
besonders waren Mer in' neuester Zeit M e y r i e K (1896), L o r d W a 1 s i n g K a m und D u ri
r a u t (1898) in England, R e b e 1 (1898) in Wien tätig. Ihre Studien' der Literatur, aber auch
die Untersuchung der Objekte iührte zu wesentlichen Änderungen. Nicht nur wurde die Gattung
Tortrix in eine Anzahl von Gattungen zerlegt, indem Untergattungen zum Rang von Gattungen erhoben,
andere mit einander vereinigt wurden, es wurden auch noch einige Gattungen, wie z. B. Conchylis
in mehrere Gattungen zerspalten und neue gegründet. Aber weit entfernt, dadurch bessere Klärung
und Übereinstimmung herbeizuführen, wurde nur neue Verwirrung gebracht. Die Merkmale, die
den einen zur Aufstellung einer besonderen Gattung bewogen, erschienen dem anderen zu geringfügig,
und er akzeptiert die neue Gattung nicht. Vor allem aber kam die Nomenklatur der Gattungen
wieder in schlimme Unordnung.
Man muß natürlich zurückgehen auf die ältesten Werke und Abhandlungen, in denen eine
Einteilung in Gattungen oder' gattungsähnliche Gruppen vorgenommen ist. Dabei zeigt;’es sich,
daß diese Gattungen nicht oder mit so kurzen Worten charakterisiert sind, daß man von brauchbaren
Diagnosen nicht reden kann; man muß daher aus den in der Gruppe -zusammehgestellteh Arten zu
erkennen suchen, welche Gründe zur Aufstellung eines zusammenfassenden Namens bewogen haben
könnten, d. h. die charakteristischen Eigenschaften der vereinigten Arten sollen die'iGattung charakterisieren.
Weil nun aber gewöhnlich in unserem Sinne ganz heterogene Spezies auf Grund unwesentlicher
Färbung oder Zeichnung vereinigt wurden, so muß eine Spezies, und zwar die zuerst aufgeführte,
oder wenn diese nicht festzustellen ist, die zweite und so fort als „Type“ für die Gattung genommen
werden. Ein Erkennen der Spezies ist nur möglich, wenn sie genügend durch Worte beschrieben sind,
oder wenn durch ein Zitat auf eine genügende Beschreibung hingewiesen ist,, oller wenn sie durch
eine beigefügte oder zitierte Abbildung kenntlich gemacht sind. Andernfalls handelt' es sich nur
um wertlose Zusammenstellungen von Namen.
Bei den in der Regel höchst mangelhaften Speziesbeschreibungen ist man gewöhnlich auf Abbildungen
angewiesen. Diese sind aber auch oft genug unkenntlich. Bei dem damals allein angewandten
Handkolorit sind die Abbildungen in den einzelnen, oft recht selten gewordenen, Exemplaren der
betreffenden Werke häufig sehr ungleich ausgefallen, was zumal bei so kleinen und vielfach sehr
ähnlichen Tierchen, wie die Wickler sind, von wesentlichem Einfluß auf den Eindruck sein kann,
den die Abbildung macht. Der eine erkennt in seinem Exemplare eine Spezies mit Bestimmtheit
und vermag sie als eine bekannte festzustellen, ein anderer erkennt sie in seinem Exemplar nicht,
oder erklärt sie für eine andere, die jetzt in eine ganz andere Gattung gehört. Da nun aber nicht
festzustellen ist,' welches Exemplar richtig, welches fehlerhaft koloriert ist, so können nur Namen
von solchen Gattungen als annehmbar bezeichnet werden, die in zweifellos erkennbaren Spezies
Typen besitzen.
Bei den alten H ü b n e r ’schen Werken, die bogenweise oder in Lieferungen, zum Teil in
größeren Zwischenräumen erschienen, ist oft das Jahr des Auftauchens der einzelnen Teile im Buchhandel
sehr unsicher und dadurch ihre Priorität anderen Abhandlungen gegenüber zweifelhaft, ja
von manchen ist es überhaupt nicht mit Bestimmtheit festgestellt, ob sie im Buchhandel erschienen
sind. So müßte der Systematiker nicht nur Literaturstudien, sondern auch bibliographische Studien
schwierigster Art machen. Durch Abstimmungen, wie L o r d W a l s i n g h a m sie in solchen
Prägen anstellte, ist nichts Endgültiges auszurichten, denn eine andere Zusammensetzung der
abstimmenden Autoritäten konnte ein ganz entgegengesetztes Resultat ergeben und kein Mensch
braucht sich an die Meinung der zufälligen Majorität zu kehren. Es wäre dann schon viel besser,.
einfach für die jetzt angenommenen Gattungen Namen vorzuschlagen, wobei die bisher am meisten
üblichen den Vorrang hätten, und dann über deren Annahme abzustimmen, einerlei ob sie eine
zweifelhafte Prioritätsberechtigung haben oder nicht, und sie durch das Resultat der Abstimmung
als gültig anzuerkennen. Die Verwirrung, welche durch die rigorose Durchführung des Prioritätsgesetzes
angerichtet wurde und noch lange Zeit fortgesetzt werden wird, ist geradezu trostlos, und
nicht nur auf dem Gebiet der Schmetterlingskunde!
