
Wenn man die in der ganzen Gattung Acalla als typisch vorkommende Zeichnung und Färbung
zur Grundlage nimmt, so kann man etwa unterscheiden:
a. ziemlich einfarbige Vorderflügel, dunkelbraun, graubraun, rotbraun, in allen Abstufungen
bis grau (Fig. 7—10), höchstens mit helleren Wolkenflecken im Saumfeld, schwachen Andeutungen
einiger gebrochenen dunkleren Querlinien, auf denen kleine Schuppenhöckerchen stehen, Andeutungen
eines großen dunkleren Costalfleckes im Mitteldrittel der Costa, dessen basale Begrenzung
mitunter durch den Anfang eines helleren Querbandes bezeichnet ist (Fig. 10); auch hellere häkchenförmige
Costalstrichel vor der Flügelspitze können vorhanden sein. Kopf und Thorax meist beträchtlich
heller als die Grundfarbe der VfL, mitunter weißlich, selten so dunkel, wie die Flügelfläche.
Diese Varietäten und Aberrationen entsprechen etwa der Form profanana F. (E. S. 268); Don.
(XII. t. 377. 3); S tp h . p. 149; Wd. 1047 —; auch die Form substriana Stph. 149; Wd. 1049 kann
hier untergebracht werden.
b. Vfl. dunkelbraun bis rotbraun, heller und dunkler gewölkt (cf. Fig. 11), mit dem Anfang
eines rein weißen Schrägbandes bei y4 der Costa, das sich bis zum Schuppenbüschel zieht und von
da sich spitzenwärts wendet, um wieder in die Costa auszulaufen; der ganze von dieser Zeichnung
umfaßte Raum kann weiß sein, oder der zweite Ast des Bandes ist trüber oder fehlt ganz (cf. Fig.
12). Das entspricht ungefähr der Form cristalana Don. (Nat. Hist. III. t. 77. 1. 2); Stph. p. 151;
Wd. 1057.
c. Bei der eben angegebenen Färbung und Zeichnung kann der Dorsalrand der Vfl. mehr
oder weniger breit in seiner ganzen Länge heller, bräunlichgelb, rötlichgelb oder hellgelb werden
(Fig. 12), dann ergibt sich die Form fidvorittana Stph. 152; Wd. 1058; hierher kann auch H. S.
cristana Fig. 237 gezogen werden (fast identisch mit unserer Fig. 12, nur im ganzen dunkler). Auch
unsere Fig. 13 kann noch hierher gezählt werden, wobei nur die hellen Zeichnungen der Costa fast
ganz verdunkelt sind.
d. Grundfarbe der Vfl. dunkelbraun bis rötlichbraun, oder schwarzgrau bis braungrau, fast
einfarbig, der Dorsalrand scharf abgesetzt heller, bis weißlich, mit einigen feinen weißen Längs-
linien, die auch die Schuppenbüschel an der Grenze des Basalfeldes umrahmen können (Fig. 14):
Form striana Hw. p. 413; Stph. 149; Wd. 1048; hierher auch cristana Hb. 176 und combustana Dup.
IX. 244 fig. 2.
e. Grundfarbe dunkelbraun bis zimtfarben, im Tornusfelde mitunter heller, bis in grau
übergehend; aus der Flügelbasis tritt mitten in den Flügel bis über den Schuppenbüschel hinaus
eine breite rotgelbe Strieme; dabei kann der Dorsalrand mit der übrigen Fläche' gleichfarbig oder
streifenförmig heller bis intensiv gelb oder weißlich sein, oder einige helle Längslinien tragen (Fig. 15):
Form desfontainana F. E. S. 268; Stph. 150; Wd. 1054; hierher auch ftdvocristana Stph. 151; Wd.
1055; aJhovittana Stph. 151; Wd. 1056; auch consimila/na Stph. 150; Wd. 1053; ferner gehört
hierher sericana Hb. 83; Dup. IX. 244. Fig. 3.
f. Vom Schuppenbüschel zieht eine rotbraune bis dunkelbraune Strieme in die Flügelspitze;
costalwärts davon ist die Fläche heller oder dunkler ockergelb bis ockerbräunlich, wurzelwärts allmählich
dunkler; saumwärts von der Strieme ist die Färbung dunkler braun oder braungrau; der
Costalrand entweder ebenso oder mit hellerer bis rotgelber Längsstrieme (Fig. 16). Dies ist die Form
spadiceana Hw. p. 412; Stph. 150; Wd. 1052; hierher ferner brunneana Stph. 149; Wd. 1050; vittana
Stph. 150; Wd. 1051; cristana H. S. 25,
: g. Vfl. einfarbig dunkel schwarzbraun, graubraun oder rotbraun, höchstens im Saumfeld
einige hellere, selbst weiße Pünktchen, Dorsalrand breit reinweiß bis zum Fransenansatz am Tornus;
die weiße Strieme in der Nähe der Flügelbasis plötzlich verschmälert; Schuppenbusch dunkel (Fig. 17)
oder rein weiß (Fig. 18). Auch Kopf und Thorax können weiß sein: Form cristana F. Mant. 233.
