
selbstverständlich die Möglichkeit des gelegentlichen Vorkommens eines P d 1 nicht in Abrede gestellt
wird'). Die Ursache des Verlustes der genannten Zähne bei Erinaceidae, Canis und Phoca
ist leicht zu erkennen: in Folge der für die fraglichen Thiere eigenthümlichen Entwicklungsrichtung
sind eine oder einige Regionen des Gebisses in physiologischer Beziehung entwerthet worden,
und dieser Umstand hat eine Reduktion zur Folge gehabt, wie ich dies oben (pag. 39—40, 72)
näher ausgeführt habe. Diese Reduktion äussert sich in der zweiten Dentition nur in einer geringeren
Ausbildung der betreffenden Zähne, während dieselbe in der ersten Dentition-völlige Unterdrückung
derselben bewirkt hat. An sich ist es auch vollkommen begreiflich, dass, wenn ein Theil
des Grebisses überhaupt überflüssig wird, die schwächere, weniger werthvolle erste Dentition früher
als die stärkere, besser angepasste zweite schwindet2). Dass bei fortgesetzter Reduktion auch P 1
schwindet, dafür bieten zahlreiche Raubthiere u. a. gute Belege. Auch der durch den Schwund
der ersten Dentition erzeugte Monophyodontismus bei Bradypus wird von diesem Gesichtspunkte
aus verständlich: die Rückbildung des Grebisses als Ganzes hat zunächst die Milchzähne unterdrückt;
ob und in welchem Maasse auch das unbeschränkte Wachsthum der persistirenden Zähne
zu diesem Resultate beigetragen hat, muss ich unentschieden lassen (vergleiche meine früheren
Ausführungen HP, pag. 542)8).
Ebenso wie die bei Erinaceidae und Carnivora beobachteten Reduktionserscheinungen sind
die Verhältnisse bei den Pinnipedia zu beurtheilen: das Gesammtgebiss ist als Kauapparat
mehr oder weniger entwerthet, dementsprechend zeigt das Milchgebiss als Ganzes eine starke
und zwar stufenweise vor sich gehende Rückbildung (pag. 66—67).
Der Widerspruch zwischen diesen Befunden und dem oben geführten Nachweise, dass
sich die erste Dentition durch grössere Ursprünglichkeit vor der zweiten auszeichnet, ist nur
scheinbar. Bei den eben angeführten Fällen (Bradypus, Erinaceidae, Carnivora) ist die Rückbildung
der Art, dass von ihr bei d e Dentitionen angegriffen werden; da nun aber die erste,
-schwächer als die zweite ist, so wird jene naturgemäss zuerst unterdrückt, ohne dass dieser
Umstand als ein Beweis gegen ihr primitiveres Verhalten im übrigen angeführt werden kann.
Sehen wir uns den Fall von Chiromys etwas näher an, so haben hier offenbar beide oben aufgestellte
Reduktionsarten ihren Einfluss ausgeübt. In Folge der nagerartigen Ausbildung des
einen Schneidezahnes tr itt in der zweiten Dentition die Reduktionsart A, also ein Differenzirungs-
process, auf und bewirkt die Unterdrückung anderer Ante-Molaren, während die Reduktionsa
rt B — in diesem Falle eine durch die Nahrungsweise hervorgerufene Entwerthung der Backenzahnreihe
— eine gehemmte Ausbildung der. Backenzähne zur Folge hat. Auf die erste Dentition
1) Da nnn p d 1 bei der überwiegenden Anzahl der Sängethiere — auch mancher eocäner — fehlt, so könnte
dieser Umstand vielleicht einem Anhänger der Hypothese, dass das Milchgebiss eine nene Znthat ist, z u der Annahme verleiten,
dass dieser Zahn niemals vorhanden gewesen, sondern erst in der Entstehung begriffen ist. Einer solchen Annahme
möchte ich die Thatsache entgegenhalten, dass bei einer so alten Form wie Talpa, ferner bei den eocänen Paloplotherium
und Palaeotherium (SCHLOSSER III), bei Hyrax (W o o d w a r d I) u . a. ein P d 1 vorkommt.
2) Zu demselben Resultate sind auf vorwiegend speculativem Wege auch ROST sowie S c h l o s s e r (III) gelangt.
