
Allgemeinen können übrigens alle diese Gestalten je nach den Contractionszuständen in gewissen
Grenzen schwanken.
V o r h o f . Wo ein solcher P h a ry n x vorhanden ist, da finden w ir ihn nun niemals dicht
an den Mundsaugnapf sich anschliessend, sondern s t e t s - und a u s n a h m s l o s eine gewisse Strecke
h i n t e r diesem. Es bleibt dann zwischen ihm und dem Mundsaugnapf ein Theil des Oesophagus
unverändert bestehen, den man mit dem Namen des Vorhofes oder P r ä p h a r y n x bezeichnet
ha t. Ein solcher Vorhof is t meinen Erfahrungen nach überall da, wo ein P h a ry n x vorhanden
ist, , g l e i c h f a l l s zu treffen, bietet sich aber dem Beschauer in re c h t verschiedenen Gestaltungen
dar. E s w a r zu erst Leuckart, welcher den Vorhof selbst bei Bist, hepaticum '), und zugleich seine
W ichtigkeit und Bedeutung fü r den Process der Nahrungsaufnahme erkannte. Bei dem grossen
Bistmium hepaticum, mit seinem reich entwickelten Darmsysteme und mit dem im Verhältniss zu
demselben re c h t kleinen Mundsaugnapfe is t es auch leicht genug verständlich, dass dem letzteren
in dem kräftigen P h a ry n x ein Hülfsapparat fü r die Zwecke der Nahrungsaufnahme beigegeben
wurde, dem eine wesentliche Bolle in dem ganzen Processe zufällt. Halten w ir aber unsere
kleineren und ganz kleinen Distomenformen, bei denen der P h a ry n x oft nich t mehr als die Hälfte
von dem Durchmesser des Mundsaugnapfés misst, dagegen, dann dürfte sich ohne weiteres die
Vermuthung aufdrängen, dass bei diesen der kleine P h a ry n x bei- weitem weniger an jenem Geschäfte
sich betheiligen wird, dass h ie r vielmehr zunächst und vorzugsweise der Mundsaugnapf
es ist, welcher die Nahrungsaufnahme besorgt. Dem is t in der T h a t so : je kleiner und schwächlicher
der P h a ry n x , desto ausschliesslicher übernimmt d e r Mundsaugnapf die Herbeischaffung der
Nahrung, und es is t u n te r solchen Umständen kaum wunderbar, wenn w ir bei einigen Formen
den P h a ry n x schliesslich ganz schwinden und den Mundsaugnapf allein ü b rig bleiben sehen.
Solche Verhältnisse kennen w ir ausser von Bist, reüculatum m. (— ? Clinostomum gracile Leidy)
u nd den Amphistomen, wie schon oben erwähnt, nunmehr auch von 'Bist, folium und cygnoides.
Bei ihnen is t demnach der Mundsaugnapf bei der Nahrungsaufnahme g a n z a u f s i c h a l l e i n
angewiesen; wie die le tz tere h ie r vor sich geht, lä ss t sich freilich nicht so leicht beobachten,
da durch den bei der Beobachtung unvermeidlichen Druck Wohlbefinden und damit die F resslu
s t der Thiere immer b e einträchtigt werden. Wiederholt und sehr schön habe ich aber den Process
des Fressens beobachtet bei gewissen Bedien mit grossem Mundsaugnapfe,- bei denen im Principe
die Verhältnisse kaum anders liegen dürften, als bei den pharynxlosen Geschlechtsformen. Ich
beziehe mich h ie r besonders au f eine seh r robuste Bedie mit starkem Mundsaugnapfe aus Bithynia
tentaculata, deren Cercarien eine auffallende Aehnlichkeit mit denen des Leberegels zu r Schau
tra g e n und wahrscheinlich mit der von de F ilippi beschriebenen Gercaria tuberculata identisch s in d 2).
Die Bedien zeichnen sich durch eine anerkennenswerthe F ressfähigkeit aus und sie geben von derselben
bei passender Gelegenheit auch ohne weiteres Proben. Grossen Geschmack scheinen sie an
ihresgleichen und ih ren Nachkommen zu finden, denn ich habe oft gesehen, dass sie die in .ihrer
Nähe liegenden, von z erstö rten Bedien stammenden Keimballen, und wenn dieselben den drei- und
vierfachen Durchmesser ihre s Mundsaugnapfes besassen, in k ü rz e ste r F r is t verschlangen. D e r Vorgang
w a r hierbei der folgende : Sowie die Bedien m it ihrem Mundsaugnapfe an einen solchen
*) Leuckart, Paras, d. Menschen. II. Aufl. p. 199.
2) d e F i l i p p i , Troisième Mémoire pour servir à l ’histoire génétique etc. Memorie délia R. Accad. di Torino.
Serie II. To. XVIII. 1859.
