
A u s d en v o r l ie g e n d e n U n t e r s u c h u n g e n g e h t f e rn e r h e r v o r , das-s hei
M yrmccohius, Macropodidac u n d Phascolomys im v o r d e m K i e f e r t h e i l e v o l l k
om m e n v e r k a l k t e , f r ü h r e i f e Z ä h n e e in e s v o n n i e d e r n W ir b e i t h i e r en e r e
r b t e n G e b is s e s , w e lc h e s ä l t e r a ls d ie p e r s i s t i r en d e , d e r e r s t e n D e n t i t io n
d e r P l a c e n t a l i e r homo lö g e Z a h n s e r i e i s t , v o r h a n d e n s in d . Um nicht zu
wiederholen, verweise ich auf meine obige Darlegung pag. 90—-92 und 97—101. Es mag vielleicht
befremdend erscheinen, dass bei Thieren mit so stark differenzirtem Gebisse wie Phascolomys
solche Reste vorhanden sind, während sie bei der verhältnissmässig viel primitiveren Didelphys
nicht angetroffen sind. Auf diesen Einwand kann ich nur erwidern, dass dieser Befund nicht
befremdender oder unerklärlicher ist, als die durch zahlreiche Beispiele zu belegende Thatsache,
dass auch in Bezug auf andere Organsysteme sich bei im übrigen höheren, mehr differenzirten
Thierformen primitive, alterthümliche Zustände in rudimentärer Form erhalten haben, während
diese Rudimente bei verwandten niederen, sonst ursprünglicher organisirten Formen bereits ausgemerzt
sind.
In diesem Zusammenhänge verdient auch erwähnt zu werden, dass bei Didelphys und
nach W oodward (II pag. 460, Fig. 25) bei Petrogale1:) von dem oberflächlichen Theile der Schmelzleiste
labialwärts Sprossen ausgehen, welche ebenso wie bei JErinaceus als Andeutungen von der
ersten Dentition vorangegangenen Zahnanlagen gedeutet werden müssen, wenn sie auch nicht
wie bei Myrmecohius etc. zur vollen Entwicklung gelangt sind.
J e d e n f a ll s k ö n n en w ir au s dem z u r Z e it v o r lie g e n d e n T h a ts a c h e n -
b e s ta n d e fo lg e n d e n fü r d a s Y e r s tä n d n is s des S ä u g e th ie rg e b is s e s b e d e u tu n g s v
o lle n S c h lu s s s a tz z ie h e n : B e i a lle n B e u te lth i e r en f u n k t io n i r t w ä h re n d des
g a n z e n L e b e n s ein e D e n titio n , w e lch e m it A u sn ahm e e in e s Z a h n e s dem M ilc h g
e b is s d e r P l a c e n t a l i e r 'e n t s p r i c h t , w ä h r e n d von d e r zw e ite n D e n titio n d e r
l e t z t e m n u r e r s t ein e in z ig e r Z a h n z u r v o lls tä n d ig e n E n tw ic k lu n g g e la n g t
i s t ; a u s s e rd em k ö n n e n sic h v o llk om m en v e r k a lk t e R e s te e in e s d e r e r s t e n
D e n tito n v o r a n g e g a n g e n e n , von den V o r fa h r e n d e r S ä u g e th ie r e e r e r b te n G e b
is s e s e r h a lte n . T ro tz a l l e r D i f f e r e n z ir u n g , w e lc h e r das Z a h n s y s tem d e r
B e u te lth i e r e f ä h ig i s t , r e p r ä s e n t i r t es doch e in e n i e d r ig e r e E n tw ic k lu n g s - '
s tu f e a ls d asjemige d e r P l a c e n t a l i e r in s o f e rn die zw e ite D e n titio n n u r :e r s t
zum g e r in g em T h e ile e n tw ic k e lt is t, und „Vor-M ilchzähne“ in v o l l s t ä n d ig e r e r
W e is e a ls b e i den P l a c e n t a l i e r n Vorkommen können.
In Bezug auf die M o la re n sei nur bemerkt, dass die Uebereinstimmung in der Entwicklungsweise
mit den vorausgehenden Milchbackenzähnen hier in sehr frappanter Weise hervortritt.
Lingualwärts sowohl vom M l als vom M 2 habe ich deutliche knospenförmige
Schmelzkeime nachweisen können.
Schliesslich möchte ich noch auf eine für die Beurtheilung der Stammesentwicklung der
that Triconodon, one of the earliest known Mammalia, changed a single tooth only, and that the very one which changes
in the modern Marsupials, now appears most inexplicable, and is alone almost calculated to stagger belief in primitive
diphyodontism.“ Durch Annahme der von mir vorgetragenen Hypothese scheint mir dieses Bedenken aus dem Wege
geräumt zu sein, da ja nach dieser Triconodon nie mehr als den einen Prämolaren der zweiten Dentition gehabt hat, und
somit der Diphyodontismus in Thomas’ Sinne erst anfängt sich auszubilden.
*) Bei Petrogale sind sie besonders deutlioli und gehen von der Schmelzleiste über M 1 aus.
Beutelthiere wichtige Thatsache aufmerksam machen. Bei Trichosums und Phascolarcbus habe
1ch, bei Macropus hat W oodward und bei Phascolomys R öse — wenn ich anders die Befunde des
letztgenannten Forschers richtig gedeutet habe — in jüngeren Stadien unverkennbare Anlagen
solcher Zähne gefunden, welche im persistirenden Gebisse der polyprotodonten Beutelthiere vor*
handen sind, in demjenigen der besagten diprotodonten Formen dagegen gänzlich fehlen. Diese
nur beim Marsnpium-Jungen auftretenden Zahnanlagen sind bei Trichosarus P d y-V, bei Phascol-
a/rctus J d A, bei Macropus. Cd Pd 1; und bei Phascolomys J d — Cd ~ P d A. Da also bei den
genannten Beutelthieren die durch Reduction eingebiissten Zähne noch ontogenetisch nachweisbar
sind, während bei mehreren anderen Thieren dies nicht der Fall ist, wie ich es, um
nur ein auffallendes Beispiel zu nennen, bei dem madagassischen Insectivoren Ericulus (siehe
oben pag. 46) nachweisen konnte, legt dieser Umstand die Annahme nahe, d a s s die je tz ig e
G e b i s s d i f f e r e n z i r u n g d e r f r a g lic h e n B e u te lth i e r e eine r e l a t i v ju n g e , s p ä t
e rw o rb e n e is t.
In diesem Zusammenhänge möchte ich ausdrücklich hervorheben, dass die ontogenetischen
Untersuchungen bisher keinen Aufschluss, über die Homologien der einzelnen Zähne der Beutelthiere
und derjenigen der Placentalier gegeben haben. Auch die von T homas (I) versuchte
Homologisirung der Prämolaren der Beutelthiere gewinnt durch die ontogonetischen Befunde
keine Stütze.