
Individuen zu Gesicht, bei denen die Knospen eines Längsstreifens nicht genau in einer Linie
untereinander standen, insofern eine Tochterknospe in adradialer Richtung verschoben war.
Die Knospen lösen sich nun, genau ihrem Alter entsprechend, successive von dem Manu-
brium los. Unter den mir vorliegenden Exemplaren fand ich einige, bei denen die Trennung der
ältesten Tochterknospe bereits vor oder kurz nach Anlage des dritten Knospenkreises erfolgt
war (Fig. 2). Andererseits fand ich auch Exemplare mit vier Knospenkreisen, bei denen.noch
keine Tochtermeduse sich losgelöst hatte (Fig. 4). Die Zweitälteste und in einigen wenigen Fällen
auch die drittälteste Knospe waren ebenfalls auf älteren Stadien abgefallen. Da mir keine Exemplare
Vorlagen, bei denen die Trennung der Tochterknospen weiter gediehen war, so bemerke ich,
dass man ein ungefähres Urtheil über die Zahl der abgefallenen Knospen aus der Stellung der
ältesten noch ansitzenden sich zu bilden vermag. Wenn dieselben in der Mitte des Manubriums
oder erst im unteren Drittel desselben beginnen, so müssen der oberste oder die beiden obersten
Knospenkreise bereits zur Loslösung gelangt sein, weil der älteste Knospenkreis stets den proximalen
Magenabschnitt umsäumt.
ad 4. Ein wesentlicher Unterschied zwischen knospenden Sarsiaden und Margeliden ergibt
sich insofern, a ls n iem a ls bei M a rg e lid e n R e s e rv e k n o sp e n a n g e le g t werden.
Ich habe weder bei BathJeea noch auch bei der später zu besprechenden Gytaeis macrogaster neben
den Tochterknospen Anlagen bemerkt , welche man nach Analogie der Sarsiaden als Reserveknospen
in Anspruch nehmen könnte. Da sie auch auf keiner Abbildung von knospenden Margeliden
angedeutet werden, so glaube ich, dass der Mangel von Reserveknospen für alle Vertreter
der Gruppe charakteristisch ist.
ad 5. Wie bereits S a r s , K ro h n und mehrere neuere Beobachter bemerkten, so bilden
sich an den Manubrien der festsitzenden Tochtermedusen wiederum die Knospen für eine Enkelgeneration
aus. Nach meinen Wahrnehmungen erfolgt ihre erste Anlage genau nach dem oben
formulirten Knospungsgesetz-auf jenen frühen Stadien, wo die Tochterknospen nur acht stummelförmige
Tentakel (vier längere radiale und vier kürzere interradiale) besitzen. Fig. 10 stellt den
Querschnitt durch ein derartiges jüngeres Stadium dar, auf dem erst eine Enkelknospe (I) sich
entwickelt hat. Die opponirte zweite Enkelknospe (H) wird lediglich durch eine Verdickung
des Ektoderms angedeutet. Bei den ältesten Tochterknospen hat vor ihrer Loslösung von dem
Mutterthier die Entwicklung der Enkelknospen bedeutende Fortschritte gemacht. Der erste
Knospenkreis von vier Enkelknospen ist vollständig zur Ausbildung gelangt (Fig. 11), während
der zweite Knospenkreis die jüngsten Enkelanlagen wenigstens durch Ektodermverdickungen andeutet.
Auf Fig. 13 ist ein kleiner Theil des Längsschnittes durch eine Tochterknospe dargestellt,
welcher eine Enkelknospe (II) des ersten Cyclus (sie entspricht in ihrer Ausbildung
etwa der Knospe III von Fig. 11) und die darunter gelegene Ektodermverdickung für die entsprechende
Enkelknospe des zweiten Kreises (VI) getroffen hat.
Wenn wir daher die obigen Formeln für das Knospungsgesetz durch Einfügen der Bezeichnungen
für die Enkelknospen ergänzen und durch in kleine Kreise eingetragene römische
Ziffern die letzteren andeuten, so würde sich für eine üppig proliferirende JRathlcea mit vier
Knospenkreisen folgendes Schema ergeben:
Was nun das Stellungsverhältniss der Enkelknospen anbelangt, so bemerke ich, dass in
den meisten Fällen eine durch zwei opponirte Enkelknospen gelegte Ebene die Hauptachse der
Muttermeduse unter einem Winkel von 45 0 schneidet.
Es liegt auf der Hand, dass durch die frühzeitige und üppige Produktion von Enkelknospen
eine ungemein ausgiebige ungeschlechtliche Vermehrung der Margeliden bedingt wird.
So berichten denn auch A. A g a s s iz (1865, p. 163) und F ew k e s (1881, p. 143), dass die knospenden
Margeliden — speziell Dysmorphosa fulgurans und Lizzia grata — in grossen Schwärmen
erscheinen. „This medusa (Dysmorphosa fulgurans) is sometimes so abundant that the whole sea,
when disturbed, is brilliantly lighted by the peculiar bluish phosphorescent color which they
give out.“ Das Leuchtvermögen der Margeliden, welches A g a s s iz hier von Dysmorphosa her-
vorhebt, hat übrigens schon R a th k e bei der gleichfalls in grossen Schwärmen erscheinenden
Rathlcea (Oceania) Bhimenbachii beobachtet (1835, p. 322).
Ziemlich übereinstimmend berichten weiterhin die meisten Beobachter, dass die ungeschlechtliche
Vermehrungsweise bei Margeliden der Produktion von Geschlechtsprodukten vorausgehe.
Wann die Bildung derselben bei BathJeea octopunctata anhebt, vermag ich nicht anzugeben,
da ich (wie oben bereits hervorgehoben wurde) keine Spur von Geschlechtsanlagen bei den mir
vorliegenden Exemplaren bemerken konnte. Möglich ist es, dass die in den Radien auftretenden
Ovarien und Hoden schon gebildet werden, während die untersten Knospenkreise dem Manubrium
noch ansitzen. Jedenfalls spricht für diese Vermuthung die Beobachtung von H a e c k e l (1879,
p. 74), dass bei Cytaeis nigritina unterhalb der Gonaden zahlreiche Knospen dem Magen aufsassen.
Was ich hier für BathJeea unerledigt lassen musste — nämlich die Beziehungen zwischen
geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung das glaube ich in dem weiteren Verlaufe
dieser Mittheilungen für eine zweite Margelidenart, Lizzia Glaparcclci, erschöpfend darlegen zu
können.