
Im allgemeinen sind die mehr frei lebenden Raupen schlank walzenförmig, die in Blüten,
Früchten und Fruchtkapseln lebenden an beiden Enden etwas verdünnt, dadurch spindelförmig,
die in Stengeln und Wurzeln bohrenden öfters ungewöhnlich lang und dünn. Alle sind sechzehnfüßig,
d. h. sie besitzen drei Paar kurze Brustfüße mit spitzer Kralle, vier Paar Bauchfüße und ein Paar
Nachschieber. Bauchfüße und Nachschieber sind „Kranzfüße“, d. h. sie tragen im Umkreis eines
weichen Sohlenpolsters einen geschlossenen Kranz kleiner Häkchen, der bei Streckung des Fußes
hervortritt, beim Loslösen eingezogen werden kann. Das 4. und 5., ebenso das 10. und 11. Körpersegment
sind fußlos. Die Stigmata (Atemöffnungen) liegen ziemlich genau an den Seiten des Körpers,
sie fehlen dem 2. und 3. Segment und dem letzten (12.). Das letzte Segment trägt Oberseite die Analklappe,
die bisweilen chitinig verstärkt und durch besondere Färbung ausgezeichnet is^ij^
Der Kopf ist klein, besonders gegen das Ende der einzelnen Wachstumsperioden, von oben
gesehen rundlich, mitunter am Hinterrand ein wenig eingekerbt, flach zusammengedrückt, die Mundteile
sind nach vom und unten gerichtet. Die,Chitinhülle des Kopfes ist recht
hart, häufig schwarz oder schwarzbraun gefärbt, vielfach aber auch hellbraun,
honiggelb oder seltener von Körperfärbung; oft kommt äji vor, daß die junge
Raupe einen dunklen, die ältere einen hellen Kopf hat. An jeder Seite des Kopfes
findet sich eine kleine Gruppe von Ocellen. Vielfach kann der Kopf teilweise in
das erste Rumpf segment zurückgezogen werden. Letzteres ist auf der Dorsalseite
gewöhnlich mit einer halbmondförmigen verstärkten Chitinplatte versehen, als
„Nackenschild“ oder „Halsschild“ bezeichnet, die sattelartig den Mittelteil deckt;
sie ist oft von dunklerer Färbung, als die übrige Haut, und dann in der Regel
durch eine feinere oder breitere helle Längslinie in zwei Hälften geteilt. An jeder
Seite trägt dieses Segment noch ein Wärzchen, und tiefer unten, über dem Beinansatz
noch je zwei kleinere (vergl. Textabbildung Fig. 4).
Solche Wärzchen finden sich auch in weitester Verbreitung und in ganz
charakteristischer Anordnung auf allen anderen Segmenten, und man kann auf j edem
9 von Argyroploce
pruniana.
1- it. Seitenansicht.
Segment, abgesehen vom letzten 4. Rückenwärzchen, jederzeit zwei Seitenwärzchen und ein Beinwärzchen
unterscheiden. Auf dem zweiten und dritten Segment stehen die Rückenwärzchen in einer schwach
gebogenen Querreihe, die Seitenwärzchen in gleicher Höhe vor einander, die Beinwärzchen oberhalb des
Beinansatzes. Auf den übrigen Segmenten stehen die Rückenwärzchen wie die vier Ecken eines Trapezes,
die beiden vorderen näher beisammen, als die beiden hinteren, die Seitenwärzchen über einander, das
eine unmittelbar über dem Stigma, das andere kleinere etwas weiter entfernt unter dem Stigma, die
Beinwärzchen wie vorher angegeben, in den beinlosen Segmenten an gleicher Stelle. Das letzte Segment
zeigt nahe an seinem Vorderrand eine Querreihe von vier Wärzchen. Jedes Wärzchen trägt ein
steifes, meist ziemlich langes Härchen, seltener mehrere kleinere. Bald sind die Wärzchen recht groß
und deutlich sichtbar, bald kleiner, mitunter so winzig, daß sie erst bei starker Lupenvergrößerung
sichtbar sind, sie fehlen aber wohl nie ganz. Sie sind entweder dunkelbraun oder tief schwarz, oder auch
von Körperfarbe, bei lebhafter- oder dunkelfarbigen Raupen auch heller als die Umgebung, sogar
ganz weiß. Die Härchen können die Farbe der Wärzchen haben, zuweilen sind sie aber auch auf dunkeln
Wärzchen hell, auf hellen dunkel.
