
hinten vorzudringen. Schon vorher beginnt auch in den weiblichen Organen die T h ä tig k e it;
Dotterzellen und D o tte rk ö rn ch en , grössere und kleinere, oft bereits vollkommen geschwärzte.
Schalensubstanzmassen, Keimzellen erfüllen den U te ru s und wandern nach aussen, den Sperma-
tozoen entgegen. E r s t nachdem diese an der Eibildung'sstätte angelangt sind, hebt die Bildung
normaler E ie r an, zwischen denen sich im Beginne aber immer hoch zahlreiche verunglückte
vorfinden.
Die im D a rm e der Frösche freilebenden Distomen sind bis jetzt, trotzdem sie, oder vielleicht
auch, weil sie öfters Gegenstand der Untersuchung geweèen sind, vielfach mit einander
verwechselt worden und auch heutigen Tages noch nich t sicher von einander unterschieden. Es
wurden von dem in Bede stehenden Orte h e r bislang beschrieben : Distomum davigerum Budolphi,
D. crossicolle Budolphi, D. retusum Du jardín, endólóbum Du jardin, D. rastellus Olsson, D. vitellilobum
Olsson, D. neglectum v. Linstow; dazu kommt, bisher n u r einmal und n u r in einer K rö te aufgefunden,
aber bei den Fröschen auch sehr häufig, D. médians Olsson, im Ganzen also 8 Arten.
Ob von diesen das D. vitellilobum Olsson eine besondere, wohlunterschiedene Aj‘t d a rstellt, darüber
habe ich bereits bei Beschreibung des D. cygnoides meine Zweifel ausgedrückt ; es is t w e ite r von
dieser Zahl bestimmt zu streichen das D. rastellus Olsson, welches, wie w ir sp äte r noch genauer
sehen werden, nichts anderes, als Dist. endólóbum Duj. ist. Als eine sehr problematische A r t
erscheint m ir fe rn e r das D. retusum Düjardin. Seit der Aufstellung der Species im J a h r e 1847
is t dieselbe bis je tz t n u r ein einziges Mal und zw ar von Van Beneden wieder beschrieben worden. ’)
Van Beneden giebt als C harakteristic a der A r t an: die Lage des Keimstockes zu r Seite dés Bauchsaugnapfes,
die mediane Ausmündung der Genitalleitungswege, die Lage der Hoden hintereinander,
und die feine S treifung des Vorderkörpers (die durch „ aspérités“ v e ru rsa ch t sein sollte); er
zeichnet in seiner Abbildung endlich noch lange, bis in’s Hinterende reichende Darmschenkel —
Eigenschaften, welche s a m m t u n d s o n d e r s dem Dist. endólóbum eigen sind. Hingegen charak-
te r is ir t Düjardin sein D. retusum als versehen mit k u r z e n Darmschenkeln, woraus schon h e rv o rgeht,
dass die Van BENEDEN’sche Beschreibung nicht auf dieses sich beziehen kann. Das Dist.
retusum Van Beneden’s is t s i c h e r n i c h t s a n d e r e s , als D. endólóbum.
Was das Original - D. retusum Dujardin’s a n la n g t2), so neige ic h , bis au f eventuelle
bessere Erkenntniss, der Ansicht zu, dass es einer Zusammenfassung von zwei, zw ar ähnlichen,
aber doch generisch verschiedenen W u rm a rte n des Froschdarmes seine En tsteh u n g verdankt.
Diese beiden A rten , die in der Körpergrösse ziemlich übereinstimmen und sebr häufig neben-
und untereinander Vorkommen, sind D. endólóbum und D. médians Olsson (Taf. H, Fig. 27 u. 3(5).
A u f das e rstere beziehen sich, oder k ö n n e n wenigstens aus der Düjardin’sehen Artdiagnose sich
beziehen die Angaben: Corps u n peu aminci en avant, tronqué pu même é c h a n c r é en a rriè re ;
orifices génitaux contigus à la ventouse v en tra le en a v a n t; réceptacle du cirrhe p e t i t , non
s aillant, mince; pénis lisse; tro is testicules globuleux, situés auprès de la ventouse v en tra le en
a rriè re ; oeufs fauves, longs de 0,054 mm à 0,056 mm, larges de 0,036 mm. F ü r D. médians
sprechen dagegen folgende C h arak tere: ventouses orbicula ire s, inégales, l’an té rieu re presque
*) V a n B e n e d e n , Mém. su r. le s v e r s in te st. 1. c. p. 92.
