
Die Arten kommen mehr im Süden und mittleren Teil von Europa vor, nur eine geht weiter
nach Norden. Die Falter sitzen mit dachförmig gestellten Flügeln; über die Raupen ist noch wenig
Sicheres bekannt.
1. Anisotaenia ulmana Hb. f. 278 rf; Dup. IX tab. 252 f. 3, tab. 264 f. 5, p. 324, 539; HS.
IV p. 224; He i n . p. 67; M e y r. p. 556; areolana Hb. f. 279 $; Du p . IX tab. 264 f. 6; fasciana
W a 11 g r. Tidskr. 1888 p. 194.
Vorderflügel ziemlich breit, saumwärts verbreitert, Saum ziemlich steil, gestreckt, Tornus
stumpfwinkelig, deutlich, Costa ganz leicht gebogen in ihrer ganzen Länge. <$ kleiner als das $.
Spannweite 12—16 mm. T a f . XI F i g . 24 (<J), 25 ($).
Die Vorderflügel sind im allgemeinen dunkelbraun, mit einer beim <$ schmalen, beim $ breiten
weißen Querbinde. Der distale Rand der letzteren liegt in beiden Geschlechtern an gleicher Stelle;
er zieht von der Costa, etwas vor deren Mitte beginnend, schräge in der Richtung gegen den Tornus,
springt aber auf der hinteren Mittelader saumwärts ein und zieht von da aus fast senkrecht ins Dorsum
hinter dessen Mitte. Beim $ nun ist das braune, schwärzlich quer gewellte Basalfeld so groß, daß die
weiße Binde sehr schmal wird, ja sie kann sogar durch dunkle Bestäubung in der Mitte in einen weißen
Costal- und einen solchen Dorsalfleck geteilt sein. Beim $ ist das Basalfeld viel kürzer, sein Rand
zieht von der Costa senkrecht zur Falte, tritt daselbst um eine Querwelle saumwärts vor und zieht dann
ins Dorsum. Hier können in der weißen Binde dann einige bräunliche Strichei stehen. Der ganze
Saumteil des Flügels ist goldbraun, mit schwarzen Querwellen, Fleckchen, Costalhäkchen, dazwischen
blaugraue, leicht metallisch glänzende Mischung und weißen Stellen zwischen den schwarzen Häkchen
an der Costa vor der Spitze, öfters, besonders beim $, zieht eine weißgraue Schräglinie von a/ 3 der
Costa geschwungen zum Tomus wodurch eine auf das weiße Band folgende dunkle Schrägbinde
vom Spitzenfeld abgetrennt wird. In letzterem ist in der Regel ein schwarzbrauner Praeapikalfleck
deutlicher ausgeprägt, der entweder birnförmig gerundet ist, oder sich spitz gegen die Mitte des Saumes
auszieht. Der Saum selbst ist meist heller goldgelb, braun gescheckt durch die Aderenden. Die Fransen
sind goldbraun bis gelblich, am Tomus grauer. Die Hinterflügel sind dunkelbraun bis schwarzbraun,
ihre Fransen weißlichgrau bis gelblichgrau, mit dunkelbrauner Teilungslinie. Kopf und Thorax sind
dunkelbraun, letzterer mit gelblicher Mischung, das Abdomen ist braungrau.
Die Raupe ist weißlich, ihr Kopf ockergelb, hinten fein schwärzlich gesäumt, Nackenschild
und Wärzchen sind schwarz. Sie lebt im Mai und Juni an Aquilegia vulgaris, Ranunculus ficaria,
Chrysoplenium, Mercurialis, Galeobdolon luteum, Vaccinium; die Flugzeit des Falters fällt in die
zweite Hälfte des Juni und den Juli. Er kommt meist lokal vor und nicht gerade häufig.
Hab. Mitteleuropa (mit Ausnahme von Holland), Nord- und Mittelitalien; Schweden, Livland.
2. Anisotaenia hybridana Hb. f. 238; F ro e l. Enn. Tort. No. 133; Tr. X, 3 p. 85; Gn. Ind.
p. 32; HS. IV p. 198; f. 132, 133; He i n . p. 67; fingalana Mi l l . Rev. Ent. 1884 p. 3.
V a r . p e d e m o n t a n a S t g r . Berl. ent. Zeit. 1870 p. 275.
Vorderflügel relativ schmäler, als bei der vorigen, saumwärts nicht verbreitert, Tomus flacher,
Saum dadurch kürzer, Apex runder; die Form der Flügel wird durch den runden Apex, den flachen
Tornus und das an der Basis gebogene Dorsum beinahe eiförmig. Spannweite 13—16 mm. T a f. XI
F i g . 26, 27.
