
der jungen Embryonalstadien aber ist die genaue Orientierung und am besten auch die Isolierung
der Objekte dringend erforderlich. Ich griff deshalb nun zum Mittel der Präparation. Die Eier und
Embryonen mußten aus der Mutterlaxve herauspräpariert und für sich fixiert werden.
Die Präparation geschieht unter der binoeulären Lupe. Man bringt die Mutterlarven in
physiologische Kochsalzlösung, faßt sie mit feinen Präpariernadeln am vorderen und hinteren
Körperende und reißt sie mit einem Kuck auseinander. Dabei fallen die Embryonalstadien größtenteils
von selbst isoliert heraus, etwa zwischen den Organen der Larve zurückgebliebene Eier können
durch weiteres Zerzupfen befreit werden. Die herauspräparierten Objekte werden darauf mit einer
feinen Kapillarpipette angesaugt und in die bereitgestellte Fixierlösung eingebracbt.
Als Fixiermittel habe ich jetzt nur noch Flemming’sche Lösung und Formol-Alkohol-Essig-
säuxe verwendet, das letztere in folgender Zusammensetzung:
30 Teile Wasser,
15 Teile 96% Alkohol,
6 Teile Formol,
1 Teil Eisessig.
Die beiden Lösungen ergänzen sich in ausgezeichneter Weise, und ich habe damit ganz vorzügliche
Präparate erhalten. Für die späteren Embryonalstadien ist Flemming’sche Lösung nur
wenig geeignet, und es ist hier Formol-Aikohol-Essigsäure bei weitem vorzuziehen. Man erhält mit
diesem Fixiermittel sowohl sehr distinkte Kemfiguren, als auch sehr klare Übersichtsbilder, und
außerdem bleibt der Dotter hell und ungefärbt und läßt also die darinliegenden Bildungselemente
deutlich hervortreten. Für Flemming’sche Lösung genügt die Einwirkung von 24 Stunden, ein noch
längeres Fixieren läßt keine besonderen Nachteile, aber auch keine Vorteile erkennen, formol-
Alkohol-Essigsäure habe ich etwa 5 Stunden einwirken lassen. Das Überführen der Objekte habe
icli mir auf folgende Art erleichtert. Ich verwendete kleine Tuben von etwa 5 cm Länge und 1 cm
Dicke, diese füllte ich etwa zur Hälfte mit der Fixierlösung und spritzte die m die Kapillarpipette
gesaugten Eier und Embryonen hinein. Man kann so in einem Tubus sehr viele der kleinen Objekte
fixieren. Die Verdünnung der Fixierlösung, welche durch das wiederholte Hinzubringen der physiologischen
Lösung herbeigefühlt wird, kann durch Absaugen und abermaliges Zugießen der ursprünglichen
Lösung ausgeglichen werden. Der Tubus wird zuletzt bis obenan gefüllt und mit-feiner Gaze
abgebunden und darauf in einen großen Tubus gestellt, worin nun die ganze Überführung geschieht.
Man gießt einfach die verschiedenen Alkohole in den großen Tubus, aus dem sie durch die Gaze in den
übertreten. Die Diflusion geschieht dabei sehr allmählich, was wieder für die Konservierung
von großem Vorteil ist. Da das Volumen des kleinen Tubus nur gering ist, wird keine beträchtliche
Verdünnung der zugegossenen Alkohole bewirkt. Beim Wässern der mit Flemming’scher Lösung
fixierten Objekte muß man den kleinen, abgebundenen Tubus horizontal legen, damit das ganze
Fixiermittel entfernt wird. Ich habe das Wässern auf 24 Stunden ausgedehnt.
