die unbekannten Geister, die sie mitbringen, fürchtet.
Stirbt jemand im Stamme, so muss der Hausbau, solange die
Leiche nicht begraben ist, unterbrochen werden.
Trotz aller Hindernisse war K w in g I r a n g s Haus im März 1899
unter Dach und die amin mit Hilfe alten Materials soweit fertiggestellt,
dass sie bezogen werden konnte. Der Galerie fehlte hauptsächlich
eine Diele, aber diese war nicht unumgänglich nötig; auch musste
man voraussichtlich wegen der Ernte noch Monate lang mit der Herstellung
der Bretter warten.
Als der Tag, an dem K w in g I r a n g sein neues Haus beziehen sollte,
nach dem Vogelflug bestimmt worden war, wurden alle Personen, die
die amin bewohnen sollten, also die Familienglieder und die Haussklaven,
ausserdem auch noch ein Teil der Sklaven, der eigene Häuser
bauen durfte, zusammengerufen.
Gegen Mittag wurde zuerst gegen die Haustreppe zu eine Art Gang
hergestellt, indem man eine Reihe- hölzerner Galgen errichtete und mit
weissem Kattun überspannte. Mit einem gleichen weissen Baldachin
überdeckte man auch die Treppe von unten bis zur äwä. Alle Haus-
o-enossen in Begleitung eines Priesters mit Frau und Kindern und des
alten Bö J o k bildeten einen Zug, an dessen Spitze sich K w in g I r a n g
stellte. Der Häuptling trug.seine gewöhnliche Kleidung. Ihm folgten
ein Mantri, seine Frauen Bo H iä n g und A n ja , dann der alte Bo J o k
und zuletzt die Sklavinnen mit ihren Kindern. Erst schritt der Zug
durch den Gang zur Treppe, bog dann links ab, ging einmal unten
um das Haus herum und kehrte dann zur Treppe zurück. Hier hatte
man auf einem flachen Stein ein altes Schwert niedergelegt, auf welches
der Häuptling und alle, die ihm folgten, erst den Fuss setzten, bevor
sie die Treppe hinauf ins Haus stiegen. Dieser feierliche Einzug
diente zur Vorbereitung der Seele, damit diese beim plötzlichen Anblick
dieses grossen, imposanten Gebäudes nicht entfloh. Der däjung
und seine Familie betraten nicht das Haus, sondern begaben sich nach
rechts, ihrer eigenen Wohnung zu.
In der amin angelangt begannen die Hausbewohner sogleich, nachdem
sie die Tragkörbe samt Inhalt vom Rücken genommen hatten,
Herde zu errichten. Der kleine Herd, auf dem hauptsächlich für den
Häuptling gekocht wird, kam zuerst an die Reihe. Zwei junge Männer