Die Grundfarbe der Vorderflügel ist eigentlich rein weiß; im Saumfeld findet sich jedoch eine
mehr oder weniger dichte, braungraue Bestäubung, so daß die weiße Färbung nur zwischen Wurzelfeld
und dunkler Querbinde als breites, senkrechtes Band übrig bleibt. Auch dieses ist bei der Var. pedemontana
braüngrau gedeckt, wodurch sich dann die dunklen Zeichnungen weniger scharf abheben,
mitunter bei stark dunklem Grund fast verschwinden. Dunkel rostbraun bis graubraun sind: ein
nicht großes Wurzelfeld, dessen Grenzlinie fast senkrecht steht, und bald beinahe gerade, bald stumpfwinkelig
geknickt, oder auch mehrfach wellenförmig geschwungen ist; eine breite Querbinde von 1/ 2
der Costa zum Dorsum ziehend, entweder gleichmäßig breit oder dorsalwärts verbreitert dadurch,
daß es an seiner distalen Seite noch einen schmäleren Ast zum Tornus schickt, der dort einen viereckigen
Fleck bildet; ein Praeapikalfleck, der spitz zum Saum über dem Tornus angezogen ist. In dem weißen
Querband stehen an der Costa und am Dorsum einige feine braune Strichei, die mitunter durch eine
feine Teilungslinie des Bandes miteinander verbunden sind. Auch zwischen dem dunklen Querband
und dem Praeapikalfleck stehen einige, öfters zu einer feinen Querlinie vereinigte Häkchen, die
sich bis zum Tornus erstrecken kann. Die Saumlinie ist fein braun. Die Fransen sind weißlich,
distalwärts zart bräunlich, mitunter mit feiner Teilungslinie. Die Hinterflügel sind heller bräunlich
oder bräunlichgrau, mit heller grauen Fransen, die eine etwas dunklere Teilungslinie haben. Kopf
und Thorax haben die Farbe der Vorderflügelbasis, auch noch mit dunklerer Mischung, das Abdomen
ist grau.
Die Raupe wird angegeben als an Crataegus, Acer, Quercus lebend; H a r t m a n n findet
den Falter aber häufig um Fichten und Kiefern, wo kein Laubholz ist. Möglicherweise lebt sie, wie
vorige, an Kräutern und niederen Pflanzen. Der Falter fliegt im Mai und Juni, dann im August und
September, also in zwei Generationen, wie es scheint.
Hab. Südeuropa und südlicher Teü von Mitteleuropa, Bithynien; die Var. pedemontana in
Piemont und Kaukasus.
3. Anisotaenia rectifasciana Hw. Lep. Brit. 1803 p. 465 No. 225; W o o d f. 1004; Rag. Ann.
Soc. Ent. France 1894 p. 186; albulana Tr. X, 3 p. 85; HS. IV p. 197; f. 190, 191; He i n . p. 66;
S n e 11. II, 2 p. 230; hybridana W i 1 k. 249; M e y r. p. 542; modestana Du p . IX tab. 256 f. 6.
Var . c a s t i l i a n a Ra g . Ann. Soc. Ent. France 1894 p. 187.
V&T. c u e n c a n a Ke n n . Iris XII, 1899, p. 13, tab. 1 f. 11.
Vorderflügel saumwärts etwas verbreitert, beim $ weniger stark als beim <?, Costa schwach
gebogen bis fast gerade, Saum verschieden schräg, mitunter leicht geschwungen, meist gerade, Tomus
deutlich. Am Genitalapparat des <$ ist der Uncus schwächer
gebogen, als bei ulmana. gegen sein Ende verschmälert und nicht
zweispaltig; die Analfortsätze sind sehr schwache und lange
Läppchen, das Scaphium ist stark entwickelt, unten quer abgestutzt
und stumpf, die Valven sind sehr breit. (Vergl. Textfigur
24.) Spannweite 14—17 mm. Taf . XI F i g. 28 (St amm-
f o r m), 29 (var. c u e n c a n a).
Bei der Stammform sind die Vorderflügel weiß, mit ganz
schwach gelblichem Anhauch, mit reichlichen zarten, etwas V e r - Fig. 24. Anisotaenia rectifasciana.
schwommenen bräunlichen Querwellen, die aus feinen Costal- MäaaUcher Kopulationsapparat von der linken ^ ’ Seite gesehen; linke Valva abgeschnitten.
stricheln entspringen; die Zeichnungen rostgelb bis rostbraun,
von schwärzlichen Wellenlinien gesäumt und durchzogen und mit ebensolchen Fleckchen durchsetzt:
Das Wurzelfeld ist klein, ziemlich quer abgestutzt, oder von der Mitte bis zum Dorsum
etwas breiter; die Querbinde ist schmäler, als das vorhergehende helle Band der Grundfarbe,
zieht, leicht saumwärts ausgebogen und oft mit einem oder zwei distal gerichteten Vorsprüngen