
Die grössten von m ir untersuchten Distomuni cylindraceum massen 12 mm, wohingegen
von P a g e n s t e c h e r 20 mm, von D ie s in g 15,8, von v. L in s to w 13 mm und von D ü j a rd in 10 mm als
Maximalmaasse angegeben werden; augenscheinlich e rre ic h t unser Wurm einmal eine ziemlich
bedeutende, zum ändern aber auch eine wahrscheinlich nacfy. den Raum Verhältnissen seiner Umgebung
seh r wechselnde Grösse. D e r Körper is t im Leben ungefähr drehrund mit einem Querdurchmesser
von 0,5 mm.
Was die S a u g n ä p f e anbelangt, so h a t bereits v. L in s to w au f die ziemlich abweichenden
und fehlerhaften Angaben der frü h eren A u to ren über ih re re la tiv e Grösse aufmerksam gemacht.
Auch meinen Erfah ru n g en nach is t der Mundsaugnapf s te ts grösser, als der Bauchsaugnapf, und
zw ar s te llt sich deren Grössenverhältniss ungefähr wie 4 : 3, was vollkommen mit den von D ü ja rd in
gegebenen Zahlen übereinstimmt.
Die H a u t zeigt eine A u ss ta ttu n g mit Stacheln, oder vielmehr Schuppen, welche namentlich
bei dem. frisch seinem Wohnsitze entnommenen Wurme deutlich und sch a rf h e rv o rtreten , nach
verhältnissmässig k u rz e r Z e it aber schon, und besonders, wenn man die Thiere m it W asser in
B erührung b rin g t, spurlos verschwinden. E s h a ndelt sich bei diesem Verschwinden aber nicht,
wie die A utoren bislang angaben, um ein Ausfallen, sondern um eine völlige Auflösung der
Stacheln mitsammt der Haut, in welcher sie sitzen, in der umgebenden Flüssigkeit. Ich komme
hie rauf im allgemeinen Theile bei Besprechung der H au t zurück. Die Schuppen stehen am
dichtesten am [Vorderleibe, wo sie oblonge, nach aussen zu etwas zugespitzte P la tte n von
0,03 mm Länge und 0,015 mm B re ite darstellen. Sie sind in regelmässigen, ziemlich dicht aufeinanderfolgenden
Querreihen angeordnet, die nach hin ten zu 'a b e r immer grössere Zwischenräume
zwischen sich lassen; da im Vereine h ie rm it auch die Abstände der einzelnen Schuppen von den
ihnen benachbarten grösser werden, so re s u ltirt eine im H inte rkörpe r immer mehr zunehmende
Verringerung d e r Dichtigkeit des Stachelbesatzes, wie sie übrigens bereits von der Mehrzahl der
stachel- oder schuppentragenden Distomen bekannt ist. Mit der grösseren Z e rstreuung nimmt
auch die Grösse der Stacheln ab, so dass sie am Ende des d ritten Körperviertels mit ihren
Spitzen bereits nich t mehr aus der H a u t hervorsehen; noch weiter nach hinten verschwinden
sie endlich ganz, so dass das letzte Körperende stachellos ist. Die H au t is t ausser den Schuppen
durchsetzt von den Ausführungsgängen sehr zahlreicher H a u t -d ri is en , . die ebenfalls im Vorderleibe
am dichtesten angehäuft s in d ; sie rep rä sen tiren im frischen Zustande bei der Betrachtung
von der Fläche h e r unregelmässige, s ta rk körnige und etwas gelblich gefärbte Schläuche, die
mit den Bewegungen des Wurmes mannichfach ih re Form ändern, im Inneren aber keine weitere
Differenzirung erkennen lassen. N u r bei stärkerem Drucke, oder bei Elementen, deren In h a lt
noch nicht die intensiv körnige Beschaffenheit angenommen ha t, scheint an irgend einer Stelle
ein helleres kugelförmiges Gebilde, der Zellkern, durch die KörnermaSse. hindurch. Ste ts deutlich
wahrnehmbar is t aber d e r Ausführungsgang der Drüsen, der sich bis an- die Aussenfläche der
H a u t verfolgen lässt. Im gefärbten Zustande fallen diese Gebilde viel weniger, auf, da sie sich
m it Hämatoxylin sowohl, wie auch mit Carmin (Picrocarmin) n u r schwach färben, und auch sonst
gegen die benachbarten Parenchymzellen wenig sich abheben. * Sie sind n u r klein, und ragen
bei einer Dicke von 0,015 mm kaum jemals w e ite r als 0,05 mm in den Innenraum des Körpers
hinein. Neben ihnen existiren nun im Vorderkörper auch noch die sog. Ko p f d r ü s e n , bedeutend
grössere, kugelige Gebilde mit ebenfalls körnigem Protoplasma, aber bedeutend deutlicherem Kern
und mehr oder minder langem, sch a rf abgesetzten Ausführungsgange, der über den Mundsaugnapf
hinweg an den Mundrand v e r lä u f t, um daselbst nach aussen zu münden. Sie messen auch
0,05 mm in der Länge, aber 0,04 mm im Querdurchmesser, und ih r Kern is t 0,01 mm gross.
