
h a lte — so k a n n h ie r n ich t die Bezeichnung dieses A u to rs , sondern muss die des nächst späteren
Forschers, nämlich die von Gr. 0 . S a r s ’ Anwendung finden.
(Canth. liorriäus F i s c h e r und die beiden gleichnamigen Formen, welche v. D a d a y und
R i c h a r d beschrieben haben, sind in einem besonderen Kapitel (cf. p. 43—48) eingehend k ritisie rt.)
Als ich vor J a h r e n die vorliegende A r t zum ersten male in einem kleinem Gewässer der Umgebung
von Halle f^nd, glaubte ich, eine neue Spezies vor mir zu haben. Einige Anklänge an
Canth. crassiis S a r s fielen mir zwar schon damals au f, jedoch w a r eine Entscheidung dieser F rag e
nicht möglich, da die S a r s sehe Diagnose fa s t n u r allgemeine C h araktere berücksichtigt und nicht
Details, was fü r das Wieder erkennen der sich ähnlichen Canthocamptns-ATten. absolutes Erfo rd e rn is ist.
Hiermit soll nicht etwa ein V o rw u rf gegen den gewissenhaften und fü r die K enntnis der Siisswasser-
Copepoden so v erdienstvollen, nordischen Forscher erhoben sein; denn die allgemein gehaltenen Diagnosen
genügten seiner Zeit unbedingt fü r das Wiedererkennen der wenigen damals bekannten Arten.
E r s t der Liebenswürdigkeit des H e rrn Professor S a r s , der Kopien meiner Zeichnungen mit
seinen leider nicht publizierten Originalfiguren verglich, verdanke ich die Identifikation der Halleschen
Form mit seiner A rt. Von d e r vollkommenen Übereinstimmung beider habe ich mich jüngst selbst
noch durch einen Einblick in die S a r s sehen Zeichnungen überzeugen können.
Auch die Wahrscheinlichkeit einer Id e n titä t der vorliegenden A r t mit Ättheyella spinosa B r a d y
drän g te sich mir schon seit länge re r Z e it auf. Jedoch konnte ich nicht zur Gewissheit hie rübe r gelangen,
da ja B r a d y das Genus Ättheyella a u f Grund der Eingliedrigkeit des Innenastes des vie rten
Fusspaares aufge ste llt h a t, während bei vorliegender Form ein deutlich zweigliedriger Innenast vorhanden
ist. Die B r a d y sehe Zeichnung dieser E x trem itä t (Taf. XL VI, Fig. 16) deu te t allerdings
an, dass e r über die Organisation derselben nich t vollständig ins K la re gekommen ist, da e r die obere
Grenze durch zw e i Linien bezeichnet h a t. Eine sichere Entscheidung dieser F rag e is t mir e rs t dadurch
möglich geworden, dass H e rr Professor B r a d y mir a u f meine B itte hin ein weibliches Exemplar
seiner Ättheyella spinosa s an d te , dessen Untersuchung eine Übereinstimmung mit Canth. crassiis bis in
die feinsten Details ergeben hat.
Nicht u n erwähnt w ill ich lassen, dass auch S a r s , wie ich aus der U nte rs ch rift seiner Zeichnungen
von Canth. crassiis ersehen haber, schon s e it länge re r Z e it von der Id e n titä t seiner A r t mit der Form
B r a d y s überzeugt ist. A u c hM r ä z e k h a t sich meiner Ansicht angeschlossen, die ich ihm bereits
vor Untersuchung des B r a d y s c h e n Originalexemplars mitteilte, und die sich durch dieselbe als absolut
ric h tig erwiesen h a t.1)
Bemerkt sei noch, dass B r a d y n u r das Weibchen gekannt h a t. Auch S a r s scheint das
Männchen nicht gesehen zu haben. Ich schliesse dies daraus, dass e r von den interessanten, sexuellen
a) Eingehend über die Frage der Identität beider Arten verbreitet sich Herr Dr. M r ä z e k — wie ich aas einer
freundlichen brieflichen Mitteilung ersehen habe — in einer demnächst erscheinenden, in szechischer Sprache verfassten Arbeit.
Mein Urteil über das Genus Ättheyella siehe p. 64.
