
der Behaarung des Thorax oder gar in dem Vorhandensein oder Mangel metallglänzender Linien
erheben sich nicht über die früheren Einteilungsversuche, bei denen die Färbung und Zeichnung die
Hauptrolle spielte. Darauf macht denn auch schon H. vi H e i n e m a n n (Die Schmetterlinge
Deutschlands und der Schweiz; zweite Abteilung: Kleinschmetterlinge, Bd. I, Heft I die Wickler
1863) aufmerksam, obwohl sein Ein wand, daß manche Gruppen auf solche Merkmale gegründet
seien, ,,die nur bei dem männlichen Geschlechte sich finden, während die Weiber auf das genaueste
mit anderen Gattungen übereinstimmen“ nicht stichhaltig ist, denn dieses Trennungsmoment wird
auch sonst im Tierreich vielfach angewandt, ohne Widerspruch zu erfahren. Denn wie zur vollen
Diagnose einer Spezies die unterscheidenden Merkmale beider Geschlechter anderen Spezies gegenüber
gehören, so müssen auch bei der Trennung in Gattungen die Eigenschaften beider Geschlechter
berücksichtigt werden, und wenn bei einer Anzahl von Arten ungewöhnliche Eigenschaften beim
f oder beim $ anderen, sonst ähnlichen Arten gegenüber Vorkommen, so werden sie dadurch in
ganz natürlicher Weise zu einem engeren Verbände zusammengeschlossen. Dem Sammler, dem
zufällig nur Exemplare des anderen Geschlechts in die Hände gefallen sind, mag das unbequem sein,
da er dann keine sicheren Kennzeichen für die Gattungszugehörigkeit auf finden kann, an dem
wissenschaftlich trennenden Wert ändert das nichts.
H e i n e m a n n hat aus solchen von ihm in der Einleitung zu seiner 20. Familie Tortricina
angegebenen Gründen mehrere von L e d e r e r s Gattungen vereinigt, nämlich Rhacodia mit Teras,
Sphaleroptera und Doloploca mit Sciaphila, Phtheochroa mit Conchylis, und Penthina, Eccopsis,
Lobesia, Pelatea, Rhopobota, Tmetocera,Carpocapsa, Coptoloma und Strophosoma mit GraphoUtha. Es
ist ihm zweifelhaft, ob nicht auch noch Sciaphila, Exapate (die er nach dem Vorgang früherer Autoren
zu den Wicklern aufgenommen hat), Cheimatophüajmd Olindia mit Tortrix, Retinia und Dichrorampha
mit GraphoUtha zu verbinden wären. Übrigens hat er L e d e r e r s sonstige Gattungen
als Untergattungen mit einigen Veränderungen beibehalten, und ferner noch L e d e r e r s Gattung
GraphoUtha in weitere Untergattungen zerlegt.
So erhält er denn unter Weglassen der Gattungen Zdotherses Ld., Acrodita Ld. und Pygo-
lopha Ld., die für das Gebiet, das er bearbeitete, nicht in Betracht kamen, und unter Beifügung von
Exapate Hb., die Lederer nicht unter die Wickler aufgenommen hatte, 10 eigentliche Gattungen:
Teras Tr., Tortrix L., Sciaphila Tr., Cheimatophila Stph., Exapate Hb., Olindia Gn., Conchylis Tr.,
Retinia Gn., GraphoUtha Tr., Dichrorampha Gn.
Die 12 Gattungen, in welche Lederer die Gruppe Tortrix zerlegt, behält er als Untergattungen
bei, ja fügt noch Loxotaenia HS., Argyrotoxa Wd., und eine dritte, der er aber keinen Namen gibt (c)
hinzu. Zu Conchylis zieht er nicht nur Phtheochroa Stph., sondern fügt zu den beiden L e d e r e r -
schen Gattungen noch Argyrolepia Stph. als weitere Untergattung. In seiner Gattung GraphoUtha
Tr. aber vereinigt er Euchromia Stph.; Penthina Tr.; Sericoris Tr. mit den abermaligen Unterabteilungen
Sericoris und Aspis Tr.; Aphelia Stph.; Chrosis Gn.; Lohesia Gn.; Eccopsis Zell., wieder eingeteilt
in Eccopsis und Cymolomia Ld.; Pelatea Gn.; Paedisca Ld. eingeteilt in Cacachroa Ld. und Paedisca;
Semasia Hd.; GraphoUtha Hd.; Carpocapsa Tr.; Coptoloma Ld.; Strophosoma HS. (= Phthoroblastis
Ld.); Tmetocera Ld.; Steganoptycha HS.; Phoxopteryx Tr.; Rhopobota Ld. und Rhyacionia HS.