Sie sind ausserdem nicht unbeträchtlich stärk er, färbbar, als diet vorher beschriebenen Drüsenzellen
und liegen in ziemlicher Anzahl in den Seitentheilen des Vorderkörpers bis ungefähr zu
der Gabelungsstelle des Darmes hin z e rstreu t (Fig. 41 u. 42, Taf. IX), ih re Ausführungsgänge
aber laufen sämmtlich nach vorn. Ob die von v. L in s to w beschriebenen, „im Parenchym vers
tr e u t“ liegenden Drüsenzellen diesen Kopfdrüsen oder den Hautdrüsen entsprechen, kann ich
n ich t bestimmen, da die d o rt angegebenen Maasse a u f keine der beiden Sorten passen (die von
mir angegebenen Maasse beziehen sich auf die Drüsen vollkommen erwachsener Thiere).
Die F a rb e der W ürmer is t abgesehen von dem gefärbten Uterus und Darm,, bei auffallendem
Lichte milchweiss, bei durchfallendem etwas ins röthliche spielend.
D e r D a r m a p p a r a t beginnt h in te r dem Mundsaugnapfe mit einem deutlich erkennbaren
Vorhof, auf den ein k le ine r, kugeliger P h a ry n x folgt. Der Oesophagus is t n u r kurz, kaum
länger als der Durchmesser des Mundsaugnapfes, in seiner W eite ungefähr den Darmschenkeln
gleich. Diese erstrecken sich, m itu n te r in ziemlich ansehnlichem Caliber, bis ins Hinterende des
Wurmes und endigen ganz k u rz vor der Leibesspitze. Es b e ru h t demnach auf einem Irrth um ,
wenn B l a n c h a r d (1. c. p, 297) sie n u r bis zu 4/s der Gesammtlänge nach hinten sich erstrecken
lässt. Die Nahrung des Wurmes besteht, wie alle Beobachter übereinstimmend mittheilen, aus
Blut, welches den Gefässen des W irth e s entzogen wird. T n der T h a t scheint Distomum cylindraceum
ein sehr anspruchsvoller und auch gefährlicher Gast zu sein; die Blutmassen, die es gelegentlich
in seinen s ta rk erweiterten Darmschenkeln aufweist, sind ganz bedeutende. Andererseits habe
ich aber immer den Eindruck gehabt, als ob ''zu r Verdauung und Assimilation dieser Nahrung
wiederum lange Zeit e rforderlich wäre, dass also die Entziehung der Blutmassen sich auf längere
Zeitabschnitte v e rth e ilt. Eine definitive Entscheidung hierüber zu treffen, d ü rfte freilich seine
Schwierigkeiten haben.
Das N e r v e n s y s t e m (Fig. .163, Taf. V III) schliesst sich in seinem Baue wesentlich
dem bekannten T y p u s an. v. L in s to w b e rich te t bereits von dem Vorhandensein von sechs grossen
Nerven, welche von den Gehirnganglien aus in den Leib des Thieres hinein sich erstrecken, und
von denen „die v ie r äusseren an der Bauch-, die zwei inneren an der Rückenseite v e rlau fen ;“
nach vorn gehen n u r „kleine Nerven zum Mundsaugnapf.“ In W irklichkeit haben wir vorn und
hinten jeder seits je drei Nerven; von den hinteren entsprechen die' von v. L in s to w als innere,
an der Rückenseite verlaufende bezeichneten den Rückennerven, von den „äusseren“ sind die am
weitesten la te ra l gelegenen unsere Seitennerven, die anderen aber die Bauchnerven. Es is t richtig,
dass die Seitennerven h ie r der Bauchfläche ziemlich angenähert liegen; alle P a a re aber erstrecken
sich bedeutend w e ite r nach hinten, als es v. L in s to w zeichnet, nämlich bis ganz in die Nähe des
H in te ren d e s; ih re specielle Endigungsweise habe, ich aber auch nicht zu entdecken vermocht. Bei
Untersuchung des lebenden Thieres erkennt man zwischen diesen Längsnerven unschwer auch
die Ringcommissuren, von denen fünf vorhanden sind, eine zu der Grpsse unseres Wurmes auffällig
geringe Zahl, die aber mit der augenscheinlich geringen Lebhaftigkeit und Beweglichkeit des
Thieres in einem directen Zusammenhang stehen dürfte. Betreffs der Lagerung der Commissuren
verweise ich au f die oben c itirte Abbildung, auf welcher man zu gleicher Zeit erkennt, dass von
den beiden, vor und h in te r dem Bauchsaugnapfe vorbeiziehenden Dorsal- und Ventralcommissuren
je .ein A s t zu diesem abgegeben wird. Aufgefallen is t m ir auch an der au f der Rückenseite