*) D u j a r d in , H is t . nat. des Helminthes, p. 4 0 5.
d o u b l e ; inte stin à deux branches c o u r t e s , en massue; tro is testicules etc. wie oben; oviducte
replié en tre les au tre s organes comme un long cordon flexueux; cavité postérieure très-vaste,
.prolongée jusqu’au dessus des testicules. Ich h a lte , wie g e sag t, eine solche Fusion zweier
in ihrem Aeusseren sehr ähnlicher und notorisch sehr oft nebeneinander vorkommender Formen
n ich t fü r unwahrscheinlich, und das e rs t re ch t in einer Zeit, wo die Unterscheidung der einzelnen
Ajoten noch n ich t au f eine so eingehende Kenntniss ih re r Organisation h in durchgeführt werden
konnte, wie heutzutage. Auffällig muss es jedenfalls erscheinen, dass trotzdem Düjardin seine
Wü rm e r „assez souvent“ gefunden zu haben angiebt, dieselben bis heute nicht wieder erk an n t
worden sind.
Endlich leh rt, wie wir ebenfalls bei Besprechung des Wurmes selbst genauer sehen
werden, eine Vergleichung der beiderseitigen Diagnosen, dass das neuerdings von v. Linstow
beschriebene D. neglectum dem D. clavigerum Büdolphi’s entspricht, und demnach als selbstständige
A r t zu s t r e i c h e n ist. -,.
Es bleiben somit von den ursprünglichen 8 Darmdistomen der Frösche n u r noch 4 A rte n
übrig, die sicher begründet sind, D. clavigerum Bud., endólóbum Duj., crassicotte Bud. und médians
Olsson. Dazu kommt aber, wiederum als neu, oder vielmehr als falsch bezogen eine andere
Form, die bisher u n te r dem Namen davigerum D üjardin gegangen ist. Ein Vergleich der von dem
le tztgenannten A u to r als Dist. davigerum Budolphi beschriebenen Würmer mit Budolphi’s Originaldiagnose
le h rt bald, dass h ie r zwei differente, allerdings in gewisser Hinsicht verwandte Formen
Vorgelegen haben. Zufällig is t nun der Name davigerum der Düjardin’sehen Form e rhalten geblieben,
die kein ’Becht au f ihn h a t; e r muss nunmehr n a tü rlich seinem ursprünglichen T räg e r
zurückgegeben werden, fü r den inzwischen v. Linstow — wohl die Verschiedenheit des Thieres von
dem Düjardin’sehen, nicht aber die Id e n titä t desselben mit dem Budolphi’ sehen D. davigerum e rkennend
11- den Namen D. neglectum in Vorschlag gebracht hatte. So blieb mir nichts übrig,
als aus dem D. clavigerum Duj. eine n. sp. zu machen; ich habe fü r sie in der bereits frü h er
.angezogenen vorläufigen M itth e ilu n g ’) den Namen c o n f u s um gewählt.
W a s . nun die Unterscheidung dieser fünf A rten anbelangt, so h a t v. Linstow eine Anleitung
hierzu gegeben2), wobei e r die Länge der Darmschenkel, das Grössenverhältniss der
Saugnäpfe und die Grösse der E ie r als diagnostische Merkmale benutzt. Hiervon- h a t das le tz tere
Merkmal von vorn herein n u r beschränkte Bedeutung, da es au f eine Classification der noch
n ich t gesChlechtsreifen, fü r mancherlei F rag en aber doch re ch t wichtigen Jugendformen k e i n e
Anwendung finden kann. Das Grössenverhältniss der Saugnäpfe is t nach dem, was w ir bisher
erfah ren haben, auch durchaus kein constantes, ja im Laufe der Entwickelung sogar in einzelnen
Fällen ein gesetzmässig wechselndes. So bleibt n u r die Ausdehnung der Darmschenkel als brauchbares
Merkmal übrig;, dagegen is t ein anderes, von Anfang an s i c h e r e s , von v. Linstow nicht
herangezogen worden: die L a g e d e s G e n i t a l p o r u s ; gerade in.unserem F a lle lä sst dieselbe
ausserordentlich leicht und schnell eine richtige Unterscheidung und Bestimmung der A rte n zu,
worüber am besten das folgende Schema Aufschluss geben d ü rfte ; nach demselben lä sst sich auch
die Bestimmung der jüngsten Jugendformen absolut sicher durchführen :
J) Centralbl. f. Bakt. u. Parasitenk. XIII. 1893. p. 811.
2) v. L i n s t o w , Helminth. Untersuchungen. Zoolog. Jahrbücher III, 1888.