
erwachsenen Thieren zwischen 1 : 76Ü und i ; 1267, wobei nur insofern eine gewisse Regelmäßigkeit
herrscht, als die Augen, die das letztgenannte Verhältniss erkennen lassen, oder demselben nahe kommen
so häufig sind, dass man fast sagen könnte, sie stellen die Regel, die Augen mit verhältnissmässig dickerer
Retma die Ausnahme dar, die freilich auch recht häufig yorkommt.
Diejenigen Maulwurfsnetzhäute, die, vergleicht man sie nun mit Augentiefe oder Thierlänge, eine
geringe Mächtigkeit im Augenhintergrunde besitzen, sind aber, freilich nicht ausnahmslos, in ihrem Bau
relativ hoch entwickelt. Man darf demnach aus grösserer Stärke der Retina im Allgemeinen den Schluss
auf ein mehr embryonales Verhalten ziehen.
Die Metzhaut des erwachsenen Maulwurfs nimmt nun gegen vorn hin, d. h. vom Augenhintergrunde
bis zur Irisgrenze, Btetig an Stärke ab, jedoch bei den einzelnen Thieren nicht im selben Maasse. Es ergibt
z. B. in der Mehrzahl der Fälle die Vergleichung der Eetinadioke in der Augenaxe mit derjenigen
an der Irisgrenze die Werthe 1,37 : 1, ein Verhältniss, das sich aber in anderen Fällen auf 1,596 : 1 bei
besonders starker, auf 1,104: 1 bei besonders geringer Abnahme stellen kann.
Beim Embryo zeigt ein Vergleich der Retinastärken an den beiden Stellen, dass auf den niederen
und mittleren Entwicklungsstufen die Verdünnung vom Hintergründe nach dem Augenbecherrande, resp. der
In s hin eme viel bedeutendere ist, während die höheren Stadien sich den Verhältnissen beim Erwachsenen
immer mehr nähern. Die höchsten Embryonen gehen hierin sogar noch einen Schritt weiter, als das e f t :
Wachsens Thier in den meisten Fällen, und ist dann die Retina im Augenhintergrunde kaum oder gar nicht
starker, als nahe der Iris. Es kommt dies dadurch zu Stande, dass dem Embryo einéngewisse, im Auge dos
erwachsenen Thieres auf den Augenhintergrund und dessen nächste Umgebung beschränkte Retinasdhicht,
noch ganz fehlt. Das Vorhandensein derselben hat für das erwachsene Thier natürlich dann die Fo lg®
einer einseitigen Verstärkung der^Partieen des Augenhintergrundes gegenüber denjenigen der Irisgrenzev
Eine Vergleichung der Retinadicke am proximalen Rande der Iris mit der Augentiefe zeigt eine,
gewissen Schwankungen unterworfene, aber immerhin mit steigender Embryonalentwicklung ganz unverkennbare
Zunahme der Metzhaut in jener Gegend. Dieselbe Vergleichung ergibt im Augenhintergrunde, wie
sohon gesagt, ein im Grossen und Ganzen constantes Verhältniss. Es geht also auch hieraus das Bestreben
hervor, im Laufe der Entwicklung die Retina an ihrer Irisgrenze der Stärke im Augenhintergrunde mehr und
mehr nahe zu bringen, ein Ziel, das bei den ältesten Embryonen nahezu, wenn nicht vollständig, erreicht wird.
Fürs erwachsene Thier ergibt die Vergleichung mit der Augentiefe dieselben Resultate, wie die Vergleichung
mit den Partieen des Aügenhintergrundes, nemlich eine ziemliche Abnahmeder Retina gegen
ihre Irisgrenze hin.
Im Grade dieser relativen Verdünnung beim erwachsenen Thiere treten nun aber individuelle Ver-
schiedenheiten auf, die sich wieder aus der verschiedenen Entwicklungsstufe erklären, auf welcher das betreffende
Auge von der Hemmung berührt wurde. Da der Unterschied zwischen den beiden Retinapartieen
durch die späte Neubildung einer Schicht veranlasst wird, so kann das Auge, welches früher gehemmt
wurde, also jene Schicht noch in geringerer Ausbildung besessen hat, keine so bedeutende Differenz jener
beiden Retinamaasse aufweisen, als ein später gehemmtes, wo jene Schicht länger Zeit hatte, sich weiterzuentwickeln.
Die Betrachtung der einzelnen Augen zeigt, dass dem in der That so ist.