8) Dass übrigens auch der letztgenannte Umstand a l l e i n die Unterdrückung von Milchzähnen zu bewirken
und somit Monophyodontismus hervorzurufen im Stande ist, dafür bieten die Nager handgreifliche Beweise dar: der Schwund
des P d 4 lässt sich innerhalb natürlicher Gruppen Schritt für Schritt verfolgen; so ist er innerhalb der Dasyproctini bei
Coelogenys und Dasyprocta gut entwickelt und lange in Gebrauch, während er bei Cavia klein, bei Hydroclioerus völlig
rudimentär ist und bei beiden vor der Geburt schwindet. Bei anderen (Myopotamus, Loncheres) soll P d 4 (als verkalkter
Zahn) ganz fehlen.
M M ■ ' . Keinen nachweisbaren Einfluss ausgeübt, während die Re-
“? ■ ■ “ .**1“ beschränkter Weise sich geltend gemach« H wesshalh auch die
meteahne fest ganz » der- bei. den Halbaffen, gewöhnlichen Anzahl v o r h a n d e n " iT o Be
Bradypus, Ermaceus, Gams und Phoca') greift das die Rückbildung bewirkende Moment bei de
■ ( ■ ■ ■ D I ■ I * Wirkungen dieses, A n g r L aber l l l —
Dentition die schwächere ist, m erster Linie an dieser zu Tage, während bei Gbirmnys die mR
Merenz.rung verbundene Rückbildung vornehmlich M f f iM persistirende GetÄs zu- beeinflussen.
Theü g’.W°ge®en aS Mdohgeta® nur in ganz geringem Grade in Mitleidenschaft gezogen wird
Th i W zu derselben Kategorie wie Ghiromys g e f e t Centetes: dieser hat J d ¡ I U r 7 t Z t
infach darauf beruht, dass der untere C .eine so bedeutende Ausbildung e rla n g d l ¿0^
äussere J durch ihn völlig verdrängt wird: (also Reduktionsmodus A); der geringer entwickelte
feilen w lg ” ^ AnSbÜdmS des ^sprechenden Milcksohneidezah« kein Binderniss
ererbe* i * die Weiterführung der Versuchung der Reduktions-
— d“ “ TheÜ, der W M verschieben. Dass dieselben durchaus nicht nach
einer Schablone zu beurtheilen sind, erhellt jedenfalls aus den vorgeführten Beispielen Ich
■ ■ ■ ■ | H “ sPecieRen Theile- der «erliegenden Untersuchungen Zähne
beider Dentitionen m al len Stadien der Rückbildung kennen gelernt haben; vergleiche besonders
bei Erinaceiis (pag, d9), Phoca H Triehosurus, Phascolarctus, MaeTopus (pag. 10® u a
Dm Falle beweisen zur Genüge die Unthaltbarkeit des Rösksehen Anspruches (XI, pag 13»- v
Wenn irgendwo bei einem höheren Vertebraten Zähne zurückgebildet werden, so, fet I s immer ■HD dass an der betreffenden Stelle nur noch die Anlage der
chmelzleiste sich findet aber .keine Umwachsung von Zahnpapillen mehr.“
h«b a a q i W W M m der zweiten Dentitiom eine, gewisse Entwicklung erlangt
M m m m m H iiaage zwiscbeD1 H B B 1 H sie auch oberflaohheh von jenen Sehmelzkeimen.. zu verschwinden an. (vergl. Fig. H wobei sie
sich m Strange auflösen kann (Fig. 58g| Aus, diesen können sogenannte oder EPZ l H H H auf H H H H iiH B I bwkm wir geseken, dieselben ausserdem als Degenerationsprodukte aus Sehmelzkeimen hervorgehen
i ." Z i s L t.“
gehören - h t Gehandelte Frage ist: welcher Dentition
Obgleich O™ (III) schon 1868, die Molaren als eontinuation, baokward, of the primary
Z aW ih !™ 8 H B I I H die besondere Diskussion derselbe
— ™ H i t o a t o Gne zugezählt. 1886 sprach ioh (VHI) gelegentlich der Untersuchung
der Gebissentwicklung bei Galeopithecus die Ansicht aus, dass dieselben morphologisch zur ersten
Dentition zu zahlen seien. Li der Folge ist dann unabhängig von meinen Untersuchungen diese
g i mlich lebhaft debattirt worden. So: rechnet B eatoegard die Molaren zur ersten Dentition
wahrend, L atastk, dem- sich M agitot ansohldesst, & ältere Ansicht vertheidigt. Auf Grund des
- s r - I -1—■ Bib h o th ec a zoologica. H e ft 17.