
h in te r dem Saugnapfe vorüberziehenden Commissur eine kleine Anhäufung von Ganglienzellen,
die ungefähr in der Mittellinie sich befindet. Ein Supracerebralnervensystem, ebenso wie eine
Lateralcommissur habe ich h ie r nicht aufgefunden; übrigens is t die Anhäufung der Kopfdrüsen
nnd ih re r Ausfiihrungsgänge an dieser Stelle, sowie die im allgemeinen etwas körnige Beschaffenheit
des Parenchyms bei unserem Thiere einer Erkennung dieser. Nerventheile nich t son-
derlich günstig.
Das E x c r e t i o n s g e f ä s s s y s t e m (Fig. 163, Taf. VIH) zeigt einen im Verhältniss zur
Grösse des Wurmes re c h t einfachen Bau. Die Form der Exeretionsblase is t von. v. L i n St o w
ric h tig beschrieben worden; sie h a t eine Yförmige Gestalt, wobei allerdings der hintere, unpaare
Schenkel die bei weitem grösste Ausdehnung erreicht, eine Ausdehnung, die fa st einem D ritte l
d er gesammten Körperlänge gleichkommt. Die vorderen Schenkel der Blase sind nur kurz, sackförmig
und ragen mit ih ren vordersten Enden meist dorsal über den ersten Hoden hinweg. Aus
jedem dieser blasenförnngen; Schenkel t r i t t , ein Hauptgefäss aus, welches im geschlängeltem Ver-,
laufe v o rw ä rts und s eitw ä rts ziehend, in der Höhe des Bauchsaugnapfes den Körpe rrand erreichte
H ier e rfolgt die Theilung in den vorderen und h in te ren A st, die auf ihrem ferneren Wege je zweL
Nebengefässe abgeben. A u f jedem dieser le tz te ren sitzen d re i Capillaren mit E n d tric h te rn auf, so
dass w ir im ganzen K örpe r (mit Hinzurechnung der Enden d er H auptgefässej G X 3 X 2 = 36 T ric h te r
erhalten. Betreffs der Vertheilung der T ric h te r lä ss t sich h ie r meist re ch t deutlich erkennen,
dass von den d re i aus einem Nebengefässe entspringenden einer der dorsalen Körperfläche, einer
der ventralen, und einer mehr dem Seitenrande des Körpers angehört. Ich habe eine entsprechende
Vertheilung der T ric h te r noch bei: einigen, anderen, ebenfalls n u r drei Capillaren auf
einem Nebengefässe besitzenden W u rm a rte n aufgefunden; bei denjenigen, wo die le tz teren zahlreicher„
werden, w a r etwas Bestimmtes hierüber zunächst nich t herauszubekommen. Die T rich te r
s e lb st sind ziemlich gross,,,0,019 mm lang und 0,01 an der Basis b re it; die: Capillaren zeichnen
sich durch eine bedeutende Dehnbarkeit aus; schon im normalen Zustande weiter, a ls gÖ^ölmlich,
können sie, w enm d er W u rm einige Zeit- u n te r Dru ck gelegen h a t,-b is a u f 0,026 mm W eite an-
sohwellen (Fig. 150, Taf. VH). Ih r e Terminalzelle is t meist s eh r deutlich und besitzt einen
Ke rn von 0,007 mm.
G e n i t a l o r g a n e . D e r Genitalporus lie g t in der Mittellinie des Körpers k u rz y o r dem
Bauchsaugnapfe; die abweichenden Angaben mancher Untersucher (Mayee, PiCHmeEE ^S erklären
sich daraus, dass jene A u to ren eben n ich t das wirkliche Distomum cylindracam, sondern D. vtmk-
gatum v o r sieh gehabt haben. D e r Genitalsinus, in den die unpaare Genitalöffnung hineinführt,
is t ein zw ar nicht sehr tiefer, aber in der Querrichtung etwas mehr als. gewöhnlich ausgedehnter
Hohlraum, der nun durch eine, wie es scheint, g a r n ic h t selten vorkommende, s ta rk e Erweiterung
d er eigentlichen Geschlechtsöffnung n u r als eine eingesenkte P a r tie der. äusseren Körperbedeckung
erscheint. Am Boden dieser flachen Grube liegen dann die männliche und weibliche Genitalöffnung
nebeneinander; in der T h a t habe ich bei keinem anderen Wurme den Eindruck g e s o n d
e r t e r Genitalöffnungen so täuschend erhalten, wie hier, und das umsomehr, wenn das Thier
im Quetschapparat b e tra c h te t wird. So berichten auch die neueren Untersucher (P a g en s te ch e e ,
O ls s o n , v . L in s tow ) übereinstimmend von dem Vorhandensein z w e i e r g e t r e n n t e r Oeffnungen,'
die nach v. L in s tow sogar 0 ,1 mm von einander e n tfe rn t Hegen.- Schon bei Untersuchung von
Schnitten findet man aber den Genitalvorraum meist deutKch erkennbar und bei genauerer Unte rsuchung
m it s ta rk e r V ergrösserung e rgiebt sich auch im Quetschpräparat das in Fig. 147, Taf. V III
gezeichnete Bild, au f dem der R an d der sehr e rweiterten Geschlechtsöffnung deutlich als Kreis
erkennbar, und die Innenwand des Sinus seihst durch ih re Bekleidung mit feinen Wärzchen
scharf von der äusseren Kö rp e rh au t unterschieden ist. Die Mittelpunkte der beiden Genitalöffnungen
liegen h ie r sogar 0,13 mm auseinander, aber n ich t au f der Körperfläche, sondern in
dem s ta rk e rw e ite rten Geschlechtsvorraum.