Die i n n e r e K ö r n e r s c h i c h t des erwachsenen Maulwurfes besitzt an der Irisgrenze, absolut betrachtet,
dieselbe Mächtigkeit, wie im Augenhintergrunde. Da aber die Gesammtretina gegen die Iris hin
abnimmt, so ist der Antheil, den die innere Körnerschicht am Aufbau hat, nahe der Iris ein grösserer, als
in den proximalen Partieen der Netzhaut. Es verhält sich die Stärke der inneren Körnerschicht zu derjenigen
der Gesammtretina dort wie 1 : 3,1, hier wie 1 : 4,21. Ein solches Verhältniss tritt bei der Mehrzahl
der Maulwürfe zu Tage, gelegentlich ergeben sich aber, und zwar in sonst weniger entwickelten Augen,
etwas andere Zahlen, z. B. 1 : 2,93 und 1 : 3,6; oder 1 : 3,04 und 1 : 3,88. Immer lässt sich jedoch erkennen,
dass die innere Körnerschicht in ihren der Iris benachbarten Partieen im Vergleiche zur Retinadicke
stärker ist, als im Augenhintergrund.
Schon im embryonalen Leben zeigt sich diese Verdickung der inneren Körnerschicht gegen die Irisgrenze
hin, im Vergleiche zur jeweiligen Retinastärke und zwar bei kleineren Embryonen in höherem Grade,
als bei grösseren. In jenen Netzhäuten erwachsener Thiere, die in ihrem sonstigen Bau niedriger stehen,
lässt sich in Bezug auf die innere Körnerschicht ebenfalls erkennen, dass diese, verglichen mit der Ge-
sammtstärke der Netzhaut, an der Irisgrenze erheblich mächtiger ist, als im höher entwickelten Maulwurfsauge,
und dass ihre relative Zunahme gegenüber dem Augenhintergrunde hier ebenfalls eine bedeutendere
ist. Diese Netzhäute documentiren sich also auch dadurch als auf niedrigerer Entwicklungsstufe stehend.
Es lässt sich hier wieder unschwer die individuelle Verschiedenheit mit der Verschiedenheit des Zeitpunktes,
an welchem die Entwicklungshemmung eingetreten sein muss, erklären.
Der feinere Bau zeigt verschiedene Merkmale, die erkennen lassen, dass die innere Körnerschicht
von Talpa nicht fertig entwickelt worden ist. Es muss also eine Hemmung eingetreten sein. Für eine
solche sprechen zunächst die mannigfachen Übergangsformen zwischen einfachen Körnerzellen und Ganglienzellen,
weiterhin der Umstand, dass die Reihen der letzteren in den meisten Fällen sehr wenig geschlossen,
sehr lückenhaft sind. Ferner begreift sich so die Anwesenheit von fast unveränderten Körnerzellen, die
in die Reihen der Ganglienzellen hineingeschoben erscheinen, was sich ganz besonders im Gebiete der
inneren Ganglienzellen zeigt. Ausserdem wäre embryonales Verhalten noch in dem lockeren Bau der ge-
sammten Schicht, sowie in dem ganz unregelmässigen Verlaufe der Axen der ellipsoidischen Körnerzellen
zu erblicken. Alle diese Momente finden sich in jeder der untersuchten inneren Körnerschichten, doch in
der einen in höherem, in der anderen in geringerem Maasse. Man darf jedoch hieraus nicht ohne Weiteres
einen Schluss auf den Zeitpunkt der Hemmung, also den Ausbildungsgrad der betr. Schicht ziehen wollen,
also z. B. nicht annehmen, dass eine solche mit regelmässiger angeordneten inneren Körnerzellen, mit geschlossener
auftretenden Ganglienzellenlagen etc. eine höhere Entwicklungsstufe repräsentire, also später
gehemmt worden sei. Es muss vielmehr bedacht werden, dass die Entwicklung vor der Hemmung nicht
eine gleichmässig dahinschreitende war, sondern sich sozusagen etappenweise, unter Abwechslung von
Perioden regeren und verringerten Wachsthums vollzog. Wurde nun die Hemmung abgeschlossen, als
z. B. die innere Körnerschicht sich in einer Periode gesteigerter Weiterentwicklung befand, so werden sich
in ihr viel mehr Übergangsformen finden, als wenn die Hemmung früher vollendet, die innere Körnerschicht
somit in einer Ruheperiode überrascht worden wäre, in welcher die Elemente in der Mehrzahl ihrer definitiven
Form sich bereits mehr genähert hatten.
Mit Sicherheit kann man also nur das constatiren, dass sich in Bezug auf die innere Körnerschicht
des Maulwurfsauges eine Hemmung geltend gemacht hat, und dass dieselbe in eine sehr späte Zeit der
Entwicklung fallen muss, was durch die Stärken Verhältnisse, das Auftreten gewisser Zelltypen bei allen
Individuen und andere Merkmale zum Ausdruck kommt. Einen Schluss auf den genaueren Zeitpunkt jener
Hemmung lässt der Zustand der inneren Körnerschicht nicht zu, und gilt dies in gleichem Maasse für alle
übrigen Netzhautschichten.