
VI. Gattung: Carposina HS.
Thorax ohne Schopf, Vorderflügel in der Äderung normal; auf den Hinterflügeln fehlen zwei
Adern, indem sowohl die Adern II und I I I1} als auch III3 und IVX in ganzer Länge zusammenfallen.
Für die Vorderflügel ist allenfalls bemerkenswert, daß Ader IV2 mit ihrem Ursprung so weit saum-
wärts gerückt ist, daß sie beinahe aus der dorsalen Ecke der Mittelzelle kommt. (Taf. I, Fig. 63.)
Ebenso ist Ader I I 2 auch sehr weit saumwärts gerückt und entspringt dicht vor I I3. Dadurch ergibt
sich ein ganz eigenartiges Bild des Aderverlaufs: fast alle Adern kommen aus dem Ende der Mittelzelle
in zwei Gruppen, die durch einen breiteren Zwischenraum getrennt sind; die Adern I I2 bis I I I x aus
der costalen, I II2 bis IV2 aus der dorsalen Ecke. Die Palpen sind lang, vorgestreckt, überragen den
Kopf um dessen doppelte Länge. Die Gattung enthält nur wenige Arten, die mehr auf die südlichen
Teile des Gebietes beschränkt sind und auch hier nur stellenweise vorzukommen scheinen. Die
Raupen leben in fleischigen Früchten, die sie später verlassen, um sich an der Erde oder in Schlupfwinkeln
zu verpuppen.
1. Carposina scirrhosella HS. V. p. 142; Tin. f. 615; Hein. Tin. p. 353.
Vorderflügel gleichmäßig breit, Costa an der Wurzel stärker gebogen, später fast gerade,
Spitze stark gerundet, Saum schräg, gebogen. Hinterflügel spitz, Saum flach gebogen, gegen den
Apex hin schräg. Spannweite 15—16 mm. T a f . XV, Fi g . 39 $.
Kopf mit den Palpen und der Thorax sind schwarzgrau, die Schulterdecken ockergelblich;
die Vorderflügel sind braungelblich (ledergelb), von der Mitte bis zum Saum etwas grauer gelb. Die
Wurzel ist in geringem Umfang scharf abgeschnitten dunkel kastanienbraun, doch reicht diese
Färbung nicht ganz bis ans Dorsum. Vor der Mitte der Costa beginnt eine schwarzgraue Linie, basal -
wärts breit und verwaschen grau angelegt, die zuerst schräg saumwärts, dann der Radialis entlang
bis zur Querader, an dieser hin dorsalwärts zieht, um nach einem wurzelwärts konvexen Bogen
in den Tornus auszulaufen; vor ihr steht noch ein kleines Costalhäkchen; an der Querader und an dem
Bogen über dem Dorsum steht je ein schwarzes Schuppenbüschel, ein kleineres, mehr braunes findet
sich vor der Schrägbinde in der Falte und ein ganz kleines bei V* der Flügellänge über Ader a.
Hinter der Mitte der Costa stehen etwa drei schwärzliche Costalhäkchen und an allen Aderenden
an Apex und Saum schwarze Pünktchen; im übrigen ist das Saumfeld von zwei grauen Schatten
verdunkelt, von denen einer breit an der Costa beginnend sich hinter der Knickungslinie dorsalwärts
zieht, der zweite als dunklerer Streifen etwas vor der Spitze beginnt und ganz gerade zum Tornus
läuft. Die Fransen sind an ihrer Basis und nach außen grau, dazwischen fein heller. Die Hinterflügel
sind blaß bräunlichgrau, gegen die Spitze hin dunkler, ihre Fransen wenig heller, mit sehr breiter,
dunklerer Teilungslinie. Das Abdomen ist bräunlichgrau.
Die Raupe ist orangerötlich, Kopf und Nackenschild sind braun; sie lebt von August bis Oktober
in den Früchten von Rosen, wo sie sich durch heraushängenden roten Kot verrät. Der Falter fliegt
im Juni und Juli.
Hab. Süddeutschland, Wien, Ungarn, Mähren, Galizien; Kleinasien (Bithynien).