(Als ältester Name einer zu dieser Spezies gehörigen Form wird derselbe zum Speziesnamen.) Hierher
sind zu rechnen: rossiana F. E. S. 259; lefébvriana Dup. IX, 244, b; H. S. 26 (Copie von Dup.);
cristana Stph. 152; Wd. 1060.
h. Wird bei solcher Zeichnung das Saumfeld vom Schuppenbüschel bis zur Spitze scharf
abgesetzt grau, so daß die dunkelbraune Grundfarbe auf einen großen, von der Flügelwurzel bis zur
Spitze reichenden Costalfleck beschränkt wird, so gibt es die Form ruficostana Curt. Br. E. I. t. 16;
Stph. 152; Wd. 1062; HS. 27 (Kopie von Wood.).
i; Die ganze Flügelfläche ist einfarbig dunkel, nur der Schuppenbüschel weiß: Form albi-
punctana Stph. 152; Wd. 1061. Hierher auch subvittana Stph. 152; Wd. 1059; meine Fig. 19, die
sich wieder an die Formengruppe a. anschließt.
k. Endlich kann bei dunkler Flügelfläche die ganze Costa weiß sein: Form albicostana Sand,
Cat. Lep. du Berry p. 133. Zwischen all diesen Formengruppen existieren zahllose Übergänge und
Mischformen in Färbung und Zeichnung, so daß die Einteilung in Varietäten und die Benennung
derselben, sowie seltener vorkommender Aberrationen von sehr zweifelhaftem Wert ist, und viele
Formen nicht mit Sicherheit eingereiht werden können.*)
Die Hinterflügel sind stets licht braungrau, die kaum helleren Fransen mit Teilungslinie
nahe ihrer Basis; das Abdomen ist annähernd von der Färbung der Hfl., der Analbusch wenig heller.
Die Raupe lebt im Juni und Juli zwischen Blättern von Carpinus betulus, Ulmus campestris,
Salix caprea, Prunus spinosa, Rosa; der Schmetterling erscheint im August, auch schon Ende Juli,
hält sich den ganzen Herbst über und überwintert (vielleicht nur die später erschienenen Exemplare).
Hab. In ganz Zentraleuropa (exl. die Niederlande), Oberitalien, durch Sibirien bis Japan.
Am verbreitetsten scheint die Art in Großbritannien zu sein. Sie tritt überall nur lokal auf, und
ist auf dem Kontinent keineswegs häufig.
5. Acalla delicatana Chr. Bull. Mose. LVI. 1881. I. p. 60. ^ Taf. III, Fig. 20. (Originalexemplar
aus Staudingers Sammlung.)
Kleiner als A. cristana, Spannung 16—18 mm, Flügelschnitt und Form des Costalrandes
mit seiner plötzlichen Depression hinter dem 1. Drittel der Länge ähnlich, Saum aber gerundet, nicht
geschwungen.
Christoph’s Beschreibung lautet: „Kopf und Palpen hell ockergelb, letztere bedeutend kürzer
als bèi cristana, auf der Oberseite mit abstehenden Schuppen, mit dunklem, wenig hervorragendem
Endgliede. Scheitelbeschuppung kraus aufgerichtet. Fühler des <? sehr kurz und fein bewimpert,
Geißel ockergelb, schwarz geringelt. Beine weißgelb mit langer zottiger Behaarung. Fußglieder
braun, nach vorn gelblich. Rückenschild hell rotbraun mit hohem spitzem Schuppenkamm oder
Home, wie ihn cristana nicht hat (?). Vorderflügel: Grundfarbe ist eine Mischung von hellem Rotbraun
mit Rosa, welch letztere Färbung den größten Teil der Basalhälfte einnimmt. Ziemlich genau
*) Der Vollständigkeit wegen erwähneich noch folgende Namen von Aberrationen: var. alboflammaha Crt.; capuzina
Johanson; subcapucina Desv.; curlisana Desv.; insulana Crt.; xanthovittana Desv.; unicolorana Desv.; lichenana Crt.; tolana
Desy.; chantana Crt.; subcristalana Crt.; sequana Crt.; fulvostriana Desv.; semiustana Crt.; bentleyana Crt. Ich halte solche
Namenmacherei für groben wissenschaftlichen Unfug, für den leider keine andere Strafe möglich ist, als völliges Ignorieren.