M ä n n l i c h e O r g a n e . Dass n u r zwei Hoden vorhanden sind, h a t v. L in s tow festg
e ste llt; dass s ie-ab e r im A lte r „schwinden“ sollen, kann ich nich t zugeben; sie werden vielmehr
n u r verdeckt durch den enorm anschwellenden Uterus. Es sind annähernd kugelige Körper, die
ungefähr die halbe Körperbreite einnehmen, und zu Seiten der Mittellinie schräg hintereinander
in der hinte ren Körperhälfte anzutreffen sind. Manchmal erscheinen sie vollkommen median
h in te r einander gelegen, was aber entweder n u r scheinbar, oder wenigstens nicht der normale
Zustand ist. Die Samenleiter begeben sich von den Hoden aus nach vorn, vereinigen sich aber
bereits ehe sie den Bauchsaugnapf erreichen, zu r Bildung einer Samenblase, die in einen s tarken
und muskulösen Cirrusbeutel eingeschlossen ist. Dieser la g e rt sich im normalen Zustande ungefähr
in der Medianebene des Leibes über die Rückenseite des Bauchsaugnapfes hinweg, wird aber bei
gedrückten P räp a ra te n stets re ch ts oder links um denselben herum ve rlage rt, entweder mit oder
ohne den En d th eil der weiblichen Leitungswege, die im letzteren F a lle dann auf der anderen
Körperseite liegen (Fig. 39 u. 42, Taf. H). Die Samenblase macht im Grunde des Cirrusbeutels
meist einige Windungen und zeichnet sich gegenüber ihrem Verhalten bei anderen W u rm a rten durch
eine etwas bedeutendere Länge, aber dafür geringere W eite aus (Fig. 147, Taf. VH). Nach
v orn folgt au f sie, durch einen Sphinktermuskel getrennt, eine nich t stark , aber vollkommen
deutlich entwickelte P a rs p ro s ta tic a , welche die Ausführungsgänge der ziemlich zahlreichen,
blassen P ro sta tad rü s en in sich aufnimmt;, Die P a rs prosta tic a g eh t ih re rse its über in den Ductus
ejaculatorius, einen muskulösen Gang von 0,02—0,03 mm Weite, der einige Biegungen macht und
sich ca. 0,4 mm vor der Mündung in den Sinus plötzlich au f das reichlich 3fache verdickt. Dieser'
le tz te Theil, der au f seiner Innenwand einen dichten Besatz mit feinen Wärzchen oder Zäpfchen
tr ä g t, is t als Penis nach aussen verstülpbar. v. L in s tow beschreibt ausser einer Ring- und einer
Längsmuskulatur in seinem Inneren „eine mächtige Radiärmuskellage“ ; wenn nun h ie r keine
Verwechselung mit der eben erwähnten Zäpfchenauskleidung des Penis vorliegt, weiss ich mir
diese Angabe nich t re c h t zu e rk lä re n : Thatsache is t jedenfalls, dass von einer Radiärmuskellage
keine S pur vorhanden ist. Eine Ausstülpung des Penis habe ich n ich t beobachtet, finde in der
L i tte r a tu r auch n u r bei R u d o lp h i die Angabe, dass der Penis „raro emissus“ sei; trotzdem kann
ich aber mit aller Bestimmtheit behaupten? dass s e i n em g a n z e n B a u e n a c h , der Penis bei
einem etwaigen H e rv o rtreten n ach aussen n i c h t , wie v. L in s tow angiebt, einfach „hervorgedrängt“,
sondern einzig und allein handschuhfingerförmig nach aussen h e r v o r g e s t ü l p t wird. Ich
komme im histologischen Theile h ie rau f zurück.
W e i b l i c h e O r g a n e . D e r Keimstock lie g t als annähernd kugeliges Gebilde kurz h in te r
dem Bauchsaugnapf a u f der rechten Seite des Körpers (nach v. L in s tow links). E r h a t ungefähr
die Grösse des Bauchsaugnapfes und zeigt da, wo der Keimgang aus ihm h e rv o rtr itt, eine kleine,
buckelförmige Hervorragung. Dieselbe is t gegen den Leitungsweg durch eine etwas v e rs tä rk te
Ringmuskulatur abgesetzt; d a rau f folgt zunächst wieder eine (Fig. 148, Taf. VII) nich t sehr s ta rk
m a rk irte Auftreibung des Keimganges, an deren Ende der L a u r e r ’sehe Canal aufgenommen wird.
W ir treffen in demselben einen ziemlich langen (0,5 mm) und ziemlich dicken (0,03 mm) mit einer