
scheinlich ebenfalls ein wenig reizend,: aber jedenfalls schwach, denn die geschlossenen Öffnungen
werden rasch wieder geöffnet. Man erhält nlit den schwächsten Reizstöfflösungen fast regelmässig
Schluss von Mund und After, dies ist indessen Folge mechanischer Reizung durch die Wasserströmung
und tritt auch ein, wenn man reines Wasser Zuströmen läst. Bei Anwendung von Pikrinsäure und
dergl. worden die Öffnungen viel rascher und energischer und auf längere Zeit geschlossen, und das
ganze Tier verkürzt sich mehr. Bei Stoffen, welche, wie Chinin, an der Grenze der Wirksamkeit
stehen, ist es schwer zu entscheiden, wie viel an der erzielten Reaktion auf chemische Reizung zu
schieben ist.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Giona der chemische Sinn bis auf Spuren fehlt.
Aus der Lebensweise, speziell der Art, wie das Tier sich die Nahrung zuführt, ist das Fehlen
des chemischen Sinnes leicht zu verstehen: Bei f e s ts itz e n d e n Tie ren, p f le g t h äu fig nur
die G egend d e r Mundöffnung, bezw. d e r Öffnung der Kiemenhöhle, g eg en chemische
Reize em p fin d lic h zu se in (Muscheln ohne Ortsbewegung, wie Mya; ferner Giond;
Serpula, Protula u. A.)
Das sehr widerstandsfähige Gewebe des Mantels der Giona bedarf eines Schutzes durch Empfindlichkeit
nicht, daher seine geringe Reizbarkeit.
Wohl ausgebildet ist bei Giona die Empfindlichkeit gegen Licht am ganzen Körper.
Da der sog. Mund der Ascidien zugleich zur Kiemenhöhle und zum Darmkanal führt, könnte
man denken, die eigentliche Eingangsstelle des letzteren, eine Art' innerer Mund, besitze vielleicht
Schmeckvermögen. Ich liess daher versuchsweise mittelst einer fein zugespitzten Glasröhre in die
äussere Mundöffnung Vanillinlösung einfliessen, überzeugte mich jedoch, dass der Erfolg kein anderer
war, als wenn ich Wasser einfliessen liess. Ganz vorübergehend schloss sich die Öffnung;, um sich
sogleich wieder zu öffnen. Etwa eine halbe Minute später beobachtete ich allerdings einmal ziemlich
kräftiges Ausstossen von Wasser aus der Mundöffnung; das Vanillin hatte also langsam eingewirkt,
vielleicht auf die Kiemen. Schmecken kann man ein so langsames Reagieren nicht nennen.
E c h i n o d e r m e n .
Von Echinodermen verwendete ich zu Versuchen A s te r ia s (Asteracanthion) rubens,
A. g la c ia lis, E chinaster se p o situ s, Ophi o derma (spec.?) und Anthedon rosacea.
Mehrfache Angaben liegen in der Litteratur über Äusserungen des chemischen Sinnes bei
Echinodermen vor; ' So teilt Noll (224) Beobachtungen am Seeigel mit, welche für Schmeckvermögen
der Mundfüsschen sprechen.
Romanes and Ew a rt (267) teilen Experimente an Seesternen mit, welche bestimmt sind,
über die Ausbildung des Gesichts- und Geruchssinnes Aufschluss zu geben. [Die Ocellen besitzen
Gesichtsfunktion, wie sich leicht feststellen lässt, indem diejenigen Tiere, welche der Ocellen beraubt
waren, nicht mehr auf das Licht reagierten]. „Indem die der Ocellen beraubten Tiere in gleicher
Weise, wie solche mit denselben, nach vorgehaltener Speise sich bewegten, so folgert Verfasser, dass
der Geruchssinn nicht speziell in den Ocellen liege, sondern über die ganze untere Fläche des Tieres
ausgebreitet sei." (Zool. Jahr. Ber. 1883).’ •
J o u r dan macht (pg. 131) die wohl nicht auf eigene Erfahrung gestützte Angabe, man suche
bei den Echinodermen vergeblich nach Äusserungen des Geschmackssinnes ; dieselben legten vielmehr
bei der Auswahl ihrer Nahrungsmittel grosse Gleichgiltigkeit an den Tag, sodass sie ohne Unterschied
kleine Weichtiere, allerlei organischen Detritus, selbst Schlamm verschlingen.
P r o u h o (247) „sucht den Geruchssinn der Seesterne an Asterias glacialis folgendermassen nachzuweisen.
Es ist längst bekannt, dass wenn man in das Gefäss, welches das Tier umschliesst, im Abstande
von etwa 50 cm eirien toten oder lebenden Fisch legt, es sofort sich ihm nähert * indem zuerst
die Palpen des nächstliegenden Armes sich bewegen und zwar von der Spitze anfangend. Man kann
so das Tier durch Verlegen des Köders hin- und herführen. Exstirpation der Augenpunkte ändert
hieran nichts. Teilt man das Gefäss durch eine Scheidewand, welche unten eine kleine Lücke hat,
in zwei Teile, und bringt in den einen den geblendeten Seestern, in den anderen den Köder, so
bewegt sich ersterer mit einem Arm sofort der Öffnung zu, sobald man eine leichte Strömung vom
Köder gegen die Scheidewand bewirkt. Vf. hält dadurch den Geruch für festgestellt (ebenso gut
könnte man wohl von Geschmack sprechen? Ref.) Sein Sitz ist, wie weitere Versuche zeigen die
Ambulacralröhren hinter den Augenflecken. Durchschneidung eines Ambulacralnerven etwa 2 cm vom
Armende bewirkt, dass der beschriebene auf das Ende wirkende Reiz nur auf die Bewegungsapparate
dos Armendes, nicht auf den Rest des Tieres wirkt.“ (Citiert aus : Jahresbericht über die Fortschritte
der Anat. und Physiol., von L. Hermann und G. Schwalbe Abteil; Physiol. Bd. 19. 1890.)
P ro u h o macht nun aber noch einige weitere Versuche, die mit den oben erwähnten Schlussfolgerungen
von-R om an e s und E w a rt und meinen Ergebnissen nicht so ganz stimmen.
P rouho sagt (pg. 1345)|i’?„J,ai coupé les quatre vertèbres extrêmes des cinq bras d’une
Astérie, de manière à priver l’animal de toutes ses palpes. Plus d’un mois est aujourd’hui écoulé
depuis l’opération, et je n’ai jamais pu obtenir de cette Astérie qui avant d’être opérée s’était montrée
très habile à rechercher sa proie, la moindre excitation à l’approche d’un appât mort ou vivant.
J ’ai enlevé toutes les palpes d’une Astérie, en respectant les taches oculaires. Ce sujet, qui