Beim absoluten Alkohol angelaugt, wurden die Objekte aus dem kleinen Tubus in die bekannten
ausgehöhlten Glaswürfel umgeschüttet. Da sie meist an den Wänden des Tubus klebten, mußten sie
erst mit einem weichen Pinsel gelockert werden. Ich habe sie dabei selten verletzt. In dem Glaswürfel
kann man unter der binoeulären Lupe den Alkohol noch einmal absaugen und frischen absoluten
Alkohol zugießen. Darauf erfolgt die Überführung in Nelkenöl. Ich habe sie ebenfalls ganz allmählich
ausgeführt, indem ich zunächst eine Mischung von halb Nelkenöl und halb absolutem Alkohol tropfenweise
zufügte und oben die Flüssigkeit im Glaswürfel immer in kleinen Mengen absaugte. Lagen dann
die Objekte in der erwähntenMischung, so wurde absolutes Nelkenöl ebenfalls tropfenweise zugesetzt,
bis zuletzt die Konzentration des absoluten Nelkenöls im Glaswürfel annähernd erreicht war. Die
Höhlung des Glaswürfels wird von Anfang an durch eine mit Nelkenöl bestrichene Glastafel luftdicht
abgeschlossen. Aus dem absoluten Nelkenöl erfolgt die Überführung in eine Mischung, die zu gleichen
Teilen aus Nelkenöl und in Äther gelöstem Collodium gebildet wird. Auch hiervon habe ich erst
geringe Mengen zugegeben, da ziemlich starke Diffusionsströmungen eintraten. Fünf bis zehn der
kleinen Objekte werden darauf in einem Tropfen von Nelkenöl-Collodium auf kleine Glastafeln
gebracht, auf denen sie in gewünschter Weise orientiert werden können. Dies geschieht natürlich
auch unter der binoeulären Lupe, da-ja gerade die jungen Stadien, auf die es mir besonders ankam,
nur eine Größe von 0,1 bis 0,2 mm besitzen. Es folgt weiter die Behandlung mit Xylol (12 Stunden)
und die Einbettung der Objekte mit ihren Glastäfelchen in Paraffin, zuletzt die Loslösung der Glastafeln
durch Einlegen in Wasser.
Die hier geschilderte Methode war zwar sehr mühsam, lohnte aber später umso besser. Die
Verwendung von Nelkenöl erwies sich als ein vorzügliches Konservierungsmittel, das durch seine
aufhellende Wirkung die Klarheit der Bilder bedeutend erhöhte, während Benzol für dieses Objekt
recht wenig geeignet erschien. Zur Färbung der Schnittpräparate habe ich Karmin- und Anilinfarben
verwendet. Ehrlich’sches Hämatoxylin gibt gute Übersichtsbilder. Die besten Erfahrungen
habe ich jedoch mit der Heidenhain’schen Färbemethode gemacht. Ich ließ die Beize nur 1 Stunde
und die Farbe x/ 2 bis 3/ 4 Stunden einwirken. Trotz dieser kurzen Zeit waren die Präparate überfärbt
und mußten ziemlich kräftig differenziert werden. Ein längeres Färben erwies sich als ungeeignet.
Nach dem Differenzieren, auf welches ich besondere Sorgfalt verwendete, habe ich 3—4 Stunden
gewässert, also relativ lange, wodurch aber der Klarheit der Bilder sehr gedient wurde.
Für Totopräparate zeigte sich Färben mit Säurekarmin als am besten geeignet. Sie wurden
später ebenfalls in Nelkenöl aufgehellt und aus diesem in Kanadabalsam gebracht. Bequemer noch
ist es, die Totopräparate aus absolutem Alkohol direkt in Glyzerin zu überführen und darin aufzustellen.
Nachdem ich schon lange das Herauspräparieren der Embryonalstadien geübt batte, fand ich
auch noch ein Fixiermittel für die unverletzten Larven, nämlich das Aceton. Die Larven werden
darin fast augenblicklich getötet und liefern sehr brauchbare Präparate, die mir für manche Verhältnisse
sehr wertvoll waren. Ich habe dieses Fixiermittel 2—3 Stunden einwirken lassen und darauf
direkt in 50 %igen Alkohol übergeführt.
Schätzungsweise habe ich etwa 5000 Stadien in Schnitte von 5 ¡x und 10 |x Dicke zerlegt und damit
eine fast geschlossene Folge der Embryonalstadien erhalten.
Die folgende Entwicklungsgeschichte beschäftigt sich ausschließlich mit Miastor metraloas,
da ich nur die Larven dieser Form in ausreichender Menge zur Verfügung hatte.