
VH. Gattung: Chrosis (6n. 1845) Wl s hm.
G u e n e e , Ind. 1845, p. 62 stellt ein Genus C h r o s i s auf, mit den Spezies decimana S. V.,
tesserana S. V., rutilana Hb., audouinana Dup. und euphorhiana Frz., also recht bunt zusammengewürfelt
und in keiner Weise begründet. L o r d W a l s i n g h a m benützt diesen Gattungsnamen
für die Spezies bi f as c i a n a Hb. (=; audouinana D u p.), die er von Tortrix trennt.
Das Eigentümliche dieser Spezies und somit der Gattung, welcher sie als Type dienen soll,
ist, daß auf dem Vorderflügel Ader III3 und IV! nicht wie gewöhnlich getrennten Ursprung aus der
Ecke der Mittelzelle haben, sondern i n i h r e m b a s a l e n T e i l z u e i n em S t i e l v e r e
i n i g t s i n d , der genau auf der hinteren Ecke der Mittelzelle steht. Auch auf dem Hinterflügel
haben die Adern III3 und IVX einen gemeinsamen Stiel, und I II2 entspringt fast aus demselben Punkt,
wie dieser, aus der hinteren Ecke der Mittelzelle. Auf den Vorderflügeln umfassen Ader II4 und II5
die Spitze, ein Costalumschlag beim fehlt. Auf den Vorderflügeln finden sich kleine Büschelchen
oder Strichei aufgerichteter Schuppen, und metallisch glänzende Linien oder Flecke. Der Thorax
ist leicht geschöpft. Die letztgenannten Merkmale sind nichts besonders Charakteristisches, es'bleibt
das erste ausschlaggebend. Mir ist die Aufstellung dieser Gattung nicht besonders sympathisch,
besonders da man auf Grund der angegebenen Merkmale noch andere Arten dazustellen muß, die
im übrigen nicht allzuviel mit der typischen Spezies gemeinsam haben. Immerhin ist die Eigentümlichkeit,
daß Ader I II3 und IVX der Vorderflügel gestielt sind, eine bei Wicklern so ungewöhnliche,
daß Jiaan die Selbständigkeit der Gattung wohl verteidigen kann. Sie umfaßt meines Wissens nur
zwei palaearktische Spezies, von denen die eine durch ungewöhnlich lange Palpen mit stark verlängertem
Endglied ausgezeichnet ist; vielleicht gehören noch zwei andere, die mir nicht zugänglich
waren, die aber die gleiche Eigenschaft der Palpen haben und auch sonst der zweiten Art nahe zu
stehen scheinen, hierher. Wenn dies sich bewahrheitet, muß die Gattung als eine wesentlich östliche
bezeichnet werden.
1. Chrosis bifasciana H b . Beitr. z. Gesch. d. Schmett. I, 2. 3 M.; H S. IV p. 171; Fig. 62;
He i n . p. 49; M e y r. p. 536; a u d o u i n a n a Dup. IX tab. 266 f. 5; a p i c a l i s W e s tw.
Brit. Moths II p. 169 tab. 98.
Vorderflügel ziemlich schmal, saumwärts allmählich verbreitert, dreieckig, Costa leicht
gebogen, Saum schräg, gebogen, Apex gerundet. Spannweite 12—14 mm. Taf . VIII F ig . 33 $.
Der Kopf, Thorax, sowie der Mittelteil der Vorderflügel, Costa im Spitzenteil und Saum ockergelb,
das Wurzelfeld sowie das Spitzendrittel dunkelbraun. Das hellere Mittelfeld zieht sich als
schmaler Streif auch am Dorsum bis zur Basis des Flügels hin und ist an seinem distalen Rand,
sowie auch zwischen vorderer und hinterer Mittelader, ferner an seinem basalen Costalteil mehr oder
weniger dunkel bestäubt. Gegen das Wurzelfeld ist es durch eine kräftige gebogene, gegen das Saumfeld
durch eine noch stärkere geschwungene Bleilinie abgegrenzt. Im Wurzelfeld findet sich noch eine
kürzere metallglänzende Querlinie und ein solcher Fleck an der Basis, vor dem ockergelben Saum
eine meist in mehrere Stücke aufgelöste Bleilinie, im Discus stehen einige kleine Büschelchen aufgeworfener
Schuppen; die Fransen sind weißlich, an ihrer Basis ockergelb. Die Hinterflügel und das
Abdomen sind braungrau, die Fransen heller grau mit dunkler Teilungslinie.
