
I. Geschichtliches.
Im Jahre 1861 wurde in der „äußersten Thule“ der damaligen wissenschaftlichen Welt, in
Kasan m Rußland, eine Entdeckung gemacht, die unter den Zoologen nicht geringes Aufsehen erregte.
Der Professor Nicolas Wagner hatte ]|||ktenlarven gefunden, die sich im Larvenstadium fortpflanzen.
Sie entwickeln in ihrem Leibe- eine B.-ut von Tochterlarven, welche nach ihrem vollständigen Auswachsen
aus der Mutterlarve hervorkriechen. Die ausgesohlüpfien Tocliteriarven prollferieren dann
genau so w f# « e MutterlarvCft undjgffjlgten den ganzen Herhst, Winter, Frühling hindurch eine
Reihe pkoliferierender Larvengeneratio*ten aufeinander, bis im folgendenfommer die letzte Generation
y eh verpuppte und männliche und weibliche Imagines hervorbrachte. Wagner fand die Larven
in d |f Umgebung von Kasan unter der modernden Rinde von Baumstümpfen, namentlich der Linde,
Dime und Vogelbeere (Sorbiis).. 8io-1ibten dort in Kolonien von dem in Zersetzung befindlichen HB! ! ■ a,lSB^elllend an vielen Stellen gefunden und ein reichliches Material zur Verfügung
gehabt. Seine Angaben über die eigenartige Foitpflanzungsweise diese»; Lawen fanden anfangs
fast gar keinen Glauben. Im Oktober 1862 legte er seine Aibeffi|||) der Petersburger Akademie
vor. Ein erfahrener Mikroskopiker und Mitarbeiter Wagners Owsianniköw trat als Augenzeuge fiir
ihre wissenschaftliche Wahrhaftigkeit ein. Dennoch aber erfuhr Wagner zunächst nur Mißtrauen
und heftigen Widerspruch, besonders von seiten des Petersburger Professors Brandt. Auch K. von
Baer und Siebold verhielten sich anfangs skeptisch. Im Jahre 1863 war jedbcÜ Owsianniköw selbst
aus Kasan nach Petersburg gekommen. Er brachte einen Baumstumpf mit lebenden Larven mit,
und jetzt konnten sich die Petersburger Zoologen mit eigenen Augen von der Richtigkeit der
Wagner’sehen Beobachtung überzeugen. Daraufhin wurde die Arbeit; Wagners sogar mit einem
Preise ausgezeichnet.: Besonders K. von Baer (1) hat dann seine Autorität für die Anerkennung der
Wagner’schen Entdeckung eingesetzt. Für die eigenartige Fortpflanzungsweise der Larven hat
er den Namen Paedogenesis vor geschlagen.
Es dauerte nicht lange, so kam von anderer Seite die Bestätigung. Im Jahre 1864 erhielt
Meinert (53) in Kopenhagen von einem Herrn Studiosus Lund eine große Menge viviparer Insektenlarven,
die derselbe auf den Anhöhen von ffuuLsö bei Frederiksdal unter der Rinde eines Buchenstumpfes
gefunden hatte. Meinert hat darauf Selbst an demselben Fundorte Tmisonde solcher
Larven in der Rinde von Buchenstümpfen aufgefunden. Sie stimmten mit den von Wagner beschriebenen
Larven überein. Für die Imago hatte Wagner nur die Zugehörigkeit zu den Dipteren angegeben.
Meinert hat sie nun ebenfalls gezüchtet und genauer bestimmt. Br fand, daß sie in die Fainilie der
Cecidomyiden zu rechnen ist und eine neue Form darstellt, die er als Miastor metraloas benannt hat.
Zoologica. Heft 65.