2. Carposina berberidella HS. V. p. 142; Tin. f. 614; Hein. Tin. p. 353..
Vorderflügel saumwärts deutlich verbreitert, an der Wurzel wegen des schwach gebogenen
Dorsum schmal; Costa gleichmäßig gebogen, Apex ziemlich spitz gerundet, Saum schräg, kaum
gebogen; Hinterflügel schmal, spitz, Saum flach gerundet. (In der Abbildung ist der Apex der Hinterflügel
zu rund.) Palpen kürzer und dünner. Spannweite bis 16 mm. Taf . XV, F i g . 40 $.
Kopf und Thorax sind bräunlichgrau; die Vorderflügel etwas dunkler braungrau, ein kleines
Wurzelfeld, ein unbestimmter breiter Querschatten hinter der Mitte und ein dem Saume paralleler
verwaschener Schrägstreifen im Saumfeld sind dunkler braun. Das kleine Wurzelfeld ist durch eine
Bogenlinie aus schwarzen aufgeworfenen Schuppen, die das Dorsum nicht erreicht, abgeschnitten;
dahinter stehen übereinander zwei kleine schwarzbraune Wärzchen und ein größeres in der Hälfte
der Flügellänge in der Falte; bei lh der Costa steht ein schwarzbraunes Schrägstrichel, ein längeres,
das bis zur Querader reicht, in der Mitte der Costa. Von der Querader aus zieht eine Reihe von
schwarzen Schuppenwärzchen ganz senkrecht zum Dorsum vor den Tornus; in der zweiten Hälfte
der Costa stehen noch zwei bis drei Schrägstrichel und am Saume feine schwarze Punkte, fast zu einer
Linie verschmolzen. Die Fransen sind in ihrer basalen Hälfte bräunlich, dann fein heller und nach
außen wieder dunkler. Die Hinterflügel sind bräunlichgrau, ihre Fransen etwas blässer mit schwacher
dunkleren Teilungslinie. Das Abdomen ist graubräunlich.
Die Raupe lebt im August und September in reifen Früchten von Berberis; der Falter fliegt
im Juni und Juli.
Hab. Süddeutschland, Südtirol, Steyermark, Kärnten, Dalmatien, Galizien, Syrien.
3. Carposina atlanticella Rbl. Ann. Naturhist. Hofmus. Wien. IX 1894 p. 92.
Von dieser, mir nicht in natura bekannt gewordenen Art gibt R e b e'l folgende Beschreibung:
„Etwas größer“ (?), „entschieden schmalflügeliger und schmächtiger als die dunkler gefärbte
berberidella. Kopf weißgrau (bei dem einen stärker geflogenen Exemplar fast reinweiß), das oben
schneidig beschuppte Mittelglied der Palpen schlanker als bei berberidella und dadurch auch etwas
länger aussehend. Das deutlich hervortretende kurze Endglied an der Spitze verdunkelt. Der lange
Säugrüssel bräunlich, die staubgrauen Fühler fein dunkel geringt. Die Beine stimmen, mit berberidella.
Der hellgraue schlanke Hinterleib zeigt bei beiden Exemplaren eine kurz hervorstehende Legeröhre.
Die schmalen Vorderflügel mit weniger gebogenem Vorderrande als bei berberidella, zeigen
über 7 mm Länge und fast 15 mm Exp. Ihre Grundfarbe ist weißgrau (bei berberidella aschgrau),
die Anlage der erhabenen Zeichnungen fast gleich; die rostbräünliche Färbung ist jedoch hier auf
die Umrandung der in der Flügelmitte befindlichen dunklen (nicht zu einer Binde vereinten) Schuppen-
diöcker eingeschränkt. Die dunklen Saumpunkte der berberidella fehlen, die weißgrauen Fransen
sind nur teilweise erhalten. Die Hinterflügel, viel gestreckter und heller als bei berberidella, mit
stumpferer Spitze, sind wie die Fransen einfärbig weißgrau. Ebenso gefärbt ist die bei berberidella
viel bräunlicher erscheinende Unterseite aller Flügel.“
Hab. Madeira (im Mai).