
c h l o a zu T i m a r c h a f o r t l a u f e n d e K e t t e , so d a ß m a n v o n e i n e r z u n
e h m e n d e n T i m a r c h i s a t i o n d e r o r i n o i d e n A u s g a n g s f o r m e n r e d e n
k a n n .
Von der phylogenetischen Einheit der zur Gattung Chrysomela gehörenden Arten war schon die
Rede; sie umfaßt höchstwahrscheinlich auch die anderen beiden Gattungen. Diese Annahme läßt
sich wohl kaum kürzer und überzeugender darlegen als durch Anführung der systematischen Merkmale,
auf Grund deren die Gattungsgruppen der Chrysomelini und die fraglichen drei Gattungen selbst
getrennt werden. Ich wähle hierzu die knappe, klare Darstellung aus S e i d l i t z (1891, S. 173/174).
Chrysomelini.
1 Metast. sehr kurz, die Hhft. stehen, den Mhft. ebenso nahe als die Vhft., B.
lang, alle Schenkel überragen die S. des breiten Krp., Gelenkhöhlen der Vhft. nach
hinten geschlossen, die Vhft. der Mbr. nicht anliegend, Prost, hinten gerade abgeschnitten
ohne Fortsatz............................................................................................................... l . T i ma r c h i n a .
V Metast. ± lang, die Hhft. v. den Mhft. weiter entfernt als die Vhft., B. kurz,
die V.- u. Mschkl. überragen die S. des Krp. nur, wenn dieser sehr schmal ist (Phratora,
Prasocuris), Gelenkhöhlen der Vhft. nach hinten meist offen und die Vhft. der Mbr.
anliegend (Ausnahme Entomoscelis).
2 Der innere Sr. der Flgd. an der Sp. kurz bewimpert, Endgl. der Maxtast.meist dz
verdickt und a b g e s tu tz t................................................................................................................ 2. C h r y s o m e l i n a .
2' Sr. der Flgd. nicht bewimpert.
3 Flgd. verworren pkt...........................................................................................................3. E n t om o s c e l i n a .
3' Flgd. g e s t r p k t . 4. P r a s o c u r i n a.
1. T i m a r c h i n a .
Flgd. fast kugelig, meist an der Naht verwachsen, verworren pkt. oder gerunzelt,
die Vtars. des <$ stark verbreitert. In Eur. über 60 (Cat. 1906 73) Arten, meist im
westl. Mittelmeergebiet................ ..............................................................................................Timarcha Latr.
2. C h r y s o m e l i n a .
1 Metast. kürzer als das 1. Abdsgm., Flgd. mit dem kaum vortretenden Schl.,
oft gstrpkt., Krp. meist kurz und gewölbt, selten lang und gewölbt, noch seltener lang
und flach (marginata, analis)..................................................................................................... Chrysomela L.
1' Metast. so lang als das 1. Abdsgm., Flgd. mit deutlich vortretenden Schl.,
verworren pkt., selten mit angedeuteten Pktreihen, Krp. gestreckt und ± flach. In
Eur. 18 A r ten ................................................................................................................................Oreina Redtb.
(NB. Ausgelassen wurde die Gattung Gyrtonus Latr.)
Chrysochloa (Oreina) und Chrysomela wurden von älteren Autoren überhaupt nicht getrennt;
über die Beziehungen von Chrysomela und Timarcha drückt sich S u f f r i a n (1851) in seiner ausgezeichneten
Monographie dahin aus: die Arten der 1. Gruppe von Chrysomela sind (timarchoide),
plumpe, unscheinbare, durch Größe ausgezeichnete Tiere von S.-Eur., S.-O.-Eur. u. N.-Amer., welche
mit den eigentlichen Timarchen durch die sibirische Gruppe der Chrys. (heute Crosita Motsch.) altaica
Gebl. u. a. Zusammenhängen.
Wie wir sehen, sind die systematischen Unterschiede zwischen den drei Gattungen nicht bedeutend
und z. T. relativ, was mit dem allmählichen Übergang von der orinoiden zur timarchoiden
Form von selbst gegeben ist. D a » . I n t e r e s s a n t e i s t , d a ß w i r i n d i e s e r z u n
e h m e n d e n T i m a r c b i s a t i o n d i e K o r r e l a t i o n z u n e h m e n d e n A b b a u e s
d e s F l u g a p p a r a t e s e r k e n n e n k ö n n e n . Es sei kurz auf Einzelheiten hingewiesen.
a) D a s S t e r n u m .
Die Hinterbrust ist ihrer flugphysiologischen Bedeutung entsprechend bei Chrysochloa etwa
viermal so stark entwickelt als die Mittelbrust. An Mächtigkeit verschwinden ja die zum bloßen Heben
und Senken der Elytren nötigen und im Mesothorax untergebrachten Muskeln im Vergleich zu dem
mächtig entwickelten motorischen Muskelapparat der Alae in der Hinterbrust. Entsprechend dem
Grad der Entflügelung vollzieht sich in der Gattung Chrysomela eine Verkürzung der Hinterbrust.
Das ist beim Durchmustern dieser Gattung bereits mit der Lupe deutlich zu erkennen, noch überzeugender
mit Hilfe der Zeichnung und Messung. Die so gefundenen Zahlen können auf absolute
Genauigkeit keinen Anspruch machen, da die genaue Justierung der Objekte unter dem Mikroskop
seine Schwierigkeiten hat. Immerhin geben die Zahlen doch ein Bild von der dem Grade der E n tflügelung
entsprechenden Verkürzung der Hinterbrust.
Stellen wir Mikroskop und A b b e sehen Zeichenapparat so ein, daß für die Breite der Hinterbrust
stets die gleiche Größe erreicht wird, so ergeben sich folgende Übersichtsbilder:
4. Chrysomela Banksi F. * 8- Timarcha tenebricosa F.
Textfig. 3. Fortschreitende Verkürzung der Hinterbrust bei fortschreitender Flügelreduktion.