
ersten Dentition (siete oben bei. Diddphysj ■ also ganz wie es W oodwabd * r Betrogale
angiebt1)! ' ' .
A lle b is h e ilte b e k a n n te n o n to g e n e tis c h e n T h a ts a c h e n s c h e in e n m ir
som it g an z e n ts c h ie d e n d ie A n n ahm e n a h e z u le g e n , d a s s b e i den B e u te lth ie r e n
a lle A n te -M o la re n , P 3 ausgenommen, dem „M ilc h g eb iss“ d e r P l a c e n t a l i e r e n t-
s p re c h e n — e in e A u f fa s s u n g , die au ch m it a n d e r e n m o rp h o lo g is e h e n Tha$.i
Sachen (siehe lihten) im E in k lä n g e s te h t.
Zwei prineipiell wichtige Fragen drängen sieh, uns hier auf, nämlich:
1) Wesshalb entwickelt sich von den Anlagen der zweiten Dentition nur. P 3?
2) Sind die auf einer gewissen Entwicklungsstufe bei den Beutelthieren vorhandenen
knospenförmigen Schmelzkeime Reste einer geschwundenen, einstmal vollständiger
ausgebildeten zweiten Dentition, von welcher heute nur noch R 3 zur vollen
Entwicklung gelangt ; oder haben die Beutfithiere nie.eine vollständige ¡zweite
Dentition besessen, und sind desshalb diese Schmelzkeime Anfänge zu einer solchen,
welche bei günstiger Gelegenheit, resp. bei Bedarf fähig Sein könnten; sieh/zur
vollen Reife zu entwickeln?
Was die erste Frage betrifft, sw' dürfte die Lösung derselben nahe liegen. Da das Auftreten
nur e in e s funktionirenden Ersatzzahnes fi§ a lle Beutelthiere ganz unabhängig von der
Differenzirungsstufe, welche das Gebiss1 erreieht hat, charakteristisch ist, muss dieteÄImstand
selbstverständlich a u c h t l e tw a s 'f ü r a lle B e u te lth ie r e (lemeinnaraen bedingt seih.
Ferner Hegt es auf deh Hand, dass diese gemeinsame Organisationseigenthümlichkeit eine solche
sein muss, welche schon in zeitiger Lebensperiode ihren Einfluss ansüben kann Sb weit unsere
heutige Kenntnis' reicht, kann dieses Gemeinsame nur in dem Vorkommen ■ des Säugmundes,
welcher, wie ich früher (V) nachgewiesen habe, erst im Anfang der extra-utipien Entwicklung
entsteht, liegen. Es scheint mir somit die Annahme berechtigt, dass' das Zustandekommen des
Saugmundes, dieses1 für die Brutpflege der Beutler so wichtigen Organes, die Ausbildung des
vorderen Theiles der zweiten Dentition gehemmt hat
Hiermit sind wir bei der zweiten Frage:, ob die knospenförmigen Schmelzkeime als Reste
oder Anfänge einer zweiten Dentition aufzufassen sind, angelangt. Wenn ich auch keineswegs
die Schwierigkeit verkenne, welche die Annahme der zweiten Alternative init Rücksicht auf das
r) Wenn ROSE in seiner Berichtigung (VII) den P d 3 bei Dideiphys als „Milch-Molar“ nnd nicht als „Milch-
Prämolar“ bezeichnet wissen will, da dieser Zahn „in seinem ganzen Habitns einem Molaren entspricht ünd durch Verschmelzung
von 5 Zahnscherbchen entsteht“, so ist hingegen zu bemerken, dass Dideiphys in dieser Hinsicht durchaus
nicht von der Mehrzahl der übrigen Sängethiere verschieden ist, bei' denen ans leicht einznsehenden physiologischen
Gründen (vergleiche meine frühere Schrift III pag. 581) der hinterste Milchbackenzahn „in seinem ganzen Habitns einem
Molaren entspricht.“ _
Ferner spricht RÖSE in der Berichtigung wie auch in seiner früheren Arbeit (VI) davon, dass P d d bei Dideiphys
u. a. r e s o r b i r t wird. Dass diese Angabe nicht dem thatsächlichen Verhalten entspricht, dass vielmehr der fragliche
P d 3 recht lange zusammen mit den persistirenden Zähnen funktionirt, ist schon seit geraumer Zeit bekannt, und
kann man sich hiervon in fast jeder osteologischen Sammlung überzeugen.
*) Kükenthai, (V) spricht die Ansicht aus, dass „bei den Beutelthieren die zweite Dentition desshalb nicht
erscheint, weil die Zahne der ersten sich hoch specialwärts haben.“ Diese Erklärung kann schon aus dem Grunde das
Rechte nicht getroffen haben, weil dann ja auch bei den Placentaliern mit ebenso hoch specialisirtem Gebisse die zweite
Dentition nicht erscheinen sollte, was bekanntlich nicht der Fall ist. lieber das Unterdrücken einer Dentition, mit ändern
Worten: über das Zustandekommen des Monophyodontismus siehe meine Bemerkungen in III pag. 532.