Keimballen anstiessen, verschloss sich sofort die hintere Oeffnung des Saugnapfes und durch gleichzeitige
Contraction der Badiärmuskülatur wurde sein Innenraum zu einem weiten Becher, in
dessen Höhlung sofort die Leibesmasse des davorliegenden Keimes hineingezogen wurde. Da
dieselbe aber n u r zum geringsten Theile darin P la tz fand, so blieb die Hauptmasse von ihm noch
draussen. J e tz t erfolgte eine sehr energische Schliessung der vorderen Saugnapfhöhlung durch
Contraction der daselbst befindlichen Bingmuskulatur, wodurch das zu erst eingezogene Keimballenstück
geradezu abgebissen wurde. Die Contraction der vorderen Bingmuskeln setzte sich, wellenförmig
nach hinten fortschreitend, au f die innere Bingfaser läge der Saugnapfmuskulatur fort,
und der Bissen wurde so mit grösser Geschwindigkeit nach hinten getrieben und dem grossen
Magensacke einverleibt; es folgte unmitte lba r d a ra u f eine iieue Erw eiteru n g des Saugnapfes und
nach kaum einer Secunde w a r ein zweiter Bissen und nach einer weiteren ein d r itte r dem ersten
nachgesandt. Bei der ganzen Action sind au f die verschiedenen Muskelsysteme des Saugnapfes
die Bollen augenscheinlich so v e rth e ilt, dass die um die vordere und die hinte re Oeffnung herumlaufenden,
meist etwas v e rs tärk ten Bingmuskeln als Sphincteren wirken, wohingegen die Badiär-
fasern E rw e ite re r des Lumens, die inneren Bingmuskeln Verengerer derselben darstellen. Letz te re
heben dabei zugleich die Contraction der Bad iäifase rn wieder au f und können bei der Schluckbewegung
noch u n te rs tü tz t werden durch die äusseren Bing-, sowie die Längsmuskeln des
Saugnapfes.
Bei den erwachsenen Distomenformen ohne P h a ry n x d ü rfte sich der Process der Nahrungsaufnahme
kaum wesentlich anders gestalten, als w ir es h ie r bei den Bedien gesehen. Wo dagegen
ein P h a ry n x a u ftritt, da könnte er wohl zunächst dazu gedient haben, die A rb e it dem
Mundsaugnapfe zu e rleichtern dadurch, dass e r den je tz t voluminöseren Darm im Bedarfsfälle
nach vorn abschloss und durch Verhinderung eines vorzeitigen Entweichens und Zurückstauens
von D arminhalt die T h ä tig k e it des Saugnapfes freier gestaltete. Eine Betheiligung des Vorhofes
an dem Sauggeschäfte is t h ie r noch nich t nachzuweisen, derselbe scheint lediglich dazu da zu sein,
dem P h a ry n x eine gewisse Beweglichkeit zu .lassen; man sieht wenigstens bei unseren kleineren
Distomen,, wie bei s ta rk e r Streckung des Vorderleibes der Vorhof lang ausgezogen und der
P h a ry n x damit w e it von dem Saugnapfe en tfe rn t w ird (z. B. Fig. 13, Taf. I), und wie er sich
umgekehrt bei Verkürzung des Körpers dicht diesem andrückt. Das Heranziehen auch des Vorhofes
zum Dienste der E rn äh ru n g dürfte e rs t eine Errungenschaft der grössten und am höchsten
ausgebildeten Distomenformen sein; bei den von mir untersuchten is t ein solches, obwohl der Vorhof
selbst bereits überall deutlich ausgeprägt ist, durch die Beobachtung noch nicht nachweisbar.
Betreffs der h ie r und da bei unseren Würmern beschriebenen S p e i c h e l d r ü s e n h ä tte
ich zu erwähnen, dass ich im Anschlüsse an Leuckart und Braun die D rüsennatur der oft in
grösser Zahl im Umkreise des P h a ry n x und des Oesophagus gelegenen zelligen Elemente fü r
zweifelhaft halte. Nicht nur, dass sie, wie Leuckart angiebt *), durchaus mit denen übereinstimmen,
die man u n te r der H aut findet, es is t m ir auch niemals gelungen, an diesen dicht ged
rä n g t stehenden, und oft zu Gruppen vereinigten Gebilden Ausführungsgänge mit Sicherheit zu
erkennen. Es bezieht sich das le tz tere speciell au f die fraglichen Elemente bei Bist, cylindraceum,
welche v.‘ Linstow 2) als Drüsen beschreibt, und „durch die dicken Muskelmassen des Mundsaug-
') L e u c k a r t , Paras, d. Menschen 1. c. p. 342 speciell für Dist. spat/ndatum.•
2) v. L in s tow , Bau u. Entw. d. Dist. ctjl. 1. ç. p. 177.