
trichterförmig fein beborstet. Will man auch derartige Pseudopodien Papillen nennen, so kann sich
diese Bezeichnung nur auf den erweiterten Trichter, der vielleicht als ungebildete Papille aufzufassen
ist, erstrecken, nicht aber auf den ganzen Träger dieser Trichterpapille (Fig. 31).
Eine ganz besondere Bildung, die sich bei keiner anderen Insektengruppe wiederholt, findet
sich auf der Ventralseite des 1. Thorakalsegmentes. Sie besteht in einer schmalen starken Verdickung
Fig. 31. Larve von Lestodiplosis, rechte Seite des 3. Thorakal- und des
1. Abdominalsegments von unten,
a. Pedes spurri, b, und b2. Lateralpapillen, c. innere Pleuralpapille,
d und e. äußere Pleuralpapillen, f. Ventralpapillen, st. Stigma.
der Cuticula in der Längsachse des Larvenkörpers, die am Vorderrande etwas vorgestülpt ist, in
Form eines oder mehrerer Zähne vorragt und allgemein als B r u s t g r ä t e (Spatula sternalis) bezeichnet
wird. Von ihr wie von den Papillen wird noch weiter unten zu sprechen sein.
Nicht zu verwechseln mit den vorher erwähnten Papillen sind die an den Seiten oder dem
Rücken in Form kürzerer oder längerer Zapfen vorragenden S t i g m e n t r ä g e r , von denen sich
ein Paar meist auf der Oberseite des 1. Thorakalsegmentes, ein Paar an jeder Seite des 1—7. Abdominalsegments
und ein Paar auf dem Rücken des 8 . Abdominalsegmentes befindet. Nur ausnahmsweise
treten auch Stigmen am Analsegment auf (Rhizomyia).
Die K ö r p e r h a u t der Gallmückenlarven ist meist farblos oder weißlich und läßt die Farbe
der inneren Organe (Fettkörper, Darm, Malpighische Gefäße) durchscheinen. Die Farbenangaben
bei Larven beziehen sich daher stets auf die Farbe dieser Organe und meist nur auf diejenige der
Fettkörper, die je nach der Art und dem Alter des Tieres weiß, gelb, rot oder bräunlich gefärbt sein
können. Innerhalb dieser Farben finden sich alle möglichen Abstufungen und Übergänge. Das
Rot z. B. ist bei der einen Art bald zinnoberrot, bald karmin, blaß rosenrot oder gelbrosa; sehr oft
sind Fettkörper und Darm verschieden gefärbt. Letzterer ist entweder grün, gelblich, braun, rot
oder weiß, während die Malpighischen Gefäße in der Regel grün, gelb oder braun sind.
Junge Larven sind in der Regel ganz farblos, weißlich oder blaßrot, und die Farbe ändert sich
oft sehr auffallend mit dem Alter der Tiere. So sind z. B. die jungen Larven von Massabngia rubra
farblos, werden dann gelb und endlich leuchtend rot. Aber auch gleichalterige Larven sind oft verschieden
gefärbt. So z. B. sind manche Contarinia- und Dasyneura-Larven unmittelbar vor der
Verpuppung bald gelb, bald weiß, und nicht selten ändert sich die Farbe der ausgewachsenen Larven
noch, nachdem sie aus den Gallen auswanderten und einige Zeit dem Lichte ausgesetzt wurden.
Von den 14 Körpersegmenten sind das vordere (der Kopf) und das letzte (das Analsegment)
durch ihre Form besonders ausgezeichnet. Für die Bestimmung der Gattungszugehörigkeit sind
außer ihnen noch das 3. Segment (das 1. Thorakalsegment), zuweilen auch das 2. (Collare), sowie
die Körperwarzen und die Papillen von Bedeutung.
a) Der Kopf.
Der Kopf trägt an jeder Seite einen zweigliedrigen Fühler (Fig. 27), dessen Grundglied gewöhnlich
kürzer und breiter ist als das folgende, doch wechselt die Form der Glieder und ihr Verhältnis
zueinander je nach der Art. Das letzte Fühlerglied ist besonders bei wandernden zoophagen Larven
(Lestodiplosis, Arthrocnodax) stark verlängert, zuweilen fast borstenförmig und sehr beweglich,
während es bei trägen, ihre Verwandlung in Gallen bestehenden Arten manchmal sehr kurz, plump
und unscheinbar ist. Der vordere Teil des Kopfes hat in der Regel die Form eines abgestumpften
oder abgerundeten Kegels. Am vorderen Ende desselben sitzen die verkümmerten Mundwerkzeuge,
deren Teile sich nicht mehr sicher deuten lassen, doch sieht man meist einen oder einige mehr oder
weniger spitze Chitinhaken vorragen, mit deren Hilfe es der Larve wohl möglich sein mag, die Zellwände
des Nährgewebes der Galle zu verletzen, so daß die ihr zur Ernährung nötigen Säfte an der
Wundstelle austreten. Bei gallenerzeugenden Arten sind nie Schluck- oder Saugbewegungen des
durchscheinenden Schlundes beobachtet worden, vermutlich wird die Larve durch das öffnen der
Galle oder schon durch das Abtrennen des vergällten Pflanzenteils veranlaßt, diese Tätigkeit einzustellen.
Bei zoophagen Larven dagegen, besonders bei Vertretern des Genus Lestodiplosis, kann man
derartige Schlundbewegungen nicht selten und recht gut beobachten. Über das chitinöse Stützgerüst
im Innern des Kopfes, das aus mehreren in der Längsachse der Larve verlaufenden Chitinspangen
besteht, welche untereinander wieder durch Querspangen verbunden sind, liegen nur einige
Mitteilungen von K i e f f e r (83) vor.
Bei manchen Larven, besonders der zoophagen Gattung Arthrocnodax, ist nicht nur der Kopf,
sondern auch das 2. Segment stark verlängert und verschmälert (Fig. 30). Die charakteristischen
Unterscheidungsmerkmale der Segmente liegen aber im allgemeinen weniger in ihrer Form als in der
Beschaffenheit der Körperhaut und ihrer Anhänge, die daher eine eingehendere Betrachtung fordern.
b) Die Körperwarzen.
1. B a u c h - u n d R ü c k e n w a r z e n ( V e r r u c a e v e n t r a l e s e t d o r s a l e s ,
U n c i n u l i v e n t r a l e s ) .
Bei fast allen Cecidomyidenlarven befinden sich vom 2. Thorakalsegment an an der Basis der
Ventralseite eigentümliche Gebilde, die schon R a t z e b u r g (Arch. Naturg. v. 7 I, p. 240, 242)
erwähnt und über die R ü b s a a m e n (10) später ausführlicher berichtet hat. Sie haben meist die
Form kleiner, nach hinten gerichteter, spitzdreieckiger Stachelchen, die in der Regel in mehreren,