Differenzen in seiner Diagnose nichts e rwähnt und auch in seinen Originalzeichnungen keine bezügliche
Angabe gemacht hat. Hieraus findet also der Mangel an Hinweisen auf Angaben beider Forscher in
der nachfolgenden
Charakteristik der Art
seine E rklärung.
D e r C e p h a l o t h o r a x is t merklich b re ite r als das Abdomen (Taf. IV, Fig. 1). Die Hinte rrände r
sämtlicher dorsaler Chitinplatten sind ausgezackt. Am ersten Segmente sind diese Auszaekungcn
schwach, an den folgenden Abschnitten dagegen sta rk . Die hinte ren Ecken dieser P la tte n sind abgerundet;
am ersten Segmente sind dieselben g a r nicht, an den übrigen Segmenten dagegen ein wenig
verlängert. Mehr oder weniger zu Reihen geordnete kürzere oder längere Härchen lassen das zweite
bis fünfte Segment fa s t b e h a a rt erscheinen. Am ersten Segmente t r i t t solcher Haarbesatz n u r über
dem Hinterrande und neben den Seitenrändern auf.1) Das Rostrnm is t kurz.
A b d ome n : (Taf. IV, Fig. 1, 2 u. 3). Die H in te rrän d e r sämtlicher Segmente mit Ausnahme
des le tz ten sind dorsal s ta rk ausgezackt; a u f der v en tra len Seite bemerkt man jederseits n u r einige
solcher Ausschnitte; der übrige Teil der ventra len H in te rrän d e r zeigt diese Ornamentik nicht.
Die Rückenflächen und la te ra len P a rtieen der einzelnen Segmente sind in noch höherem Masse
wie die Ringe des .Vorderleibes mit vielen Reihen z a r te r Härchen bedeckt. A u f der ventralen Seite
is t diese Ornamentik schwächer; denn über den zweiten und d ritten Ring beim Weibchen, resp. den
zweiten bis v ie rten beim Männchen, ziehen sich v en tra l n u r je zwei Reihen solcher Härchen hinweg.
Die m ittlere v entrale P a rtie der Genitalsegmente und — so viel ich konstatieren konnte — auch die
gesamte Bauchfläche des le tz ten Körperringes entbehren dieses Schmuckes vollkommen. Eine weitere
A r t schmückender Anhänge stellen Reihen grösser Dornen über den H in te rrän d e rn der einzelnen
Segmente dar. Am ersten Segmente finden sich jederseits 7— 8 solcher Dornen. Die beiden in der
Seitenlinie beginnenden Reihen des zweiten Segments erstrecken sich beim Weibchen über den grössten
Teil der ventralen Fläche; beim Männchen verschmelzen sie zu einer ununterbrochenen Reihe/ -Letzteres
is t auch der F a ll bei den Dornenreihen des d ritten und v ierten Ringes des männlichen Abdomens und
d er Reihe am d ritte n Ringe beim Weibchen. Die Dornen des vorletzten Segments sind bei beiden
Geschlechtern durch besondere Länge ausgezeichnet. Der H in te rra n d des letzten Ringes is t bis auf
zwei oder drei krä ftig e Dornen au f jeder Hälfte der ventralen Fläche n a c k t.2)
Die Verschmelzung des ersten weiblichen Segments aus zwei ehemals selbständigen Ringen
is t noch durch eine dorsale Chitinfalte angedeutet; Auch zw e i'stä rk e r chitin sierte Stellen der Bauchfläche
scheinen au f diese Verschmelzung hinzudeuten. Neben den weiblichen Geschlechtsöffnungen stehen
S a r s und B r a d y haben die Ornamentik der Cephalotlioraxsegmente übersehen.
2) Die Angaben von S a r s und B r a d y über die Ornamentik der Abdominalsegmente sind nicht ausreichend. Ersterer
bemerkt nur: „segmentis abdominalibus 4 . . . in margine postico subtus et ad latera pilis vel aculeis sat longis pectinatim
ornatis.“ Letzterer sagt: „The abdominal rings are fringed posteriorly with closely-set, long, spine-like setae.“ Das vorletzte
Abdominalsegraent zeichnet derselbe Forscher als mit einer ununterbrochenen, ventralen Dornenreihe besetzt; die Bewehrung des
letzten Segments hat er ganz übersehen.