Die Raupe lebt nach älteren Angaben an Vaccinium myrtillus und uliginosum (wohl an der
Frucht), nach Sand dagegen in den Früchten von Rhamnus cathartica und Cornus mascula im
September und Oktober; sie überwintert wohl, denn sie wird auch im April angegeben. Der Falter
fliegt im Mai und Juni, bis in den Juli hinein, meist nur zerstreut und nicht häufig.
Hab. Westliches Mitteleuropa (mit Ausnahme von Holland), Nieder-Österreich, Steiermark,
Galizien, Norditalien.
2. Chrosis christophana Wl s hm. (Tortrix christ.) Asiatic Tort. Ann. et Mag. Nat. Hist.
(7. s.) V. 1900 p. 455.
Die Palpen auffallend lang, vorgestreckt, Mittelglied stark, mit langen, unten und oben schräg
abstehenden Schuppen besetzt, Endglied dünn, lang vorragend. Vorderflügel breit, fast viereckig,
Dorsum an der Basis gleich stark verbreitert, Costa schwach gebogen, Saum sehr steil, leicht
geschwungen, Apex ziemlich scharf, nicht vorgezogen. Spannweite 17 mm. Taf . VIII F i g . 34 $.
Der Kopf mit Fühlern und Palpen und der Thorax sind hell zitronengelb, die Basis, die Costa
und der Saum der Vorderflügel sind lebhafter zitronengelb mit spärlichen, rötlichgelben Stricheln,
das übrige des Flügels in einem großen Fleck, der dem Dorsum auf sitzt, heller oder dunkler schokoladebraun,
oder lebhaft rotbraun oder kastanienbraun. Die Umrisse dieses annähernd viereckigen Flecks
laufen dem Saum und der Costa parallel, die basale Grenze ist schräger als die distale. Auf ihm
finden sich zahlreiche, im gelben Costalteil einige graue Silberfleckchen, auch die Saumlinie ist fein
silbern. Etwa in der Flügelmitte findet sich eine unterbrochene Querreihe aufgerichteter brauner
Schuppen, einige kleine Büschelchen mehr spitzenwärts. Die Fransen sind gelb, distalwärts blasser,
am Tornus braun. Die Hinterflügel sind von der Farbe des dunklen Flecks der Vorderflügel, oder
etwas blasser, wurzelwärts blaßgrau oder weißlich; die Fransen sind an ihrer Basis gelblich, auswärts
blaßgrau bis weißlich. Abdomen und Beine sind blaß braungrau. Flugzeit im Juli.
Hab. Ussurigebiet (Sidimi); Japan.
In natura unbekannt geblieben sind mir die folgenden beiden Spezies, von denen ich ihrer
Ähnlichkeit mit der vorigen halber annehme, daß sie auch die gleichen Aderungsverhältnisse
haben dürften, weswegen ich sie hierher stelle:
3. ? Chrosis Leechi Wl s hm. (Tortrix Leechi) Asiatic Tort. Ann. et Mag. Nat. Hist. (7. s.)
V, 1900 p. 454.
(Übersetzung): „Fühler bleich kanariengelb, rot geringelt, aber unten bräunlich angelassen.
Palpen etwa um Kopfeslänge vorragend, Mittelglied oben und unten mit abstehenden Schuppen
(dichter anliegend als bei christophana), Endglied sehr kurz, vorstehend; bleich kanariengelb. Kopf
und Thorax bleich kanariengelb. Vorderflügel bleich kanariengelb, mit einem gelblichbraunen
Schatten an der Basis, der oft durch die Mitte des Flügels oberhalb der Falte sich erstreckt und
die Apikalhälfte überzieht mit Ausnahme von Apex und Saum; an der Basis, an dem braunen Schatten,
ist ein glänzend rötlichgraues metallisches Band; eine ziemlich breite, leicht schräge Binde von ähnlich
metallischem Anhauch zieht quer von der Costa innerhalb des Basaldrittels, etwas vor die
Mitte des Dorsums, manchmal schon an der Falte endigend; eine andere Binde derselben Farbe
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