
IX. Gattung: Rhopobota L d.
Bei dieser Gattung, die eine einzige palaearktische Spezies enthält, entspringen auf den Vorderflügeln
Ader II4 und II5 auf einem gemeinsamen langen Stiel; auf den Hinterflügeln sind die Adern III3
und IVX ebenfalls lang gestielt und Ader III2 entspringt mit diesem Stiel auf gemeinsamem Punkt
aus der hinteren Ecke der Mittelzelle. Auf der Unterseite besitzt der Hinterflügel des $ zwischen Ader I
und I I einen tiefschwarzen, sammetartigen Streifen modifizierter Schuppen.
Der Thorax ist ungeschopft, die Palpen sind etwas hängend; die Vorderflügel sind verhältnismäßig
schmal mit gleichmäßig gebogener Costa; der Apex ist stark vorgezogen, der Saum darunter
tritt zurück und ist dann fast senkrecht geschwungen; das ist am abgeschuppten Flügel noch deutlicher,
als am beschuppten mit Fransen. Die Hinterflügel sind trapezoid. Vgl. hiezu Taf. II Fig. 50—52.
Was sonstige bemerkenswerte Merkmale betrifft, die aber weniger typisch sind, so kann bemerkt
werden, daß auf den Vorderflügeln Ader IIX beträchtlich hinter der Mitte aus der Mittelzelle entspringt
und, wie auch II2 und II3, etwas geschwungen zur Costa zieht. Ader IIIj, I II2 und III3. entspringen
in gleichen Abständen aus der Querader und ziehen parallel zum Saum; IVX biegt sich saumwärts
gegen I II3, wodurch der Zwischenraum zwischen IVX und IV2 am Saume groß wird (das ist jedoch in
einigen der später folgenden Gattungen ebenso, zum Teil noch stärker der Fall). Auf den Hinterflügeln
entspringen Ader I I und IIIj dicht beisammen und laufen eine Strecke weit parallel.
1. Rhopobota naevana H b. f. 261; D u p. IX t. 255 f. 8; H S. IV p. 280; f. 275; W i 1 k.
p. 127; Hein. p. 228, Sn eil. II, 1 p. 397; Meyr. p. 477; unipunctana Hw. p. 454; Wood f. 939.
(Var.) geminana S t e p h . List p. 99; Wil k . 129; S t a i n t . Man. II p. 222; He i n . p. 228.
Mit den oben angegebenen Merkmalen. Spannweite 13—15 mm. Taf . XVIII F i g . 60 <$,
60a $ U n t e r s e i t e , 61 $ (geminana S t p h.).
Kopf und Thorax sind braungrau, das Abdomen ist etwas heller, grauer. Die Grundfarbe der
Vorderflügel ist graubräunlich, bald mit etwas rötlichem Schein (naevand) bald mehr grau (geminana);
diese Farbentöne wie auch die Schärfe, Deutlichkeit und Färbung der Zeichnungen gehen indessen so
ineinander über, daß man von einer Abgrenzung zweier Formen nicht wohl reden kann. Die Grundfarbe
hat mehr oder weniger Glanz, und besonders im Saumfeld kommen auch verschieden deutliche
Silberlinien vor. Ein großes Wurzelfeld, von feinen dunkleren Bogenlinien verschieden reich durchzogen,
ist etwas dunkler braungrau bis reiner braun, durch eine stumpfwinkelig geknickte stärker
dunkle Linie abgegrenzt, die besonders in ihrer dorsalen senkrechten Hälfte wurzelwärts dunkelbraun
bis schwärzlich verschieden breit angelegt sein kann. Die folgende hellere Binde der Grundfarbe
ist durch eine stärkere mittlere, und oft auch durch zwei schwächere parallele Bogenlinien durchzogen;
sie ist am Dorsum noch einmal so breit als an der Costa. Etwas vor der Mitte der Costa beginnt
ein dunkelbrauner bis braungrauer Schrägstreif, der bis vor den Tornus zum Dorsum zieht, und in
seiner Mitte eine saumwärts gerichtete stumpfe Ausbuchtung hat, die am dunkelsten, oft ganz schwarz
ausgefüllt ist. Die Ränder dieses Schrägstreifs sind saumwärts scharf, wurzelwärts etwas verwaschen.
An der Costa stehen zwischen Schrägstreif und Apex vier scharfe schwarzbraune Schräghäkchen,
nach der Spitze hin an Stärke zunehmend; aus dem Apex selbst kommt ein schräg basalwärts gerichtetes
dunkles Häkchen. Die Zwischenräume, von der Grundfarbe, sind fein dunkel geteilt. Aus
dem vierten Praeapikalhäkchen zieht eine feine Schattenlinie gebogen gegen den Schrägstreif, aus
den beiden folgenden zusammen eine deutlichere Linie in den Tornus; ihr kann noch eine ganz feine
Linie folgen; der Saum selbst kann mehr oder weniger deutlich dunkel angelegt sein. Die Zwischenräume
zwischen diesen Linien im Saumfeld können leichten Silberglanz haben. Die Fransen sind
graubraun, ziemlich dunkel, glänzend, an ihrer Basis schmal hell, mit feiner dunkler Basallinie; diese
und die Fransen sind unter der Spitze in der Regel fein hell durchschnitten. Die Hinterflügel sind
gelblich braungrau, die Fransen etwas heller, mit dunkler Teilungslinie.
Die Untersuchung der Begattungsorgane ergab vollkommene Übereinstimmung der beiden
als Varietäten, ja mitunter als getrennte Arten angesehenen Formen, die sich, wie gesagt, nicht auseinanderhalten
lassen.
Die Raupe ist weißlichgrau, der Kopf schwarz oder dunkelbraun, Nackenschild schwarz oder
braun, in letzterem Falle zuweilen hinten schwarz gerandet, die Analklappe ist von Körperfarbe,
mit oder ohne schwarzen Strich an der Seite. Sie lebt im Mai auf Obstbäumen, Crataegus, Vaccinium
myrtillus; die von letzterer Pflanze ergeben zumeist die graueren Stücke (geminana). Der Falter
fliegt im Juni und Juli oft recht häufig.
Hab. Mittel- und Nordeuropa; Nordspanien, Ober- und Mittelitalien.