In diesem Vorgehen H e i n e m a n n s zeigen sich Widersprüche und Unsicherheiten in
der Auffassung des Begriffs der „Gattung“, ebenso auch bezüglich der Wertschätzung der unter-,
scheidenden Merkmale. Auch wenn man selbstverständlich nur die Verschiedenheiten in Betracht
zieht, die H e i n e m a n n kannte und selbst anführt, so ergibt sich, daß die unter der Gattung
GraphoUtha von ihm zusammengefaßten zahlreichen Untergattungen in vielen Fällen untereinander
größere Abweichungen besitzen, als die genannte Gattung etwa von Retinia', sogar wenn man von den
Merkmalen absehen wollte, die nur die Individuen männlichen Geschlechts in den einzelnen Gruppen
auszeichnen, so bleiben doch genug Modifikationen im Aderverlauf der Flügel übrig, die mindestens
ebenso gewichtig für die Trennung und ebenso auffallend sind, wie die zwischen Retinia und der
Gesamtgruppe GraphoUtha, oder zwischen Teras und der unter Tortrix vereinigten Masse von Untergattungen.
Mit demselben Recht, mit dem man Teras von Tortrix, Tortrix von Sciaphila als besondere
Gattungen trennt, muß man auch innerhalb der Gattung Tortrix und GraphoUtha mit ihren vielen
Untergattungen die Verschiedenheiten des Aderverlaufs und anderer kleiner Merkmale für gleichwertig
anerkennen, und ihnen den Wert von Gattungstrennungszeichen zulegen. Wenn man aber,
wie dies selbstverständlich ist, den speziell e i n e m Geschlecht zukommenden oft recht bedeutungsvollen
Auszeichnungen gleichfalls trennenden Wert beimißt, so wird man die meisten Untergattungen
als vollwertige Gattungen in die Reihe der von H e i n e m a n n angenommenen einreihen
müssen. Andererseits kann auch die eine oder andere ganz eliminiert werden wegen zu geringer oder
schwankender Unterscheidungsmerkmale, oder solcher, die keinen morphologischen Wert haben.
Die systematische Aufstellung Lederers ist demnach die bessere geblieben, und sie wurde
auch im allgemeinen von Wo c k e beibehalten im „K a t a l o g d e r L e p i d o p t e r e n d e s
E u r o p ä i s c h e n F a u n e n g e b i e t s v o n S t a u d i n g e r u n d Wo cke , 1871“, der
alle Gattungen Lederers, sowie eine Anzahl weiterer bei He i nemann als Untergattungen auf-
geführter Gruppen nebst einigen außerdeutschen als gleichberechtigte Gattungen annimmt. Nur
die Gattung Tortrix wird auch hier in 13 Untergattungen geteilt, ebenso GraphoUtha in vier Untergruppen,
Sciaphila in zwei, obwohl es sich auch da einerseits um ebenso gewichtige Unterschiede
handelt, wie sie sonst als Gattungsmerkmale benützt werden, andererseits wieder die Zerspaltung zu
weit getrieben ist unter Annahme sehr unbedeutender und schwankender Eigenschaften.
Die Einteilung des S t a u d i n g e r - W o c k eschen Katalogs wurde ziemlich allgemein
akzeptiert, auf dem Kontinent durchweg, während man in England teilweise eigene Wege ging,
noch andere Gattungen unterschied und besonders in der Namengebung der Gattungen auf Grundlage
älterer englischer Autoren vielfach abwich. Das aber war durch die kritische Bearbeitung der
alten Literatur, durch Untersuchung der älteren Abbildungen und Originalstücke, durch Vergleichung
hervorragender Sammlungen, unter denen die von S c h i f f e r m ü l l e r u n d D e n i s in Wien
eine große Rolle spielte, in mühsamer Arbeit vieler Autoren zuwege gebracht, daß Ordnung in die
ungeheuer verwirrte Nomenklatur der Spezies gebracht wurde. Denn sehr viele Arten gingen unter
ganz verschiedenen Namen, eine Menge Varietäten und Aberrationen waren als selbständige Arten
geführt worden, die Zahl der Arten war durch neue Entdeckungen gewaltig vermehrt. All dies
wurde nun in dem genannten Katalog in mustergültiger Weise zusammengestellt, entwirrt, durch
kurze, aber ausreichende Zitate der früheren Literatur begründet und für die einzelnen Spezies die
ältesten sicher nachweisbaren Namen, soweit sie identifiziert werden konnten, festgestellt.
Was nun hinsichtlich der Nomenklatur und Synonymie der Spezies ziemlich erreicht war, gilt
aber noch nicht für die Gattungen; denn deren Namen waren immer noch recht willkürlich unter der
Fülle der früher von verschiedenen Autoren gebrauchten ausgewählt worden, hauptsächlich durch
H e r r i c h - S e h ä f f e r , T r e i t s c h k e , -Zel ler , L e d e r e r in Deutschland, und teilweise
abweichend von den in England gebräuchlichen. Erst infolge der Bestrebungen, auch auf sie das
Prioritätsgesetz anzuwenden, wurden die Gattungen einer kritischen Sichtung unterworfen und