Im K a t a l o g d e r L e p i d o p t e r e n d e s P a l a e a r k t i s c h e n F a u n e n g
e b i e t e s v o n S t a u d i n g e r u n d R e b e l 1901 werden die T o r t r i c i d a e auf Grund
der neuesten Forschungen und mit einigen Abänderungen hauptsächlich in Anlehnung an M e y r i c k,
aber mitunter in abweichender Benennung der Gattungen eingeteilt in 3 Subfamilien:
A. T or t r i e i n ae; B. C o n c h y l i n a e (Phaloniinae,) C. Ol e t h r e u t h i n a e (Grapho-
litinae), und in folgende Gattungen: 1. A c a l l a (Hb.) Meyr . (Te r a s Tr.); 2. A mp hi sa
C u r t. [Philedone (H b.) M e y r.]; 3. Z e l o t h e r s e s L d.; 4. D i c h e l i a Gn. [Hastvla
Mi l l . , Epagoge (Hb.) Meyr . ] ; 5. C a p u a St ph. ; 6. 0 e n o p h t h i r a Dup. {Oenectra
Gn. , Sparganothis [H b .] Meyr . ) ; 7. Ca c o e c i a Hb. ; 8. P a n d e m i s Hb. ; 9. E u l i a
Hb. (Lophoderus Stph. ) ; 10. T o r t r i x (L.) Meyr . [Heterognomon Ld. ] ; l l . C n e p h a s i a
Cur t . (Sciaphila Tr.); 12. S p h a l e r o p t e r a Gn.; 13. D o l o p l o ca Hb. ; 14. C hei-
m a t o p h i l a Stph. ; 15. O x y p t e r o n Stgr . ; 16. E x a p a t e Hb. ; 17. A n i s o t a.e n i a
S t p h. (+ Isotrias Meyr. ) ; 18. L o z o p er a St ph. ; 19. C o n c h y l i s (Tr.) L d. [Phalonia
(Hb.) Meyr . ] ; 20. E u x a n t h i s (Hb.) Meyr . ; 21. P h t h e o c h r o a St ph. (Commophila
[H b.] Me y r.); 22. H y s t e r 0 s i a St p h . (Idiographis L d.); 23. C ar p o s i n a HS.;
24. E v e t r i a Hb. (Retinia Gn.); 25. Ol e t h r e u t e s H b . {Penthina Tr., Sericoris T r.;
Eucosma (Hb.) Meyr . ) ; 2 6. P o l y e h r o s i s Rag. (.Eudemis W c k., Chrosis [G n.] Me y r.);
27. L o b e s ia Gn.; 28. C y m o l o m i a L d .; 29. E x a r t e m a C ie m. {Eccopsis L d. [hon
Z.]); 30. A c r o c l i t a L d.; 31. C r o c i d o se ma Z.; 32. S t eg a n o p t y cha St ph. {Enar-
monia [Hb.] Meyr . ) ; 33. G y p s o n o m a Meyr . ; 34. A s t h e n i a (H b.) Meyr . ;
35 . S p h a e r o e c a M e y r.; 3 6. P e l a t e a G n.; 37. R h y a c i o n i a (Hb.) HS.; 38. B a c t r a
St ph. {Aphelia Cur t . [non Hb.]); 39. E p i b a c t r a Rag. ; 40. S e m a s i d (Stph. )
HS .; 41. N o t o c e l i a (H b.) Meyr . {Aspis T r.); 42. P y g o l o p h a L d .; 43. E p i b l em d
H b . {Paedisca Tr.); 44. K e n n e l i a Rbl . {Anomalopteryx Ke n n . nom. pr ä eoc c . ) ;
45. G r a p h o U t h a (Tr.) He i n . {Laspeyresia [Hb.] Meyr ) . ; 46. P a m m e n e H b.
{Phthoroblastis Ld.); 4'1. T m et o c e r a L d .; 48. C a r p o c a p s a Tr. ; 49. A n c y l i s Hb.
{Phoxopteryx Tr.); 50. R h o p o b o t a L d .; 51. D i c h r o r a m p h a Gn. {Hemimene [Hb.j
Meyr . ) ; 52. L i p o p t y cha L d.
Bei dieser systematischen Aufstellung folgt R e b e l im allgemeinen M e y r i c k (1895),
weicht jedoch in Einzelheiten bezüglich der Gattungsnamen und auch in Hinsicht der Umgrenzung
einiger Gattungen von diesem Autor ab. Die Unterschiede in den Bezeichnungen der Genera sind
in vorstehender Übersicht durch Hinzufügen der M e y r i c k’schen Nomenklatur bereits gekennzeichnet.
Was den zweiten Punkt betrifft, so zieht R e b e l die von M e y r i c k beibehaltenen
Gattungen Rhacodia und Acalla unter letzterem Namen zu einer zusammen, ebenso Isotrias
Meyr . und Anisotaenia (Stph. ) Meyr . zu Anisotaenia Stph. , die Gattungen Clysia (H b.)
Meyr . , Chlidonia (Hb.) M e y r. und Eupoecüia (S t p h.) Meyr . läßt er in der großen Gattung