Zustandekommen solcher, in ihren ersten Entwicklungsstadien anscheinend nutzloser Bildungen
bereitet, sprechen dennoch folgende Umstände zu Gunsten dieser Alternative. Zunächst ist zu
betonen, dass bei den Beutelthieren die Schmelzkeime der zweiten Dentition sich meist länger
als die Schmelzleiste erhalten, a lso g a n z wie b e i e in e r A n lag e , a u s d e r e in Z ah n sic h
w ir k lic h e n tw ic k e lt; hätte die Zahnanlage jede Bedeutung eingebüsst, so ist schwer ein -
zusehen, wesshalb sie als knospenförmiger Schmelzkeim sich länger als ihr Mutterboden, die Schmelz-
leiste, erhalten sollte. Ebenso bedeutungsvoll ist der Umstand, d a ss d e r S ehm e lzk e im
s ic h so a u f f a lle n d la n g e e r h ä l t , wie z. B. b e i D id e ip h y s n eb en dem f a s t v ö llig
fa u sg e b ild e te n J d 1, an welchem von embryonalen Gebilden nur noch das innere Schmelzepithel,
auch dieses schon sehr stark reduzirt, übrig ist.
Ferner: falls wirklich jemals eine vollständige zweite Dentition ausgebildet gewesen
Wäre, ist es kaum zu erklären, wesshalb z. B. bei Dideiphys, wo durchaus keine Ursache zu
einer Rednction oder retrograden Entwicklung des Zahnsystems als G an z e n vorliegt und
actisch auch keine Reduction eintritt, die zw e ite und nicht vielmehr die erste, im allgemeinen
schwächere Dentition unterdrückt wurde — etwas, das ja auch nach dem Princip der Abkürzung
der Entwicklung zu erwarten gewesen wäre.
Schliesslich spricht zu Gunsten meiner Annahme der oben gelieferte Nachweiss, dass bei
Erinaceus (pag. 43) und Phoca (pag. 69) factisch aus den knospenförmigen Anschwellungen
lingualwärts von den Zähnen der zweiten Dentition ausgebildete Zähne, einer dritten Dentition
angehörig, hervorgehen können. Es wäre also eine dieser Thatsache vollkommen, analoge' Erscheinung,
wenn jene Anlagen bei Marsnpialia unter günstigen Bedingungen zur Reife gelangten.
Mit diesen Thatsachen ist die folgende in Zusammenhang zu bringen. Bei dem Jura-
Säuger Triconodon serrula und wahrscheinlich auch bei ändern Polyprotodonten der Purbeck-
Schichten ?) hat nur der letzte Prämolar einen entwickelten Nachfolger. Also ging sehon bei
dem einzigen jurassischen Säugethiere, bei dem bisher ein Zahnwechsel beobachtet ist, dieser in
ganz derselben Weise wie bei den heutigen Beutelthieren vor sich, und dürfen wir wohl annehmen,
dass'die Ursache dieser Erscheinung die nämliche war. Wollte man nun voraussetzen,
dass die Vorfahren dieser Jura-Säuger eine vollständige zweite Dentition besessen haben, so
wäre also diese Dentition schon v o r der Juraperiode bis auf P 3 (respective P 4) unterdrückt
worden, nnd hieraus würde wiederum folgen, dass die Anlagen der verloren gegangenen Zähne
sieh seit jener Zeit bis auf den heutigen Tag immer wieder vollzählig, aber vollkommen nutz- und
hoffnungslos als rudimentäre Organe entwickeln und sich, wie oben nachgewiesen, in einer späten
-Lebensperiode noch erhalten — eine Annahme, welche wenigstens auf Wahrscheinlichkeitk einen
Anspruch machen kann.
Bis auf weiteres muss ich desshalb, der von-K ü k e n t h a l vertretenen Ansicht entgegen,
annehmen, d a s s e in e v o l ls tä n d ig e zw e ite D e n titio n , bei den B e u te lth ie r e n hie
e x i s t i r t h a t, sondeiyi e r s t von d en P l a c e n t a l i e r n e rw o rb e n w o rd e n is t. Jedenfalls
deckt sich diese Hypothese mit den zur Zeit vorliegenden thatsächlichen Befunden noch am
vollständigsten2).
') Vergleiche hierüber Thomas (I).
*) Mit Recht hat Thomas (V) auf die erhöhte Schwierigkeit, welche durch die Annahme der Kükenthal'sehen
Hypothese in Hinblick auf das Verhalten bei Triconodon entsteht, aufmerksam gemacht: „At the same time it is evident
that on this view many of the known1 facts seem to become more instead of lesS difficult of interpretation. Thus the fact
Bibliotheca zoologica. Heft 17. J4