
Inhaltsverzeichniss.
i i .
A u r i c u l a r i a
Körperfom und Verlauf der aboralen Wimperscbnur
Ektoderm und Nervensystem ...............................
Die Mundbucht und die orale Wimperschnur . . . .
Die physiologische Bedeutung der oralen und aborale
Der Darmtrak tn s .............................................................
Leibeshöhle und Ambulakralsystem . ....................
Die Bildung der Aurikularienrädchen.........................
Ueber Biokrystallisation . . . . ' .................................
K a p ite l.
n u d i b r a n c h i a t a .
Wimperschnüre
Auricularia nudibranchiata.
Während der Monate Januar bis März 1887 erschienen vereinzelt in dem pelagischen
Auftriebe vor Orotava Holothurienlarven, welche bei vollendeter Durchsichtigkeit nicht nur wegen
ihrer ungewöhnlichen G-rösse, sondern auch wegen des ungemein verwickelten Verlaufes ihrer
Wimperschnüre meine Aufmerksamkeit in hohem Maasse fesselten. Die zuerst (am 11. Januar)
beobachteten Larven waren die kleinsten und jüngsten; allmählich nahmen sie während des Februars
an G-rösse zu, bis endlich das am 13. März erbeutete Prachtexemplar bei einer Länge von
etwas über 6 Millimetern den Höhepunkt in der Entwicklung der von mir beobachteten Stadien
abgab. Es dürfte die genannte Larve nicht nur die grösste bisher beschriebene Auricularia,
sondern auch, wenn man die Ausbildung der inneren Organe (Darm, Ambulacralsystem) in Betracht
zieht, die stattlichste aller beobachteten Echinodermenlarven repräsentiren. Da sie über
und: über mit zöttchenförmigen Auswüchsen bedeckt is t, auf welche die seitliche Wimperschnur
in reizvollen Arabesken Windungen übergreift, so gleicht sie auf den ersten Blick einer kleinen
nudibranchiaten Schnecke. Ich habe deshalb für diese Auricularia, deren Zugehörigkeit zu dem
Mutterthier einstweilen noch unbekannt ist, den provisorischen Namen Auricularia nudibranchiata
in Vorschlag gebracht.
Da ich gerade zu jener Zeit, wo die fünf von mir beobachteten Larven erschienen, mit
dem Studium der mir überreichlich zufliessenden Siphonophoren beschäftigt war, so conservirte ich
die Larven mit Ueberosmiumsäure und Chromosmiumsäure. Die meisten waren denn auch so
tadellos erhalten, dass ich mit dem Zeichnenprisma ein möglichst getreues Bild ihrer Organisation
zu entwerfen vermochte, und ich brauche wohl kaum zu versichern, dass die Arabesken Windungen
der Wimperschnur, wie ich sie in Fig. 5 und 6 zur Darstellung bringe, Zug für Zug gewissenhaft
dem Original nachgebildet sind. Wohl aber kann ich nicht verhehlen, dass eine Beobachtung
des lebenden Organismus mir über die Art der Wimperung und über manches andere Detail
einen befriedigenden Aufschluss gegeben hätte. Ich fühle diesen Mangel allzusehr, als dass ich
mich noch weitläufiger über ihn auslassen möchte.
1. Körperform und Verlauf der aboralen Wimper schnür.
Die jüngsten beobachteten Larven maassen 3 mm und übertrafen somit an G-rösse beträchtlich
alle bisher bekannten Auricularien. Denn die Larve von Holothuria tubulosa erreicht
nach Selenka (1883) eine Länge von 0,45 mm, während die von Joh. Müller (1848) entdeckte
Auricularia mit Kugeln 0,9 mm und endlich die Synaptalarve nach J. Müller (1848) und Baur
(1864, I I, p. 20) 0,8 mm, nach Semon (1888, p. 203) sogar 1,7 mm misst. Alle die zuletzt