Die allgemeine Färbung des Körpers kann wechseln zwischen völliger Farblosigkeit durch
gelblich, gelblichgrün bis zum dunkelsten Schwarzgrün und ist nur im letzteren Falle durch Pigment
der Haut beeinflußt, sonst hängt sie hauptsächlich ab von der Färbung der Leibesflüssigkeit und dem
Inhalt des Darmes. Es gibt aber auch schwärzliche, tiefschwarze, dunkelgraue, braune Färbung, von
tiefem leberbraun bis hell gelbbraun, ferner rötliche bis zinnober-, karmin- und braunrote Arten. Die von
Blättern lebenden Arten schwanken in der Regel zwischen gelblich und den verschiedenen Abstufungen
von grün, rotbraun bis schwärz; die in Blüten, Früchten und Fruchtkapseln vorkommenden zwischen
gelblich, dunkelgelb und den Nuancen von Rot, die in Pflanzen und Wurzeln bohrenden sind meist
weißlich, gelblich bis schmutzigbraun, doch gibt es auch Ausnahmen von diesen Allgemeinregeln.
Selten sind besondere Zeichnungen vorhanden, die als einige vom Grund mehr oder weniger deutlich
abstechende, oft verwaschene Längsstreifen auftreten, ein Dorsal-, zwei Subdorsal und zwei Seitenstreifen.
Die intersegmentalen Einschnitte und die Bauchseite sind bei pigmentierten Arten in der
Regel heller bis farblos. Bei den unpigmentierten Formen scheint gewöhnlich das Rückengefäß als
etwas dunklerer Längsstreifen durch die Haut, und im 8. Segment die Anlagen der Geschlechtsorgane
als zwei helle, gelbliche oder weißliche Flecke. Bei manchen Arten variiert die Färbung der Raupen
in weiten Grenzen, mitunter von farblos bis schwarz durch die Abstufungen von gelblich und grau,
oder durch gelblich, grün, braun hindurch; in einigen Fällen wird die bisher gelbliche oder weißliche
Raupe vor der Verpuppung tief rot.
Viele der zwischen Blättern lebenden Raupen verpuppen sich an Ort und Stelle, ohne einen
besonderen Kokon zu spinnen, andere wählen ein frisches Blatt, unter dessen umgebogenem Rand
sie sich verwandeln, noch andere lassen sich an einem Faden herab und
verpuppen sich an oder in der Erde, in Ritzen von Rinde, an altem Holz
oder in diesem, meist in einem lockeren oder dichten Gespinst, das mitunter
mit Fremdkörperchen bedeckt wird. Die in Blütenköpfen, Früchten
und Fruchtkapseln lebenden verlassen meistens ihre Wohnung und verpuppen
sich am oder im Boden oder in Rindenspalten, die in Zweigen,
Stengeln, Holz und Wurzeln lebenden nagen sich gewöhnlich nur bis zur
Oberfläche durch, wo sie ein dünnes Häutchen unversehrt lassen, oder
sie nagen eine Öffnung, die sie mit Bohrmehl und Seidenfäden schließen,
und verwandeln sich dahinter in die Puppe. Meist schiebt sich diese vor
dem Ausschlüpfen des Falters ein Stück weit aus dem Puppenlager heraus.
Die Puppen bieten wenig Besonderheiten; sie sind mehr oder
minder kegelförmig, das Hinterende zugespitzt oder abgerundet, im
ersteren Falle oft mit feinen Häkchen am Ende zum Festhalten an den Gespinstfäden und dann ziemlich
glatt, im anderen Falle, besonders bei den in Pflanzenteilen eingebetteten, auf der Rückenhälfte der Ab-
dominalsegmente mit Querreihen scharfer Dornen besetzt, auf der Ventralseite mit zerstreuteren Dorn-
wärzchen, die beim Herausdrängen aus dem Puppenlager zum Anstemmen an die Wände dienen. Die
Färbung der Puppen schwankt zwischen blaßgelb, gelbbraun, dunkelbraun bis schwarz; bisweilen sind
die Flügelscheiden lange Zeit hindurch heller, durchscheinend oder grünlich. (Vide Fig. 5 im Text).
Biologisches.
Die Mehrzahl der Wickler gehört zu den Dämmerungstieren, die erst kurz vor und nach Sonnenuntergang
fliegen; manche aber werden viel früher beweglich und besonders solche, die ihre Eier an
oder in Blüten ablegen, fliegen am hellen Tage und im Sonnenschein. Exapate vollzieht die Begattung
stets um die Mittagszeit und nur, wenn die Sonne scheint; dann umschwärmen die a*a* lebhaft die